Ölpreisverfall, unsichere Rechtslage im Inland und Russland-Sanktionen lassen Celler Förderindustrie leiden

Seit Sommer 2014 haben sich die Erdölpreise halbiert. Seit inzwischen vier Jahren wird ohne Ergebnis über das zuvor 50 Jahre angewandte Hydraulic Fracturing (“Fracking”)debattiert. Eine drastisch erschwerende Genehmigungspraxis für dieses Standardverfahren, aber auch für Tiefbohrungen insgesamt, ist zu erwarten. Hinzu kommen noch Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland. Keine guten Bedingungen für den Standort mehrerer Unternehmen, dem niedersächsischen Celle.

ITAG-Rig 27 auf Tightgas-Bohrung "Düste Z10" im Landkreis Diepholz ©chef79

ITAG-Rig 27 auf Tightgas-Bohrung “Düste Z10″ im Landkreis Diepholz ©chef79

Bereits im vergangenen Sommer meldete das in Celle beheimatete Unternehmen ITAG Kurzarbeit für seine gesamte Tiefbohrabteilung an. Betroffen sind ca. 250 Mitarbeiter, von denen teilweise die Hälfte gleichzeitig in Kurzarbeit sind. Laut des Artikels “Förderpläne auf Eis gelegt” des “Weserkuriers” vom 30. Januar 2015 sähe es nach Ansicht des ITAG-Personalleiters Detlev Doering bitter aus für die Branche, wenn bezüglich “Fracking” nicht zügig ein verlässlicher Rechtsrahmen geschaffen würde. Der “Weserkurier” spricht fälschlicherweie von einer Legalisierung des längst etablierten und somit erlaubten Verfahrens.

Doch die ITAG ist inzwischen nicht mehr das alleinige betroffene Unternehmen im “Klein-Houston” Deutschlands am Südrand der Lüneburger Heide. Das geht aus einer Pressemitteilung der  Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg hervor. Die IHK befragte 20 Unternehmen der mit 8.000 Beschäftigten für Celle bedeutenden Erdöl- und Erdgasindustrie zu ihrer wirtschaftlichen Situation.

Durch den internationalen Preisverfall für Erdöl sehen sich 15 Prozent der Unternehmen stark und weitere 50 Prozent sogar sehr stark betroffen. Bislang konnten die Unternehmen noch von Altaufträgen zwhren, doch gehen bei zwei von drei Unternehmen die Auftragseingänge erheblich zurück und bei der Hälfte gab es Auftragsstornierungen. Sieben Unternehmen mussten bisher Mitarbeiter entlassen und weitere vier meldeten Kurzarbeit an. Drei Unternehmen sehen sogar ihren Fortbestand im Inland gefährdet.

Erschwerend zum Ölpreisverfall kommt die gesellschaftspolitische Situation rund um die Erdgas- und Erdölförderung und hierbei insbesondere die Diskussion um Haydraulic Fracturing hinzu. Denn mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen erwirtschaftet den größten Teil ihres Umsatzes am nationalen Markt. Dementsprechend sehen sich 28 Prozent und genausoviele sogar sehr stark vom faktischen (auf keiner Gesetzesgrundlage beruhenden) “Fracking”-Moratorium betroffen:

Den Unternehmen fehlt Rechtssicherheit, denn seit knapp zwei Jahren werden in Erwartung einer verschärften Gesetzgebung keine Genehmigungen mehr erteilt.

Das ist so nicht ganz richtig, denn mittlerweile sind vier Jahre ins Land gezogen, seidem in Niedersachsen keine Fracmaßnahme mehr genehmigt worden ist. Dabei hat sich an der Gesetzeslage nichts geändert, unter der zuvor Fracmaßnahmen genehmigt worden sind.

Eine weitere Belastung stellen die Wirtschaftssanktionen gegenüber und seitens Russlands dar. Betroffen sind insbesondere Unternehmen, die zu mehr als drei Vierteln (23 Prozent der Befragten) oder sogar vollständig (15 Prozent) ihren Umsatz im Ausland erwirtschaften. Von den Sanktionen sind 30 Prozent der Unternehmen stark und weitere 10 Prozent sehr stark betroffen.

Das Zusammentreffen der drei Faktoren würde im Falle eines Andauerns bedeuten, dass über die nächsten 12 Monate 70 Prozent der Befragten einen Rückgang der Investitionen, 60 Prozent Umsatzverluste und 40 Prozent weiteren Personalabbau voraussehen.

Gegen den Ölpreisverfall ist von bundespolitischer Ebene aus wenig bis gar nichts auszurichten. Bezüglich des Verhältnisses zu Russland dürfte ähnliches gelten, wobei die Chancen besser stehen. Doch was die Verhältnisse im Inland betrifft, hat die Politik die notwendigen Werkzeuge in der Hand, um für die Industrie und insbesondere deren Mitarbeitern einen Rechtsrahmen mit Investitionsperspektive zu schaffen. Dazu wäre es aber unabdingbar, endlich Fachleuten Folge zu leisten und nicht den Bedenkenträgern. So sieht der Vorstandsvorsitzender des GeoEnergy Celle e.V., Thor Noevig, die Politik in der Verantwortung:

Bohrprojekte wären auch heute noch genug vorhanden, werden aber nicht umgesetzt. Denn in den letzten Jahren haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Tiefbohrungen wesentlich verschlechtert. Das gefährdet nun Hunderte von Arbeitsplätzen.

Doch es sind nicht nur Arbeitsplätze gefährdet, sondern perspektivisch auch eine anteilige Versorgung mit durch im Inland gefördertes Erdgas.

Neben Celle dürften auch weitere Kommunen und Regionen von der teilweise hausgemachten Krise betroffen sein, die Unternehmen der Serviceindustrie beheimaten, wie z.B. Vechta und Umgebeung oder auch die sachsen-anhaltinische Kreisstadt Salzwedel.

Erdgasbohrung Völkersen-Nord Z7 startet in Kürze

Am 13. Januar meldete RWE-Dea, dass das Unternehmen die unternehmenseigene Bohranlage T-160 kurzfristig stillegt. Begründet wurde die Maßnahme mit sinkenden Öl- und Gaspreisen sowie sehr hohen Preise für Ausrüstung, Material und Servicedienstleistungen.

RWE-Dea- Bohranlage T-160 im Erdgasfeld Völkersen (Mai 2013) chef79

RWE-Dea- Bohranlage T-160 im Erdgasfeld Völkersen (Mai 2013) chef79

Exakt eine Woche nach dem vollzogenen Verkauf der RWE-Tochter an den russischen Investor Letter One meldet das nun unter DEA Deutsche Erdoel AG firmierende Unternehmen, dass die Bohranlage wieder in Betrieb genommen wird. Gegenwärtig wird sie auf der Lokation “Völkersen Nord Z7″ errichtet, wo sie zuvor auf unbestimmte Zeit abgelegt worden ist.

Die Lokation befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der jahresübergreifend 2011/2012 abgeteuften Bohrung “Völkersen Nord Z6″ im nordwestlichen Bereich der Lagerstätte “Völkersen/Völkersen Nord” östlich von Bremen im Landkreis Verden gelegen. Die Lagerstätte, die bereits 1992 mit der Bohrung “Völkersen Z1″ aufgeschlossen worden ist, stellt den bislang letzten Erdgasfund in Deutschland von größerer Bedeutung dar. Bis Ende 2013 konnten aus dem Vorkommen ca. 18,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas gewonnen werden.

Hintergrundinformationen zur Bohranlage T-160 (von RWE-Dea übernommen):

Die Bohranlage T-160 zählt zu den stärksten Bohranlagen Europas. Die elektrisch betriebene Tiefbohranlage mit einer Antriebsleistung von über 6.300 Kilowatt macht auch stark abgelenkte Bohrungen sowie Horizontalbohrungen mit Längen von mehr als 6.000 Metern möglich. Der Bohrturm der T-160 ist rund 62 Meter hoch.

Weitere Informationen:

Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2013

Bürgerinformationsseite Völkersen

Ist die inländische Erdgasversorgung in Gefahr? Ein Gedankenspiel.

