Die Grünen und ihr seltsames Verständnis von Meinungsvielfalt – Erläutert am Beispiel heimische Erdöl- Erdgasgewinnung

Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sind hohe Güter unserer gesellschaftlichen Ordnung. Die Meinungsfreiheit mit gewissen Beschränkungen ist sogar ein verfassungsgemäßes Grundrecht (Artikel 5 des Grundgesetzes). Zur Herausbildung eines vielfältigen Meinungsbildes dienen u.a. auch Verbände ( Interessen-, Fach-, Berufsvereinigungen, Standesorganisationen). Sie dienen dazu, das Wirken und die Interessen der ihnen angehörenden Mitglieder nach außen, also in die Öffentlichkeit tragen sowie in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen [1].

Fracarbeiten auf der Tightgasbohrung

Fracarbeiten auf der Tightgasbohrung “Söhlingen Z15″
Quelle: WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Auch die Unternehmen der deutschen Erdöl- und Erdgasindustrie sind in einem solchen Verband, dem Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. (WEG), zusammengeschlossen. Im Verband sind neben Unternehmen aus dem Bereich Kohlenwasserstoffgewinnung auch solche vertreten, die Erdöl- und Erdgas speichern und/oder transportieren.

Aufgrund der seit inzwischen viereinhalb Jahren andauernden Debatte um die Erkundung (!) potenzieller Erdgasvorkommen in dichten Tongesteinen und untergeordnet in Kohleflözen sowie um die Erdgasgewinnung in Deutschland insgesamt ist es zu einem Investitionsstau gekommen. Beispielsweise werden Hydraulic Fracturing-Maßnahmen (“Fracking”) nicht mehr genehmigt, obwohl sich die Gesetzeslage, unter der zuvor solche Maßnahmen gestattet wurden, bislang nicht geändert hat.

Darüber hinaus soll das Genehmigungsverfahren für Erdgas- und Erdölgewinnungsprojekte erschwert und die Industrie aus großflächigen Gebieten pauschal verbannt werden. Für das Vorhaben der gegenwärtigen Bundesregierung fehlt die Grundlage sowohl hinsichtlich der jahrzehntelangen überwiegend positiven Erfahrungen als auch hinsichtlich fachlicher Ansichten.  Die Politik vollzieht diesbezüglich seit spätestens 2012 einen nicht nachvollziehbaren Eiertanz, womit der Industrie die Planungssicherheit entzogen wird.

Inzwischen sind die politisch bedingten Investitionshemmnisse spürbar: Zum einen geht das im Inland produzierte Volumen an Erdgas zurück, zum anderen müssen insbesondere Bohrunternehmen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen. Deshalb geht seit einigen Wochen der WEG im Sinne seiner Mitarbeiter und mit Hilfe dieser in die Offensive.

Dazu hat der Verband eine Postkartenaktion ins Leben gerufen, in deren 10-wöchigem Verlauf 10 Postkarten mit unterschiedlichen Motiven und Statements von den Mitarbeitern der WEG-Unternehmen an Abgeordnete verschickt werden. Damit macht der WEG genau das, was die Arbeit von Verbänden charakterisiert: Das Wirken und die Interessen der ihnen angehörenden Mitglieder nach außen, also in die Öffentlichkeit tragen sowie in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen.

Dieses in einer Gesellschaft mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung legitime Verhalten missfällt offensichtlich der Partei Bündnis ’90/Die Grünen (Grüne). Denn diese hat auf Twitter eine Gegenaktion gestartet. Zu den ersten beiden Karten wurden Motive mit Antithesen entworfen, auf die hier kurz eingegangen werden soll.

Das erste Kartenmotiv des WEG zeigte frische, reife Erdbeeren, die von dem Slogan “Sie bevorzugen regionale Produkte? Wir auch.” begleitet wurden. Es ist also ein Statement für die Gewinnung von Erdöl und Erdgas “vor der eigenen Haustür”.

Die Antwort der Grünen, ebenfalls mit Erdbeer-Motiv: “Auch regionale Erdbeeren brauchen sauberes Trinkwasser. NEIN ZU FRACKING!