Vor gut einer Woche, am 12. Februar 2015, erschien bei der Wirtschaftswoche (WiWo) ein interessanter und gelungener Artikel von Benjamin Reuter, der sich ausführlich mit der Erdgasversorgung Europas in näherer Zukunft auseinandersetzte. Dabei arbeitete Reuter heraus, dass diese unter keinem guten Stern stünde. Der Artikel Versiegende Vorkommen Europa geht das Erdgas aus” gab Anlass für eine Betrachtung für Deutschland, die hier gedanklich durchgespielt werden soll.

1. Einleitung

Erdgasförderbohrung "Püggen 113" in der Altmark ©chef79

Erdgasförderbohrung “Püggen 113″ in der Altmark ©chef79

Deutschland deckt gegenwärtig seinen Primärenergieverbrauch zu ca. 20 Prozent aus Erdgas, und das bereits seit mehreren Jahren auf stabilem Niveau. Im Jahr 2013 betrug der Anteil z.B. 22,9 Prozent, während die Energieträger Wind und Sonne inklusive Solarthermie lediglich ziemlich exakt 1/10 diese Betrages beisteuern konnten. Die vielgepriesenen “Erneuerbaren” brachten es mit insgesamt 10,4 Prozent auf knapp die Hälfte (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). Das unterstreicht die Bedeutung von Erdgas.

Doch Erdgas ist nicht nur Energieträger sondern auch Rohstoff für die chemische Industrie und ein interessantes Substitutionsgut für Erdöl in der petrochemischen Industrie zur Herstellung von Kunststoffen sowie anderen klassischen Erdölprodukten. An dieser Stelle soll auf den Vortrag Hydraulic Fracturing in Deutschland – Die Risiken aus geowissenschaftlicher Sicht von Dr. Volker Wrede vom Geologischen Landesdienst Nordrhein-Westfalen (NRW) hingewiesen werden, der in seinen Ausführungen auch diesen Punkt anschneidet.

Erdgas ist also ein bedeutender, vielfältig einsetzbarer Rohstoff nicht nur zur Erzeugung von Strom und Wärme durch seine Verbrennung. Deshalb ist die Frage von Bedeutung, wie sich Deutschland mit diesem Rohstoff versorgt und künftig versorgen wird. Der zweite Teil der Frage wirft dabei ein sicherlich nicht leicht zu lösendes Problem auf, dass hier im weiteren Verlauf diskutiert werden soll.

2. Wie versorgt sich Deutschland gegenwärtig mit Erdgas?

Die Erdgasversorgung Deutschlands kann gegenwärtig noch als diversifiziert bezeichnet werden. Allerdings ist die Versorgung nicht so breit gefächert wie beim Erdöl. Dieser Rohstoff stellt mit 33,6 Prozent nach wie vor den bedeutendsten Anteil beim Primärenergieverbrauch Deutschlands dar. Die Versorgung der deutschen Volkswirtschaft erfolgt dabei aus 30 Ländern (Stand 2013), wobei anders als allgemein vermutet der Beitrag aus dem Nahen Osten insgesamt als unbedeutend anzusehen ist. Er entspricht in etwa der Größenordnung der Inlandsförderung (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Energiestudie 2014) von ca. 2,5 Mio. bis 3 Mio. Tonnen Erdöl pro Jahr.

Bei der Erdgasversorgung leisten hingegen nur vier Länder einen bedeutenden Anteil, darunter Deutschland mit ca. 12 Prozent im Jahr 2013. Zehn Jahre zuvor lag der Selbstversorgungsanteil noch bei 18 Prozent und stieg 2005 sogar zwischenzeitlich auf 20 Prozent, um danach kontinuierlich zu sinken (siehe Diagramm). Aufgrund ausgebliebener bedeutender Neufunde und nicht zu vergessen aufgrund politisch bedingter Blockaden hinsichtlich der Erschließung bereits bekannter Vorkommen wird der Anteil in den nächsten Jahren weiter sinken. Dabei ist zu beachten, dass der inländische Erdgasbedarf seit dem Jahr 2000 mit ca. 3.000 Petajoule/Jahr sich auf konstantem Niveau bewegt (Quelle: Auswertungstabellen zur Energieversorgung Deutschlands 1990 bis 2013, AG Energiebilanzen e.V.). Der Anteil der Eigenversorgung muss also kompensiert werden.

Und das ist bislang durch die weiteren Versorger gelungen. So konnte, wie das Diagramm veranschaulicht, der sinkende Anteil Deutschland sowie der rückläufige Beitrag Norwegens durch die Niederlande und vor allem durch Russland ausgeglichen werden. Doch wie Benjamin Reuter es in seinem lesenswerten Beitrag beschrieben hat, wird die Kompensation in den nächsten Jahren und spätestens ab 2020 erheblich erschwert werden.

3. Versorgungsprobleme in näherer Zukunft?

ITAG-Rig 30 auf Schiefergaserkundungsbohrung "Damme 2" Sukrams

ITAG-Rig 30 auf Schiefergaserkundungsbohrung “Damme 2″ ©Sukrams

Diese Frage ist sicherlich nicht unberechtigt. Denn wie bereits erwähnt sinkt der Eigenversorgungsanteil Deutschlands seit 10 Jahren kontinuierlich und schrumpfte von noch beachtlichen 20 Prozent auf inzwischen lediglich die Hälfte.

Da diese Entwicklung aufgrund ausgebliebener größerer Neufunde abzusehen war, wurde seit 2008 mit der Erkundung potenzieller Erdgasvorkommen in sogenannten “unkonventionellen Lagerstätten”, bei denen das Erdgas im Muttergestein, also an dem Ort, wo es gebildet wurde, verblieben ist, begonnen. Doch kam die Erkundung bereits drei Jahre nach ihrem Beginn wieder zum Erliegen. Dabei waren nicht negative Explorationsergebnisse dafür ausschlaggebend, sondern politische Willkürentscheidungen.

Denn für die Erschließung, insbesondere von Erdgasvorkommen in Tonsteinen (“Schiefergas”), ist die Anwendung des Hydraulic Fracturing erforderlich. Dieses Verfahren, dass zuvor über 50 Jahre in Deutschland angewendet wurde, um Erdgaslagerstätten in verschiedenen Sandsteinvormationen zu erschließen und optimaler auszubeuten, ist durch Falschdarstellungen im Film “Gasland” in Verruf geraten. Die Falschdarstellungen wurden durch unkritische Medienberichte verbreitet und die Ablehnung des Standardverfahrens dadurch noch potenziert. Erst vor wenigen Wochen sahen zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender ein, dass die Ausstrahlung von “Gasland” ein Fehler war. Zu spät! Mehr dazu: “Öffentlich-rechtliche Sender wollen “Gasland” nicht mehr ausstrahlen – Entscheidung kommt vier Jahre zu spät”.

Die Debatte hatte zügig die Politik erreicht, die sich sofort in Aktionismus verstieg. Konsequenz war und ist die Schaffung eines investitionshemmenden Klimas für die inländische Erdgasförderindustrie. So wurde die Exploration unkonventioneller Lagerstätten quasi unterbunden und dabei wird es durch anberaumte Gesetzesänderungen auch bleiben. Denn diese sind so angelegt, dass kein Unternehmen teure Erkundungsmaßnahmen durchführen wird. Denn durch die willkürlich gezogene 3.000-Meter-Tiefenlinie, oberhalb derer in unkonventionellen Lagerstätten nicht gefract werden darf, sind die lukrativen Vorkommen im Posidonia des Lias sowie potenzielle Vorkommen im “Wealden” als Explorationsziel hinfällig, da diese in Teufen ab 1.000 Meter bis ca. 2.500 Meter zu verorten sind.

Aber auch in anderen Lagerstätten, in denen zuvor seit 1961 das Fracverfahren zur Anwendung kam, wurde seit 2011 keine entsprechende Maßnahme mehr genehmigt, obwohl sich die Gesetzeslage nicht geändert hat, was abermals die politische Willkür unterstreicht. Die Konsequenz ist ein rapiderer Rückgang der Inlandsförderung als noch vor wenigen Jahren angenommen bei gleichzeitigem Ausbleiben der Erkundung und Erschließung potenzieller Vorkommen. Hält diese Tendenz an, wird innerhalb der nächsten 10 Jahre der Beitrag der heimischen Produktion am Inlandsbedarf marginalisiert.

Erschwerend kommt hinzu, dass ab 2020 die Niederlande, die 2013 noch 25 Prozent zur Erdgasversorgung Deutschlands wegfallen werden. Das hängt einerseits damit zusammen, dass die Förderung in der drittgrößten Erdgaslagerstätte der Welt, dem Erdgasfeld “Groningen”, aufgrund natürlicher Erschöpfung die Förderung zurückgeht. Verschärft wird dieser Trend durch die Entscheidung der niederländischen Regierung, die Förderung in diesem Feld zu drosseln.

Diese Entscheidung beruht auf den in der Region auftretenden Erdstößen, die bereits zu Gebäudeschäden geführt haben sollen und in Teilen der Bevölkerung für Protest sorgten. Diese seismischen Ereignisse sind Folge der Druckentlastung durch die seit 50 Jahren laufende Förderung aus der Lagerstätte und nicht etwa von “Fracking” wie jüngst in einigen deutschen Medien wie N24 behauptet wurde.

Unter der Annahme, dass der Erdgasverbrauch bis 2020 in etwa stabil bleibt, der Anteil der Eigenversorgung auf 5 Prozent schrumpft und der 25-Prozent-Anteil der Niederlande entfällt, ergäbe dies eine Versorgungslücke, die knapp einem Drittel des inländischen Erdgasbedarfes entspricht.

4. Auswege aus dem potenziellen Dilemma

Biogasanlage (oben) und Erdgasförderbohrung "Hemsbünde Z4"  (unten) im Landkreis Rotenburg/Wümme Quelle: Bing Maps

Biogasanlage (oben) und Erdgasförderbohrung “Hemsbünde Z4″ (unten) im Landkreis Rotenburg/Wümme
Quelle: Bing Maps

In einer Rede der Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks bei der ZEIT-Konferenz “Erdgas & Klimaschutz” betonte die Umweltministerin die Bedeutung von Erdgas. So folgt aus ihrer Sicht:

dass Erdgas als Heiz- und Kraftstoff sowie zur Stromerzeugung in Kraftwerken eine wichtige Brückenfunktion besitzt. Erdgas ist außerdem ein wichtiger Teil des Energieportfolios bei uns, in Europa und weltweit. Deutschland kann wegen der wichtigen Frage nach der Versorgungssicherheit auf fossile Energieträger als Übergangstechnologien bei Umstellung auf erneuerbare Energien mittelfristig nicht verzichten.

 Gleichzeitig erteilt sie aber Erdgas, dass mit Hilfe des Fracverfahrens aus Tonschiefern und Kohleflözen gewonnen wird, eine deutliche Absage:

Unkonventionell gefracktes Gas ist für unsere Energieversorgung wirklich überflüssig.

Also nach Meinung der Ministerin ist Erdgas wichtig, aber dabei überflüssig, wenn es aus unkonventionellen Lagerstätten kommt, die mit Hilfe des Fracverfahrens erschlossen werden müssen. Jedenfalls interpretiere ich so das Kauderwelsch von “unkonventionell gefracktem Gas”. Doch die Frage, woher künftig Deutschland sein Erdgas beziehen sollte, bleibt dabei offen.

Denn nur die Erschließung der vielversprechenden Erdgaspotenziale in Tonschiefern und untergeordnet Kohleflözen, den sogenannten “unkonventionellen Lagerstätten” hinsichtlich einer Differenzierung in “unkonventionell” für im Muttergestein vorhandene Erdgasvorkommen sowie “konventionell” für Lagerstätten, in die das Erdgas aus dem Muttergestein gewandert (migriert) ist, kann den Förderrückgang bremsen und den Trend womöglich sogar umkehren und damit den Eigenversorgungsanteil erhöhen.

Möglicherweise kann Russland einen Teil der Versorgungslücke schließen. Doch ob das bei der gegenwärtigen politischen Lage erstrebenswert ist, sollte zumindest hinterfragt werden. Zumindest müsste eine weitere Erdgastrasse gebaut werden, was innerhalb eines kleinen Zeitfensters von fünf Jahren nicht machbar ist, obgleich der Bau der Ostseepipeline erstaunlich zügig vonstatten ging. Russland scheidet somit als kurzfristiger Kompensator aus.

Ähnlich verhält es sich mit Importen von verflüssigtem Erdgas (LNG) z.B. aus Katar. Zwar verfügt Europa laut B. Reuters Artikel über Kapazitäten von 200 Mrd. Kubikmetern, die nur zu einem Viertel ausgelastet sind, doch ist LNG aufgrund des energetischen Aufwands zur Verflüssigung vergleichsweise teuer. Und hier stellt sich die Frage, ob Deutschland sich tatsächlich von einer potenziellen Krisen- und Kriegsregion abhängig machen will. LNG-Transporte aus Katar müssten über die Straße von Hormuz erfolgen, die den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean verbindet.

Biogas stellt ebenfalls keine Alternative dar, wie es auch Reuter sieht. Es mangelt jedoch nicht nur an Anbauflächen, sondern auch die ökologische Bilanz ist verheerend. Mehrfach führten Havarien an Biogasanlagen zu massiven Gewässerverunreinigungen. Denen konnten die häufig durch Bürgerinitiativen im Schulterschluss mit Umweltverbänden und Medien zu Umweltskandalen aufgebauschten Vorkommnissen im Zusammenhang mit der Erdöl- und Erdgasproduktion nicht annähernd das Wasser reichen.

Inwiefern das von Energiewendeverfechtern herbeigesehnte “Power To Gas” (P2G) zu Lösung des Problems beitragen könnte, ist gegenwärtig nicht abzusehen. Bei diesem Verfahren wird mit Hilfe von (überschüssiger) elektrischer Energie zunächst Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten (Hydrolyse). In einem zweiten Schritt wird der Wasserstoff mit Kohlendioxid zu Methan umgewandelt. Als Nebenprodukt fällt Wasser an. Statt Kohlendioxi kann auch Kohlenmonoxid verwendet werden (Quelle: Strategieplattform Power to Gas – Strom in Gas umwandeln). Das Problem bei P2G: Das Verfahren ist (noch) sehr teuer, großmaßstäbig nicht verfügbar und zudem soll das synthetische Methan verstromt werden und fällt somit für Heizzwecke und als Rohstoff der chemischen Industrie weg.

Die Frage, wie sich ein Ausweg aus dem sich abzeichnenden Dilemma finden lässt, ist also nicht einfach zu beantworten. Ein erster Schritt wäre es, die Exploration und die sich später eventuell anschließende Produktion von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten zu forcieren. Parallel muss selbstverständlich nach Wegen gesucht werden, die einen Abschied von fossilen Energieträgern ermöglichen, da diese endlich sind. Wind und Sonne sind jedenfalls nicht der Ausweg. Das zeigt deren geringer Anteil an der inländischen Energieversorgung, der trotz aller Anstrengungen gerade einmal bei 2,3 Prozent liegt und damit ungefähr gleichauf mit dem Anteil, den in Deutschland gewonnenes Erdgas noch beitragen kann.

Öffentlich-rechtliche Sender wollen “Gasland” nicht mehr ausstrahlen – Entscheidung kommt vier Jahre zu spät

Diese Meldung erschien Anfang Januar 2015 im PR-Magazin (hier der Link zur Einleitung, ). Angeblich reagierte der Programmbeirat auf einen FAZ-Artikel, der die reißerische Ankündigung des “Kampagnenjournalismus”-Films auf Arte noch im August 2014, deutlich kritisierte. Doch die Entscheidung der öffentlich-rechtlichen Sender kommt viel zu spät.