Den Grünen ist es offenbar entgangen, dass das Verfahren Hydraulic Fracturing (“Fracking”) überhaupt nicht Inhalt der Postkarte #1 war, sondern lediglich die regional gewinnbaren Produkte Erdöl und Erdgas. Zudem wäre es ein ziemlicher Frevel, aufwendig zur Trinkwasserbereitstellung aufbereitetes Grundwasser zur Beregnung von Erdbeeren oder sonstigen Nutzpflanzen zu verwenden. Dazu genügt Regenwasser oder unaufbereitetes Grundwasser völlig aus. Zudem hat es trotz jahrzehntelanger Anwendung in Deutschland keinen einzigen Fall gegeben, bei dem durch Hydraulic Fracturing zur Trinkwassergewinnung nutzbares Grundwasser kontaminiert wurde (Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler: “Fracking nicht verteufeln!”).

Die Antwort der Grünen ist sachlich und fachlich gesehen komplett daneben gegangen.

Postkarte #2 zeigte einen himmelblauen VW-Käfer, Symbol des deutschen Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit. Der Slogan dazu: “Sie stehen auf deutsche Wertarbeit? Wir auch.

Darauf konterten die Grünen: “Wertarbeit und Wirtschaftskraft im 21. Jahrhundert. NEIN ZU FRACKING!” Untermalt ist die Parole mit Windkraftanlagen. In einem Tweet vom 20.Mai 2015 schreibt die grüne Bundestagsabgeordnete noch “erklärend” hinzu:

#Fracking Erdgasindustrie wirbt f “deutscheWertarbeit” d letzten Jahrhunderts?! Wir wollen Fortschritt! UnsereAntwort

In Anbetracht dessen, dass die Windkraft gemäß Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) massiv subventioniert wird, kann von Wirtschaftskraft keine Rede sein. Hinzu kommt, dass Frau Verlinden die Symbolhaftigkeit des Motives des WEG offenbar nicht verstanden hat. Windkraftanlagen sind zudem keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, wie suggeriert wird, sondern ebenso wie der VW Käfer eine des vorangegangenen.

Innovationen und somit Fortschritt gab es in der deutschen Erdöl-Erdgasindustrie sehr wohl im 21. Jahrhundert. Im Jahr 2006 wurde die Industrie sogar mit dem Innovationspreis “Land der Ideen” ausgezeichnet. Den Preis gab es für den Einsatz eines “Coiled Tubings” (aufgewickelter Stahlrohrstrang) in der Bohrung “Söhlingen Z15″ (Artikelfoto), um Fracarbeiten in Erdgaslagerstätten durchzuführen (“Das Erdgas aus dem Stein holen”). Im Jahr 2009 wurde die deutsche Erdöl-Erdgasindustrie erneut mit dem Innovationspreis bedacht. Ausgezeichnet wurde hierbei das Dampfflutprojekt in Emlichheim, dass die Förderdauer der Erdöllagerstätte um 10 Jahre verlängern soll (“Öldruck”).

Zu den Postkartenmotiven und ihren Stellungnahmen in Kurzform gibt es ausführliche Erläuterungen auf den Seiten des WEG (Karte #1 “Regionale Produkte”; Karte #2 “Deutsche Wertarbeit”). Frau Verlinden und ihr Team hätten sich statt allein auf die Motive und Statements zu konzentrieren auch mit den Erläuterungen befassen sollen. Dann wären die jeweiligen am Sachverhalt vorbeigehenden und somit peinlichen Konter ausgeblieben. Doch die am Sachverhalt vorbeizielenden Gegenargumente der Grünen sind nicht das eigentliche Problem.

Bedeutend schwerwiegender ist, dass in den Tweets von Frau Verlinden die Postkartenmotive des WEG fett in schwarz mit “DIESE LOBBY KANN WEG!” überschrieben sind. Nochmals zur Erinnerung: Verbände, egal ob sie Interessen-, Fach-, Berufsvereinigungen, Standesorganisationen darstellen, sind legitime Organisationen, die ihre Interessen gegnüber Öffentlichkeit und Politik vertreten. Zu dieser Interessenvertretung hat jeder Verband das Recht, sofern seine Arbeit nicht im Gegensatz zum Grundgesetz stehen. Beim WEG, einem Wirtschaftsverband von vielen, ist davon auszugehen, dass er sich an das Grundgesetz und somit an die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnung hält.

Als neue liberale Partei wollen sich die Grünen verstanden wissen. Doch hat es kaum etwas mit freiheitlicher Politik zu tun, in dem man Verbänden, die auf dem Boden der Verfassung stehen, die Daseinsberechtigung abspricht, so wie es zumindest Verlinden tut. Dieses Verhalten erinnert fatal an totalitäre politische Systeme, in denen unliebsames Wirken unterdrückt oder gar verboten wurde.