Erdgasbohrung wird einer Fracmaßnahme unterzogen ("Goldenstedt Z23") Quelle: WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Erdgasbohrung wird einer Fracmaßnahme unterzogen (“Goldenstedt Z23″)
Quelle: WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Denn bereits spätestens seit Mai 2011 ist bekannt, dass der “Gasland”-Filmemacher Josh Fox bewusst unwahre Aussagen/Darstellungen in sein Machwerk integriert hat. Das hat der investigative Journalist Phelim McAleer herausgefunden, indem er bei einer Veranstaltung Josh Fox unbequeme Fragen stellte. Im Verlauf der Befragung musste dann Fox eingestehen, dass ihm bekannt war, dass lange vor Fracarbeiten Methan im Grundwasser enthalten war und somit das Phänomen der entflammbaren Wasserhähne altbekannt ist (YouTube-Video “Gasland director hides full facts).

Auf diesen Sachverhalt wurde in Forenbeiträgen bei Arte und 3sat teilweise noch vor der Ausstrahlung mehrfach hingewiesen, jedoch wurden diese Hinweise konsequent ignoriert. Dieses Ignorieren hatte fatale Folgen, denn das in “Gasland” dargestellte und behauptete, wurde von zahlreichen Mitbürgern unkritisch geglaubt.

Das hatte zur Folge, dass die ungefähr zum Jahreswechsel 2010/2011 angelaufene und im wesentlichen auf emotionaler Ebene geführte Debatte um die auch in Deutschland seit Jahrzehnten etablierte Technologie des Hydraulic “Fracking” Fracturing verschärft wurde. Ich bin sogar überzeugt davon, dass es ohne diesen Film, an dem quasi nichts Wahres dran ist (siehe “Fracking in den USA – ‘Gasland’ und die Fakten” bei den Kollegen von ScienceSkeptical), es dies Debatte nicht gegeben hätte. Schließlich beriefen sich bereits vor der Ausstrahlung des Films Medienberichte auf Szenen und Behauptungen aus “Gasland”.

Die Debatte, die von durch “Gasland” bzw. durch die genannten Medienberichte verunsicherte Mitbürger angestoßen wurde, erreichte zügig die Politik, angefangen von der kommunalen Ebene bishin zur bundespolitischen. Im wesentlichen geht es dabei um vermutete, jedoch bislang unerschlossene Erdgasvorkommen in Tongesteinen mit hohen organischen Anteilen (“Schiefergas”) sowie untergeordnet in Kohleflözen (“Coal Bed Methane” bzw. “CBM”).

Aber auch das bereits seit fünf Jahrzehnten (!) in Deutschland ohne umweltrelevante Probleme in Sandsteinen (Buntsandstein, Rotliegendes sowie Karbon und ganz untergeordnet im Jura) sowie auf dem Gebiet der DDR auch im Staßfurtkarbonat des Zechstein durchgeführte Hydraulic Fracturing geriet in den Fokus der Kritik. Für das Jahr 2011 anberaumte Projekte in den Bohrungen “Bötersen Z11″ (Rotliegendes, Landkreis Rotenburg) sowie “Düste Z10″ (Karbon, Landkreis Diepholz) sind bis heute nicht umgesetzt worden.

Lediglich in der Erdölbohrung “E Barth 11″ in Vorpommern konnte im Jahr 2014 durch geschickte Argumentation des Unternehmens CEP Central European Petroleum GmbH (CEP) eine Mehrfach-Fracbehandlung in der horizontalen Bohrstrecke im Speichergestein (Staßfurtkarbonat) durchgeführt werden. CEP distanzierte sich deutlich vom “Fracking” in Schiefergaslagerstätten.

Dabei muss man bedenken, dass der vor 2010/2011 in Deutschland unbekannte Begriff des “Fracking” als Kurzform für “Hydraulic Fracturing” mittlerweile durch Bürgerinitiativen (BI), Umweltverbände und zahlreiche Medien zur Definition des Gesamtprozesses der Schiefergasförderung umgedeutet wurde. Oder auch nicht. Je nachdem, wie es den Gegnern des weltweit über 2,5 Millionen Mal durchgeführten Standardverfahrens gerade ins Konzept passt.

Da in Deutschland irgendwo immer Wahlkampf ist und die gut organisierten BI, Umweltverbände sowie Journalisten wie dem “Solarpreisträger für persönliches Engagement” Jürgen Döschner vom zur Neutralität (!) verpflichteten öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ARD) es erfolgreich geschafft haben, den Eindruck zu vermitteln, dass der überwiegende Anteil der deutschen Bevölkerung gegen Hydraulic Fracturing eingestellt ist, sah sich die Politik gezwungen, dem vermeintlichen Wählerwillen entsprechend zu handeln.

Erdgasbohrung "Bötersen Z11", im Zuge der aufkeimenden Debatte steht die geplante und notwendige Fracmaßnahme noch aus ©chef79

Erdgasbohrung “Bötersen Z11″, im Zuge der aufkeimenden Debatte steht die geplante und notwendige Fracmaßnahme noch aus ©chef79

Dabei kann es durchaus sein, dass die Mehrheit der Deutschen eine ablehnende Haltung gegenüber Hydraulic Fracturing hat. Das ist meiner Ansicht nach eine Folge jahrelanger medialer Desinformation, die mit der unkritischen Berichterstattung über die angeblichen unausweichlichen Folgen der Schiefergasgewinnung begann und sich dabei mit Szenen aus “Gasland” bediente und schließlich in der mehrfachen Ausstrahlung dieses Filmes gipfelte.

Ohne nachvollziehbaren Grund ist die Politik deshalb bestrebt, die Möglichkeiten zur Durchführung des Hydraulic Fracturings erheblich einzuschränken. Der Satiriker und Kabarettist Dieter Nuhr hat dieses Bestreben folgendermaßen dargestellt:

“Das Umweltbundesamt will das Fracking verbieten, weil sich die Risiken dieser Technologie noch nicht sicher vorhersagen lassen. Also nicht, weil es ein Risiko gäbe, sondern weil es eins geben könnte. […]”

Dieses Zitat ist einem beim WDR ausgestrahlten Podcast entnommen worden. Nuhr erntete für seinen satirischen Beitrag üble Beschimpfungen aus den Kreisen der selbsternannten “Anti-Fracking-Bewegung”, was ich in dem Beitrag “Wegen Satire: Dieter Nuhr erntet üble Beschimpfungen von “Fracking”-Gegnern” beschrieben habe.

Während die Bundesregierung lediglich infolge der von “Gasland” ausgelösten Debatte wie oben geschrieben die Möglichkeiten zur Durchführung des Hydraulic Fracturings erheblich einschränken will, wollen einzelne Landesregierungen das Standartverfahren komplett verbieten. Eine nachvollziehbare, wissenschaftlich begründete Grundlage dafür existiert jedoch nicht.

Zwar hat bereits die vorangegangene Bundesregierung über das meiner Ansicht nach politisierte/ideoligisierte Umweltbundesamt (UBA) eine zweiteilige Risikostudie zum “Fracking” in Auftrag gegeben, aber das Ergebnis entspricht nicht den Vorstellungen des Auftraggebers. Der Geophysiker Prof. Dr. Horst Rüter dazu in seinem Beitrag “Fracking – kann die Politik noch sachbezogen handeln?”:

Es wurden Gutachten und Studien in Auftrag gegeben (NRW und UBA 1 und 2). Die Wissenschaftler wurden sorgfältig so ausgesucht, dass sie von Fracking möglichst keine Ahnung hatten, zumindest aber noch nie etwas zum Thema veröffentlicht hatten. Dennoch entstanden überraschenderweise brauchbare Gutachten, die zum größten Leidwesen der Politik deren populistische Positionen nicht begründeten.

Der Chefgutachter des zweiten Teiles, Uwe Dannwolf, widersprach sogar öffentlich der Interpretation des Gutachtens seines Auftraggebers, dem UBA. Dieser Widerspruch wurde in einer kleinen Serie des NDR/ARD Magazins “Panorama” sowie dessen Ablegern thematisiert. Im Rahmen dieser Serie wurde dann auch endlich “Gasland” als das dargestellt, was der Film ist: Hochgradig unseriös.

Einer der Beiträge wurde treffenderweise “Fracking: Die Angst der Politik vorm Bürger” genannt. Ich habe diesen Beitrag bewusst verlinkt, da anhand der unter dem Beitrag zu findenden  Kommentare hervorgeht, wie die “Fracking”-Gegner reagieren, wenn sich ein Magazin auf sachlicher Ebene einem heiß diskutiertem Thema nähert. Ich denke, es ist überflüssig zu erwähnen, dass einige Kommentare an Niveaulosigkeit, ähnlich wie zum Nuhr-Beitrag, kaum  zu unterbieten sind.

NDR/ARD reagierten mit “Die Wucht der Vorwürfe hat uns überrascht” entsprechend irritiert auf die unsachlichen Kommentare der “Fracking”-Gegner. Was ich an dieser Stelle der “Panorama”-Redaktion hoch anrechne ist das Eingeständnis, dass auch sie sich von “Gasland” beeindrucken ließen und die Szene mit den brennenden Wasserhähnen als wahr verkauften. Auf die Serie der “Panorama”-Redaktion folgte eine Replik der Kollegen vom “Monitor”-Magazin, an der auch der bereits erwähnte Jürgen Döschner beteiligt war. Dazu habe ich mich ausführlich im ScienceSkeptical-Beitrag “Öffentlich-rechtliche Diffamierung von Wissenschaftlern”ausgelassen. Einen lesenswerten Artikel dazu gibt es auch bei “Die Achse des Guten” mit dem Titel “Fräck ju, Panorama!” von Wolfgang Röhl.

Allerdings erschienen die “Panorama”-Beiträger erst nach der letzten “Gasland”-Ausstrahlung bei Arte. Und diese Ausstrahlung wurde vom grünen Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Herrn Johannes Remmel, via Twitter beworben (Filmtipp Remmel). Es ist peinlich, dass von einem Landesminister ein Film beworben wird, der vor nachgewiesenen Unwahrheiten nur so strotzt.

Fataler ist jedoch, dass aufgrund der seit inzwischen 4 Jahren anhaltenden Debatte dank “Gasland” um eine bewährte Standardtechnologie auf inzwischen sämtlichen politischen Ebenen, die inländische Erdöl-Erdgasindustrie keine Planungssicherheit für Investitionsentscheidungen hat. Dieser Umstand hat zur Folge, dass seit fast vier Jahren keine Fracmaßnahme in Erdgaslagerstätten genehmigt wurde, obwohl sich die Gesetzeslage nicht geändert hat, aber ändern könnte. Das wiederum hat zur Folge, dass der seit etwas mehr als 10 Jahren zu verzeichnende Förderabfall beschleunigt hat.

Der ungerechtfertigte Genehmigungsstillstand sowie die wissenschaftlich nicht nachvollziehbaren, da unbegründeten geplanten Erschwerungen der Genehmigungspraxis für hydraulische Stimulationsmaßnahmen haben zudem noch weitere Folgen: Anberaumte Projekte wurden auf Eis gelegt oder sogar komplett in den Orkus geworfen, so dass inzwischen Bohrkontraktoren wie die ITAG Kurzarbeit einführen mussten oder bei Mitbewerbern wie der KCA Deutag Kurzarbeit ansteht. Hinzu kommt, dass sich der Eigenversorgungsanteil von einst 20 Prozent auf jetzt lediglich nur noch 10 % weiter verringern wird.

Und das alles ohne Not, nur weil es ein längst als unwahr entlarvter Film geschafft hat, große Bevölkerungsteile, von denen sich wiederum einige in BI engagieren, zu verunsichern. Diese in BI verunsicherten Bürger haben es wiederum geschafft, teilweise mit befangenen Journalisten, die Politik vor sich herzutreiben, die sogar soweit geht, von ihr selbst in Auftrag gegebene Studienergebnisse nicht zu akzeptieren. In anderen Bereichen hätte dies einen politischen Skandal zur Folge, bei dem die Verantwortlichen wie die UBA-Präsidentin Krautzberger (SPD) sowie deren Weisungsbefugte und Parteigenossin, die Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks, ihren Hut hätten nehmen müssen. Wenn es um fossile (Energie-) Rohstoffe geht, gelten jedoch anscheinend andere Regeln.

Lesetipps:

„Harte Bretter“ Brennende Wasserhähne (FAZonline 17.11.2014)

“Öffentlich-rechtliche Diffamierung von Wissenschaftlern” (ScienceSkeptikal 04.10.2014)

Erdgasbohrung Goldenstedt Z34 gasfündig!

Etwa ca. 40 Kilometer südwestlich von Bremen befindet sich mit der 1971 entdeckten Lagerstätte Goldenstedt-Visbek eine der bedeutendsten Erdgasvorkommen in Deutschland. Im März 2014 wurde damit begonnen eine neu Bohrung mit der Bezeichnung “Goldenstedt Z34″ abzuteufen. Im Herbst 2014 konnten die Bohrarbeiten abgeschlossen werden, und zwar erfolgreich.

ITAG Rig 27 auf Erdgasbohrung "Goldenstedt Z21", März 2012 chef79

ITAG Rig 27 auf Erdgasbohrung “Goldenstedt Z21″, März 2012 ©chef79

Ziel der Bohrung, südöstlich der Ortschaft Langförden gelegen, war ein zentraler strukturtiefer Bereich im Stassfurt-Karbonat. Es handelt sich um eine Produktionsbohrung, die die Förderung der Erdgaslagerstätte “Goldenstedt-Visbek” erhöhen soll. Die Bohrung ist zunächst bis in eine Tiefe von 2.300 m  vertikal gebohrt worden. Anschließend wurde sie dann nach Nordwesten bis zur Endteufe von ca. 3.900 Metern abgelenkt.

Im September 2014 erfolgten dann unter Zuhilfenahme einer sogenannten Coiled-Tubing-Anlage Freiförderarbeiten, um aus technischen Gründen in der Bohrung stehendes Wasser auszutragen. Das während dieses Prozesses anfallende Erdgas wurde über eine Fackelanlage verbrannt.

Der Betreiber der Bohrung, die ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) teilte nun im Dezember mit, dass die Bohrung seit Mitte November 2014 in Produktion steht. Sie liefert täglich 240.000 Kubikmeter Erdgas. Diese Menge entspricht dem Jahresverbrauch von ca. 150 Haushalten. Aufs Jahr hochgerechnet könnten fast 55.000 Haushalte mit Erdgas allein aus dieser Bohrung versorgt werden. Die EMPG erwartet, dass über 20 Jahre Erdgas aus der Bohrung gewonnen werden kann.

Insgesamt wurden aus der Lagerstätte Goldenstedt-Visbek nach Angaben des LBEG-Jahresberichtes Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2013 bis Ende 2013 knapp 60,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Im Jahr 2013 betrug die Förderung etwa 1,25 Milliarden Kubikmeter aus 22 Bohrungen.

Weitere Informationen:

Bohrprojekt Goldenstedt Z34 ExxonMobil beginnt mit den Bohrarbeiten

ExxonMobil beginnt mit Arbeiten zur Inbetriebnahme der Erdgasbohrung

Erdgasbohrung Goldenstedt Z34 produziert seit Herbst

Abschluss von Wartungsarbeiten auf altmärkischer Erdgasbohrung wird von Bürgerinitiative als Erfolg gefeiert

In den vergangenen drei Wochen gab es im Zusammenhang mit standardmäßigen Wartungsarbeiten auf einer altmärkischen Erdgasbohrung viel Aufregung. Verantwortlich dafür war die Bürgeinitiative “Kein CO2-Endlager in der Altmark” (BI CO2 Altmark), die über Vorbereitungen für mögliche Fracarbeiten spekulierte und mit diesen Spekulationen an die Öffentlichkeit trat. Dadurch gelang es ihr, auch Anwohner der Bohrung zu verunsichern. Doch was ist der Hintergrund der Geschichte?