Damit unterstreicht die Partei Bündnis ’90/Die Grünen abermals ihr Image als eine von Intoleranz geprägte Verbotspartei, die all das eliminieren möchte, was ihrem Weltbild nicht entspricht. Man stelle sich vor, eine anderen Partei würde eine gleichlautende Aussage beispielsweise bezüglich eines Verbandes wie dem Naturschutzbund Deutschland e.V. tätigen. Zeter und Mordio aus dem grünen Lager wären die Folge.

Mittlerweile ist die dritte Postkarte des WEG “Sie wollen sauberes Trinkwasser? Wir auch.” verschickt worden. Eine Reaktion von Verlinden und Co. steht bislang, möglicherweise dem Pfingstwochenende geschuldet, aus. Möglicherweise fällt zu dem Fakt, dass infolge der jahrzehntelangen Erdöl- und Erdgasgewinnung in der Bundesrepublik Deutschland nirgendwo Trinkwasser kontaminiert wurde, Frau Verlinden und ihrem Team nicht einmal mehr eine am Fakt vorbeigehende “Gegendarstellung” ein.

Eventuell ist das aber auch eine Folge einer dramatisch zurückgegangenen Resonanz: Während der erste Tweet zur Postkarte #1 noch 36 Mal retweeted und 23 Mal favourisiert wurde, waren es zum Tweet zur Postkarte #2 lediglich 6 Retweets und 3 Favourisierungen.

[1] Bundeszentrale für politische Bildung: Verbände und Lobbyismus

Nach DEA will auch ExxonMobil Lagerstättenwasserversenkung in Kalkarenit aufgeben

Konventionelle Erdgaslagerstätten werden im Regelfall von freiem Wasser, dem sogenannten Lagerstättenwasser (LaWa) unterlagert. Mit fortschreitender Förderung wird immer mehr von diesem Wasser mitgefördert bis die Bohrung vollkommen verwässert ist und aufgegeben werden muss.

Erdgasbohrung "Soltau Z2a". Zustand März 2012 nach erfolgloser Ablenkung im Jahr 2011. chef79

Erdgasbohrung “Soltau Z2a”. Potenzielle Versenkbohrung in das “Rotliegende”? . ©chef79

In Abhängigkeit der jeweiligen Lagerstätte unterscheidet sich die Zusammensetzung des LaWa zum Teil erheblich. Selbst zwischen Bohrungen, die innerhalb der selben Lagerstätte abgeteuft worden sind, kann es zu deutlichen Differenzen hinsichtlich der chemischen Beschaffenheit kommen. Im Regelfall ist das LaWa aus den Lagerstätten des “Rotliegenden”, die Gegenstand dieses Artikels sind, durch hohe Salzgehalte charakterisiert, wodurch das Wasser ungenießbar ist.

In den Lagerstätten des “Rotliegenden” tritt regelmäßig das als sehr giftig (T+) eingestufte Quecksilber (Hg) auf und somit auch im LaWa. Sofern das Erdgas höhere Kohlenwasserstoffe enthält, treten auch zyklische Aromate und hierbei speziell das als giftig (T) eingestufte sowie als krebserregend geltende Benzol auf. Die Konzentrationen dieser Stoffe sind so gering, dass das LaWa nach Chemikalienrecht nicht als giftig eingestuft wird, auch wenn das Gegenteil durch Bürgerinitiativen, Umweltverbände und zahlreiche Medien gebetsmühlenartig wiederholt wird.

Bislang wird in der Region das LaWa nach Schwerkraft-Abtrennung von flüssigen Kohlenwasserstoffen, zu denen auch das Benzol gehört, und Feststoffen im tieferen Untergrund versenkt. Durch die Abtrennung wird der geringe Gehalt an Hg und Benzol weiter reduziert, ein hier nicht quantifizierter Abteil bleibt im Wasser enthalten. Die Versenkung findet im in der Kreidezeit gebildeten Kalkarenit statt. Dabei handelt es sich um ein poröses, von Natur aus salzwasserführendes Gestein.

Der Versenkhorizont befindet sich im Raum Soltau-Rotenburg in ca. einem Kilometer Tiefe und ist gegenüber dem süßen Grundwassser in Oberflächennähe durch mehrere hundert Meter mächtige wasserundurchlässige Tone und Tongesteine isoliert. Dennoch befürchten gegen die Erdgasförderung opponierende Bürgerinitiativen in den Landkreisen Rotenburg/Wümme, Heidekreis und Verden eine Verseuchung des Grundwassers durch die Versenkaktivitäten. Eine plausible Erklärung für Ihre Ängste ist von den Protestlern leider nicht zu erfahren. Dennoch gehen die Unternehmen auf die Sorgen ein und handeln.