Erdgasförderbohrung Wenze 1 im April 2013 chef79

Erdgasförderbohrung “Wenze 1″ im April 2013 ©chef79

In der Altmark wurden seit Ende der 1960er Jahre mehrere sehr bedeutende Erdgasvorkommen entdeckt und in Förderung genommen. Insgesamt konnten von den ca. 400 abgeteuften Bohrungen ungefähr 320 in Förderung genommen werden. Davon standen Ende 2013 noch etwa 140 Sonden in Produktion. Diese Bohrungen müssen in Abständen von mehreren Jahren sogenannten “Workover”-Arbeiten unterzogen werden, bei denen der innerhalb des verrohrten Bohrloch befindliche Förderstrang aus verschiedenen Gründen (z.B. Verschleiß) ausgewechselt werden muss. Solche Arbeiten standen jüngst auf der Bohrung “Wenze 1″ an.

Im Juli 2014 wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass  im Jahr 2013 die Aufsuchungserlaubnis “Kunrau” an den Betreiber der Altmarklagerstätten, der GDF-Suez E&P GmbH (GDF-Suez) vergeben wurde. Es entsponnen sich umgehend dank eines Zeitungsartikels der Volksstimme wilde Spekulationen über riesige Erdgasvorkommen unter dem Gebiet, dass durch die Aufsuchungserlaubnis überdeckt wird und es machte sich umgehend Unmut, angestiftet durch die BI CO2 Altmark, breit.  Doch warum suchen, wenn bekannt ist, dass sich riesige Vorkommen dort befinden? Das genannte Gebiet umschließt die seit 1971 bekannte Lagerstätte “Wenze”, dem südlichsten Teilglied des Lagerstättenkomplexes “Altmark”  (wir berichteten HIER und HIER ausführlich darüber).

Nur vier Monate nachdem bekannt wurde, dass GDF-Suez auch um die bekannte Lagerstätte Erdgas suchen wolle, musste die aus dem Jahr 1971 stammende Fundbohrung der Lagerstätte, die “Wenze 1″ einem Förderstrangwechsel unterzogen werden. Dazu kommt eine eine Windenanlage auf selbstfahrendem Untergestell zum Einsatz.

Das führte dazu, dass durch die zuvor erwähnte Berichterstattung und durch die Agitation der BI CO2 Altmark Anwohner sich fragten, was auf dem Gelände vor sich gehe. Die BI CO2 Altmark bekam das natürlich mit und begann abermals mit unhaltbaren Spekulationen. Der Sprecher der BI, Christfried Lenz, vermutete sogar, dass die Bohrung für Fracarbeiten vorbereitet werden solle. Wie er darauf kam, konnte er nicht erklären. Die Spekulationen wurden von GDF-Suez umgehend zurückgewiesen und es wurde klargestellt, dass lediglich der Förderstrang der Bohrung ausgewechselt werden müsse. Wir berichteten HIER darüber. Diese Arbeiten sollten insgesamt vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen.

Offenbar wurde das von der Bürgerinitiative nicht geglaubt, so dass sie sich abermals dazu berufen fühlte, die Bevölkerung zu “informieren”, besser gesagt zu beunruhigen und zu verängstigen. Das ihr das offenbar gelungen ist, haben wir HIER ausführlich beschrieben. Es kamen durch verunsicherte Mitbürger sogar Forderungen auf, die Zufahrt zum Förderplatz zu blockieren.

Um den 13.12.2014 rückte dann schließlich die Firma Fangmann aus Salzwedel mit schwerer Ausrüstung an. Dieses Equipment dient dazu, die für den Rohrwechsel totgepumpte Bohrung wieder freizufördern, um nach Abschluss des Förderstrangwechsels die Erdgasproduktion wieder aufnehmen zu können. Wie kaum anders zu erwarten musste sich Christfried Lenz auch hierzu wieder unqualifiziert äußern, wie HIER dargelegt wurde. Die Arbeiten gingen somit ihrem Ende entgegen, dennoch kam es am 16.12.2014 zu einem Vor-Ort-Termin durch den Betreiber GDF-Suez, an dem auch Herr Lenz teilnahm. Zu dem Zeitpunkt war die Winde bereits abgebaut und ein Großteil des Test- und Freiförderequipments war bereits abgezogen.

Die Arbeiten waren also nach ca. drei Wochen statt der zunächst anberaumten vier bis sechs im großen und ganzen abgeschlossen (wobei es mich gewundert hat, dass für die Bohrung, die abgesehen von den beiden anderen Bohrungen im Feld Wenze geologisch bedingt nur ca. ein Drittel so tief ist wie die übrigen Altmarkbohrungen, so viel Zeit veranschlagt wurde). Dieser Umstand regte abermals Christfried Lenz zu erstaunlichen Gedankengängen an. Er interpretierte den Abzug der schweren Technik nach Beendigung der Arbeiten als einen Erfolg der BI-Informationspolitik. So titelt die Volksstimme:

“Bürgerinitiative sieht Beendigung von Arbeiten auf Wenze1 als Protesterfolg”

Nun, wenn Herr Lenz das so sieht. Vielmehr ist es so, dass die Arbeiten schlicht und einfach abgeschlossen sind. Das ist bei solchen Arbeiten nach drei Wochen ganz normal, zumal dies rund um die Uhr durchgeführt worden sind. Doch Lenz sieht das deshalb anders, weil ursprünglich vier bis sechs Wochen angekündigt waren und die Arbeiten über die Feirtage ruhen sollte:

Lenz bezweifelt in seiner Information an BI-Aktivisten, dass es sich dabei allein um Wartungsarbeiten am Bohrloch gehandelt habe. Nach seinen Erkenntnissen sollten die Arbeiten über Weihnachten ruhen, dann weitergeführt werden.

EEW-Workoveranlage T-44 auf Erdgasförderbohrung "Wenze1" Foto: D. U. Merten

EEW-Workoveranlage T-44 auf Erdgasförderbohrung “Wenze1″ Foto: D. U. Merten

Der Fotos nach zu urteilende ziemlich betagte Lenz kann es offenbar nicht verkraften, dass er einfach im Unrecht ist. Wie oben geschrieben, war es für mich als in der Altmark aufgewachsenen, der mehrfach in der Umgebung seines Elternhauses solche Arbeiten verfolgen konnte, erstaunlich, dass für die relativ flache Bohrung von ca. 1.100 Metern Teufe ein solch langer Zeitraum veranschlagt wurde. Denn für sonst etwa dreimal so tiefe Bohrungen in der Altmark genügten in den 1990er Jahren zwei bis drei Wochen, wobei im Gegensatz zu heute an den Wochenenden nicht gearbeitet wurde.

Die Volksstimme schreibt weiter:

Lenz sah sich nach dem Treffen bestätigt, dass bei den Arbeiten eine Freiförderung vorgenommen wurde, um die verschlissenen Förderrohre gegen neue auszuwechseln.

Nun, die Freiförderung geschah nach dem Wechsel des Förderstranges und nicht um ihn zu wechseln. Denn um solche Arbeiten sicher durchführen zu können, muss eine Bohrung mit einer Flüssigkeit “totgepumpt” werden, so dass kein Gas aufsteigen kann. Diese Flüssigkeistsäule muss nach Beendigung des Workovers wieder aus der Bohrung entfernt werden, um die Förderung wieder aufzunehmen. Dieser Vorgang wird als Freiförderung bezeichnet.

Und es sei auch im Wege der Reinigung eine Abfackelung von Rohgas vorgenommen worden. Dabei handelt es sich um eine Reinigung, bei der es auch zur Abfackelung von belastetem Rohgas kommt.

Und auch das ist ein ganz normaler Vorgang. Denn mit der “Totpumpflüssigkeit” strömt eben auch wieder Erdgas mit nach oben. Und da die Bohrung zu diesem Zeitpunkt nicht an eine Erdgasleitung angeschlossen ist, wird das anfallende Erdgas über eine Fackel verbrannt. Das Erdgas wird zuvor über Filtersystem, u.a. über einen Quecksilberabscheider geleitet, so dass die Schadstoffemmissionen auf ein umweltverträgliches Maß reduziert werden.