So gab in den vergangenen Wochen und Monaten ExxonMobil immer wieder Pressemitteilungen heraus, die bekannt gaben, dass lange bestehende, aber zur Erdgasgewinnung genutzte Bohrungen verfüllt werden. Dazu zählten in den Landkreisen Rotenburg/Wümme und Heidekreis die Bohrungen “Stapel Z1″, “Grauen Z2″ sowie zuletzt die über mehrere Jahr als LaWa-Versenkbohrung genutzte “Soltau Z6″. Die entsprechenden Pressemitteilungen können unter “Presseinformationen” auf der Seite “Erdgassuche in Deutschland” nachgelesen werden.

Es kam die Vermutung auf, dass als zur LaWa-Versenkung vorgesehene Bohrungen deshalb aufgegeben würden, weil ExxonMobil den Wünschen der Protestler entgegenkommen wolle und die in den Kalkarenit mittelfristig aufgeben werde, obwohl die Versenkung ohne umweltrelevante Probleme erfolgte. Diese Vermutung wurde durch die Pressemitteilung “ExxonMobil startet Ausstieg aus dem Kalkarenit” bestätigt.

Demnach wolle das Unternehmen den Kreislaufgedanken noch konsequenter verfolgen und LaWa künftig nur noch in Horizonte zu verbringen, wo es ursprünglich herkam bzw. in welchen es natürlicherweise vorkommt. Deshalb wurden inzwischen die weiter oben erwähnten Bohrungen bereits im Laufe des Jahres verfüllt.

Im kommenden Jahr soll die Versenkbohrung “Gilkenheide Z1″, die auf dem Gebiet von Visselhövede liegt, verfüllt werden. ExxonMobil hat sich als Ziel gesetzt, die Versenkung von LaWa in den Kalkarenit bis 2020 komplett einzustellen. Deshalb wird bereits jetzt nach Alternativen gesucht, wie z.B. die Prüfung neuer Kapazitäten in tieferen Gesteinsformationen. Gegenstand dieser Prüfungen dürfte auch die einstige Erdgasförderbohrung “Soltau Z2″ zählen, die nach einer Ablenkung im Jahr 2010 lediglich verwässerte Bereiche des “Rotliegenden” antraf.

Ferner sollen die noch bestehenden Bohrungen, über die LaWa in den Kalkarenit versenkt wird, besser überwacht werden. Dazu zählen die Installation einer permanenten Untertage-Drucküberwachung in der Bohrung “Sottrum Z1″ sowie die Einrichtung eines Grundwassermonitoring-Systems. Letzteres sol den Nachweis erbringen, “dass von der Versenkung keine nachteiligen Auswirkungen auf das Grundwasser ausgegangen sind und auch weiterhin nicht ausgehen.”.

Bereits seit etwas längerer Zeit plant der “Mitbewerber” DEA, bzw. bis Anfang des Jahres RWE-DEA, das bei ihren Bohrungen in der Region anfallende LaWa zurück in die Ursprungsformation zu verbringen. Dazu soll eine einst der Erdgasförderung dienende Bohrung abgelenkt und als Versenkbohrung eingerichtet werden.

Gegen diese Vorhaben regt sich Protest, der am 9. Mai 2015 beachtliche 1.300 Menschen zu einer Protestdemonstration zusammenkommen ließ. Die seit mehreren Jahren andauernde Desinformation und das Schüren von Ängsten lokaler Bürgerinitiativen, oftmals in engem Schulterschluss mit Lokal- und Regionalmedien (ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt) haben ihre Wirkung hinterlassen. Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, wie fehlgeleitet Menschen sein müssen, um dagegen zu protestieren, dass das Medium LaWa dorthin verbracht wird, wo es natürlicherweise vorkommt.

Die Gegner der Verfahrensweise wünschen sich eine Aufbereitung des LaWa möglichst bishin zur Trinkwasserqualität. Was mit den abgeschiedenen Stoffen, vor allem den jährlich anfallenden tausenden Tonnen von Salzen, geschehen soll, darüber haben sie sich offenbar keine Gedanken gemacht. Hinzu kommen dann noch die erwähnten Stoffe Hg und Benzol, die dann nicht mehr hochverdünnt vorlägen, sondern in Reinform. Für Benzol gäbe es eine Reihe von Verwendungszwecken in der Petrochemie, doch das Hg müsste wahrscheinlich aufwendig deponiert werden und zwar vermutlich in der Untertagedeponie Herfa-Neurode in einem ehemaligen Salzbergwerk in Hessen. Letzten Endes plädieren die Gegner, die sich auf den Umwelt- und Gesundheitsschutz berufen, für eine sowohl ökonomisch als auch hinsichtlich Umweltschutzbelange betreffend unsinnige Aufbereitung.