Auf die Nachfrage des Umweltaktivisten bestätigte der Projektleiter, dass die alten Rohre mit radioaktiven Stoffen und Quecksilber belastet waren. Alle Schadstoffe würden jedoch ordnungsgemäß entsorgt. Dies finde in Steinitz statt.

Da im Erdgas sowie in der Tiefe natürlicherweise Quecksilber und radioaktive Substanzen vorhanden sind, ist es logisch, dass diese an den Rohrinnenwandungen abgelagert wurden. Selbstverständlich werden diese Ablagerungen ordnungsgemäß entsorgt. Das findet jedoch nicht in Steinitz statt (das wüsste ich als einsitger Steinitzer). Dort werden lediglich ausgediente Anlagenteile von diesen Stoffen gereinigt.

Und Lenz bemängelt abschließend:

“Natürlich war nicht zu erwarten, dass GdF von sich aus all die prekären Seiten und Risiken der Gasförderung darlegt, sondern im Gegenteil alles im besten Licht versucht darzustellen.” Dafür spreche auch, dass auf dem Areal keine Altreste lagerten.

Dass der Betreiber die vermeintlich prekären Seiten und Risiken nicht darlegt liegt offensichtlich daran, dass diese Einschätzung von Lenz und diversen Mitstreitern bundesweit nicht zutreffend ist. Sicherlich hat es auch im Zusammenhang mit der Erdgasförderung umweltrelevante Vorfälle gegeben. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Doch haben diese bei weitem nicht das Ausmaß erreicht, wie von den verschiedenen Gasförderungskritikern und Gegnern behauptet. Umweltschäden, wie die von Herrn Lenz so geschätzten Biogasanlagen (aber nur wenn sie in Bürgerhand sind, HIER und HIER) hat die inländische Erdgasförderung glücklicherweise noch nie verursacht. Selbstverständlich lagern auf dem Areal, dass im Zustand der Förderung so aussieht wie auf dem Foto ganz oben, keine “Altreste”. Denn dafür ist es nicht ausgelegt.

Es ist schon seltsam, dass sich Lenz über einen ordnungsgemäßen Zustand des Betriebsgeländes mokiert. Anscheinend muss ein Umweltaktivist immer etwas suchen und finden, um etwas bemängeln, kritisieren oder anzweifeln zu können. Sei es nun der den gesetzlichen Bestimmungen und dem Zweck entsprechende Zustand eines Betriebsgeländes oder der ordnungsgemäße, entgegen den Ankündigungen jedoch etwas vorzeitige Abschluss von Routinearbeiten.

Wartungsarbeiten auf altmärkischer Erdgasbohrung – Bürgerinitiative bleibt unbelehrbar (Der unfreiwilligen Serie 3. Teil)

Bereits in zwei Beiträgen wurde sich mit Wartungsarbeiten, genauer einem sogenannten Workovereinsatz, auf einer Erdgasförderbohrung in der Altmark befasst. Das ist insofern ungewöhnlich, da es sich bei solchen Einsätzen um Routinearbeiten handelt, die hunderte Male, wenn nicht sogar mehr als 1.000-fach in der Altmark, Heimat des Verfassers, über Jahrzehnte durchgeführt worden sind. Und über Routinearbeiten wird hier nicht berichtet. Es sei denn, sie werden durch außerordentliche Ereignisse flankiert.

EEW-Workoveranlage T-44 auf Erdgasförderbohrung "Wenze1" Foto: D. U. Merten

EEW-Workoveranlage T-44 auf Erdgasförderbohrung “Wenze1″ Foto: D. U. Merten

Und das ist der Fall. Die gegenwärtig seit Ende November 2014 laufenden Arbeiten auf der bereits 1971 abgeteuften Erdgasförderbohrung “Wenze 1″ führten zu Spekulationen, dass die Bohrung für Fracarbeiten vorbereitet werden soll. Verantwortlich für diese Spekulationen ist die Bürgerinitiative “Kein CO2-Endlager Altmark” (BI CO2 Altmark). Das wurde bereits im ersten Artikel “Wartungsarbeiten auf altmärkischer Erdgasbohrung führen zu Fracking-Spekulation durch Bürgerinitiative” dieser unfreiwilligen aber notwendigen Serie klar gestellt.

Die BI CO2 Altmark unterstellte über ihren Sprecher Christfried Lenz aus dem ca. 20 Kilometer vom Ort des Geschehens entfernten Flecken Apenburg, dass die Workovermaßnahmen der Vorbereitung von Fracmaßnahmen dienen sollten. Darüber wurde in einem Artikel “Neue Rohre für Gas-Förderanlage” der “Volksstimme” berichtet. Dabei ist mit der Schlagzeile des Artikels bereits alles gesagt. Denn der Betreiber der Bohrung, GDF-Suez, weist die Mutmaßungen der BI CO2 Altmark zurück und stellt klar, dass lediglich der Förderstrang der Bohrung ausgewechselt wird. Das ist ein ganz normaler Vorgang, der regelmäßig u.a. wegen Verschleißes durchgeführt werden muss.

Bislang verliefen diese Arbeiten ohne größeres Interesse zu erwecken. Schließlich waren noch in den 1990er Jahren bis zu vier der Workoveranlagen gleichzeitig aktiv, um entweder Bohrungen zu überarbeiten oder um unproduktive Sonden zu verfüllen. Doch das änderte sich damit, dass die gegenwärtigen Arbeiten in einem Gebiet stattfinden, in dem eine neue Aufsuchungserlaubnis erteilt worden ist. Die Erteilung solcher Erlaubnisse führt seit ungefähr drei bis vier Jahren dazu, dass diese Gebiete von Medien und Bürgerinitiativen zu “Frackinggebieten” umgewidmet werden oder es wird unterschwellig suggeriert, dass diese großflächig und grob umrissenen Gebiete intensiv zur Aufsuchung von Erdöl und Erdgas abgebohrt werden.

Doch dem ist mitnichten so. Die Abgrenzung dient vielmehr dem Schutz vor Mitbewerbern, so dass das Gebiet ungestört analysiert werden kann. Es ist dabei nicht unüblich, dass Aufsuchungserlaubnisse nach Auswertung bereits vorhandener Daten ohne die Durchführung einer einzigen technischen Maßnahme zurückgegeben werden bzw. die zeitlich befristete Erlaubnis ausläuft. Sollte im Zuge der Aufsuchungsaktivitäten Erdöl oder Erdgas geunden werden, verkleinern sich die Areale mit Förderbewilligung auf einen Bruchteil der ursprünglichen Aufsuchungserlaubnisse.

Zurück zum Thema: Nach Bekanntwerden der Erteilung der Aufsuchungserlaubnis “Kunrau” fühlte sich die BI CO2 Altmark umgehend berufen, eine sogenannte “Informationsveranstaltung” durchzuführen. Dazu wurden Vertreter von Bürgerinitiativen aus Hessen und Niedersachsen als Referenten eingeladen. Mehr dazu: “Aufregung um Aufsuchungserlaubnis in der Altmark”. Möglicherweise ist es bereits bei der Veranstaltung gelungen, Teile der Bevölkerung zu verunsichern und auf die Seite der Aktivisten zu ziehen. Denn das ist das Ziel solcher Veranstaltungen, möglichst viele Mitstreiter für die eigenen Interessen zu mobilisieren.

Die bereits 1971 aufgeschlossene und nach mir vorliegenden Informationen in den 1980er Jahren in Produktion genommene Lagerstätte “Wenze”, südlichstes Teilglied des Lagerstättenkomplexes “Altmark” und von diesem über viele Kilometer isoliert, wird von der neu erteilten Aufsuchungserlaubnis “Kunrau” umschlossen. Die zeitliche Nähe des Bekanntwerdens der Vergabe der Erlaubnis und den nun durchgeführten standardmäßigen Arbeiten auf der Bohrung “Wenze 1″ gaben der BI CO2 Altmark Anlass, weiter zu spekulieren und eine weitere “Informationsveranstaltung” im Dorf Köckte bei Wenze durchzuführen und dabei Teile der Bevölkerung zu verunsichern, was ihr offensichtlich gelungen ist: “Wartungsarbeiten auf altmärkischer Erdgasbohrung verängstigen Anwohner”.

Dementsprechend befindet sich der Betreiber der Bohrung, die GDF-Suez E&P GmbH (GDF-Suez) mit Sitz in Lingen in der Defensive und muss aufgrund der durch die seitens der BI CO2 Altmark geschürten Verunsicherung Stellung beziehen. Das ist einem weiteren Volksstimme-Artikel  “Große Ängste, aber wenig Konkretes” zu entnehmen. Dort stellt die GDF-Suez Pressesprecherin Hanna Jansky, indirekt zitiert, noch einmal klar:

[…] dass es sich bei den derzeitigen Aktivitäten auf dem Areal der Bohrstelle Wenze1 ausschließlich um routinemäßige Wartungsarbeiten handelt. Derartige Überprüfungen und Wartungen unterliegen alle Bohrstellen, die von dem Unternehmen betrieben werden

Die Volksstimme moniert daraufhin, dass von etwaigem Abfackeln keine Rede war und erst eine weitere Anfrage des Blattes Folgendes von GDF-Suez erklärt wurde, nachdem die BI CO2 Altmark die Volkstimme informierte, dass ein ca. 8 bis 10 Meter hoher “Turm” errichtet worden ist:

“in Ausnahmefällen besteht [die Möglichkeit des Abfackelns], um eine Bohrung zu testen oder im Zuge von Wartungs- und Reparaturarbeiten, wie im Falle der Bohrung Wenze 1, das ist möglich”

Erdgasförderbohrung Wenze 1 im April 2013 chef79

Erdgasförderbohrung Wenze 1 im April 2013 ©chef79

Nun, eigentlich ist das sogar die Regel. Denn bevor ein Förderstrang ausgetauscht werden kann, wird die Bohrung mit Wasser totgepumpt, so dass kein Erdgas austreten kann. Nach Abschluss der Arbeiten muss dann das Wasser wieder aus der Bohrung entfernt werden. Dieser Vorgang wird als Freiförderung bezeichnet. Das dabei mitgeförderte Erdgas wird dann über eine Fackel verbrannt. Das ist deshalb notwendig, weil die Bohrung zu dieser Zeit nicht an die Erdgasleitung angeschlossen ist.

Informant über die Errichtung des neuen Turmes war, wie kaim anders zu erwaten, Christfried Lenz, im Volksstimme-Artikel fälschlicherweise Siegfried Lenz (wie der vor kurzem verstorbene Literat ostpreußischer Herkunft) genannt. Er sagt dazu:

“Das würde bedeuten, GdF beabsichtigt, Rohgas abzufackeln”

Ja, davon ist auszugehen. Doch was ist daran verwerflich? Das versucht Harald Schulz, Autor des Volksstimme-Artikels zu erläutern oder er beruft sich auf Aussagen von Lenz:

Rohgas falle bei der Erdgasgewinnung immer wieder an, sei jedoch der gesundheitsschädlichste Teil in der Erdgasproduktionskette

Rohgas fällt bei der Erdgasproduktion nicht “immer wieder” an, sondern fortlaufend. Das, was aus der Erde strömt, ist Rohgas, da es nicht behandelt worden ist. Warum dieser von der Umwelt abgeschirmte Prozess der “gesundheitsschädlichste Teil” der Erdgasproduktionskette sein soll, wird auch nicht durch die Erläuterungen von Herrn Lenz klar:

“Darin enthalten sind sämtliche Giftstoffe aus der Tiefe, wie beispielsweise Quecksilber, andere Schwermetalle und radioaktive Stoffe. Die würden durch Abfackeln je nach Windrichtung und -geschwindigkeit in die Umgebung verteilt werden.”

Richtig, im Rohgas können die genannten Stoffe enthalten sein. Falsch ist aber, dass diese einfach so über die Fackel in die Umwelt verstreut werden. Denn schließlich sind der Fackel Filteranlagen/Abscheider vorgeschaltet. Ein Quecksilberadsorber ist z.B. auf dem Foto oben im Artikel zu erkennen. Es sind diese orangenen bauchigen Behälter (zum Vergrößern einfach aufs Bild klicken).

Dementsprechend sind die Behauptungen von Erdgasgewinnungsgegnern, es wäre am 1. April aus einer Fackelanlage (es ist die im Foto zu sehende) auf der Bohrung “Söhlingen Z5″ zu einem “Säureregen” gekommen: “Angeblicher Säureregen in Söhlingen – Soll(te) ein Skandal konstruiert werden?”. Selbst wenn Säure ausgetreten sein sollte, wäre sie nicht in der Lage, Löcher in Blätter zu ätzen. Das ist von einem Leser des Blogs, der nicht in der Erdgasindustrie tätig ist, nachgewisen worden: “Ergebnis eines privaten Experiments: Starke Säuren können Blätter nicht perforieren”.

Eine weitere Befürchtung von Lenz und seinen Mitstreitern soll die sogenannte Freiförderung sein:

Eine andere Befürchtung der BI sei die sogenannte Freiförderung. So würden Flüssigkeiten oder Feststoffe aus Förderbohrungen entfernt. Bei Freiförderarbeiten und Tests werden ebenfalls häufig Fackelarbeiten notwendig, wodurch Quecksilberemissionen auftreten können, informiert Lenz.

Hier offenbart sich, dass weder Presse noch Bürgerinitiativler wissen, worüber sie schreiben bzw. “informieren”. Freiförderarbeiten finden dann statt, wenn zuvor, wie bereits oben erwähnt, zuvor Flüssigkeiten in die Bohrung eingebracht worden sind, um diese “stillzulegen”, so dass nicht unkontrolliert Erdgas austritt. Um die Bohrung anschließend (wieder) in Betrieb in Betrieb zu nehmen, muss sie vom eingebrachten Fluid freigefördert werden.

Das dabei mitgeförderte Erdgas in “rohem” Zustand kann aus oben genanntem Grund nicht genutzt werden und wird aus Sicherheits- und Umweltgründen verbrannt. Abfackeln von Rohgas und Abfackeln von Rohgas im Zusammenhang mit Freiförderarbeiten sind quasi ein und dasselbe und bedarf keiner “weiteren Befürchtung”, die aufgrund strenger gesetzlicher Vorgaben und damit einhergehenden technischen Installationen wie Filtern/Abscheidern gegenstandslos sind.

Da inzwischen, wie auf dem Foto zum Artikelanfang zu sehen, die Test-/Freiförderanlagen installiert sind, ist davon auszugehen, dass der Workovereinsatz in wenigen Tagen abgeschlossen sein wird. Danach wird die Sonde in ihren alltäglichen Zustand (siehe zweites Foto) versetzt und wird dann wieder Erdgas produzieren. Die Bürgerinitiative wird erkennen müssen, dass sie grundlos besorgt war und sinnlos andere Mitbürger verängstigt hat. Die durch die Bürgerinitiative verunsicherten und verängstigten Mitbürger werden hoffentlich erkennen, dass sie Scharlatanen aufgesessen sind.

Die zum Abschluss des Volksstimme-Artikels erwähnte durch die BI CO2 Altmark in Erwägung gezogene Demonstration als Bürgerprotest (gegen was?) wird sehr wahrscheinlich ausfallen. Oder müssen sich GDF-Suez sowie Kontraktoren in Zukunft auf Demos einstellen, wenn Workovereinsätze oder Verfüllungen von unproduktiven Bohrungen durchgeführt werden.

Christfried Lenz ist übrigens Verfechter von Biogasanlagen (Artikel aus der Altmarkzeitung: “Grüne Energie regional”). Was diese Anlagen bislang an Umweltschäden verursacht haben, kann man z.B. in einem Artikel des Spiegel erfahren: “Die Bauernopfer”. Das, was dort geschildert wird, hat die scharf kritisierte Erdgasindustrie glücklicherweise nicht geschafft. Interessanterweise werden Vorfälle aus dem angeblich von der Erdgasförderung geschundenen Landkreis Rotenburg/Wümme geschildert.

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