Neue kuriose Begriffsschöpfung in der Gasförderungsdebatte: “Unkonventionelles Fracking”

In den vergangenen Jahren stieß man immer wieder auf kuriose Begriffe oder Darstellungen, wenn es um die Erschließung bislang nicht zugänglicher Erdgaslagerstätten ging. Zunächst war Ende 2010 lediglich von neuen Fördermethoden die Rede und plötzlich tauchte kurz darauf das kuriose Wort “Fracking” als Bezeichnung für eine dieser neuen Fördermethoden auf.

Kohleflözgas-Erkundungsbohrung Osnabrück-Holte Z2 Quelle: WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Kohleflözgas-Erkundungsbohrung Osnabrück-Holte Z2
Quelle: WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Doch etwas Bekanntes hatte der Begriff in sich, nämlich den Wortstamm “Frac”. Wer sich, so wie wir, bereits zuvor jahrelang für die Erdöl- und Erdgasförderung (nicht nur) in Deutschland interessierte, dem war der Begriff “Frac” geläufig. Schließlich war in Informationsbroschüren des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. (WEG), die in jüngeren Jahren u.a. zur Wissensgenerierung herangezogen wurden, bereits vom Fracverfahren zu lesen. So war neben einer Darstellung des Verfahrens zusätzlich zu erfahren, dass bereits 1977 “großvolumige Frac-Behandlungen” (engl. High Volume Fracs) in Südoldenburg durchgeführt wurden, um wenig durchlässige Erdgaslagerstätten durch künstliche Rissbildungen zu erschließen. Von einer “neuen Fördermethode” konnte also keine Rede sein, zumal die erste Fracmaßnahme in einer deutschen Erdgaslagerstätte sogar bereits 1961 erfolgte.

Als dann Ende 2010/Anfang 2011 in Deutschland die Debatte um die seit 2008 stattfindende Erkundung neuer Erdgaslagerstätten aufkeimte, machte plötzlich der Begriff “Unkonventionelle Förderung” neben “Fracking” die Runde und diejenigen, die sich bereits Jahre zuvor mit dem Thema Erdgas- und Erdölgewinnung beschäftigten, rieben sich erneut verdutzt die Augen.

Es stellte sich die Frage, was unter “unkonventioneller Gasförderung” zu verstehen sei. Selbst der Blog “Unkonventionelle Gasförderung”, der von Jörn Krüger, Gegner der Erkundung bislang unzugänglicher potenzieller Erdgasvorkommen, ins Leben gerufen worden ist und seit nunmehr drei Jahren vorsichhindarbt, konnte keine Antwort liefern. Vielmehr wurde sich dort mit dem Verfahren Hydraulic Fracturing befasst, welches aufgrund seiner jahrzehntelangen und weltweit allein in Erdöl- und Erdgaslagerstätten dreimillionenfachen Anwendung alles andere als “unkonventionell” zu bezeichnen ist.

Während die Bezeichnung “unkonventionelle (Gas-) Förderung” mittlerweile quasi ausgestorben ist, hat sich hingegen die Verwendung des Begriffs “Fracking” etabliert. Selbst die Industrie und in Teilen auch die Fachbehörden sowie die Wissenschaft sind dazu übergegangen, diese verballhornte Abkürzung von “Hydraulic Fracturing” zu verwenden. Die (Be-) Deutungen driften dabei weit auseinander:

  1. Umweltschutzgruppierungen: Diese wollen unter “Fracking” den Gesamtprozess der Erdöl- und Erdgasgewinnung, sofern Hydraulic Fracturing zur Anwendung kommt, verstanden wissen: Angefangen bei der Exploration über das Bohren, die Produktion (Förderung) sowie damit einhergehend produktionsvorbereitende bzw. -optimierende Prozesse, zu denen auch Hydraulic Fracturing zählt bis hin zur Beseitigung von Abwässern.
  2. Medien: Diese setzen im Regelfall die Erdöl-Erdgasförderung aus öl- und gasreichen Tonsteinen (“Schiefer”), die nur mittels Hydraulic Fracturing in wirtschaftlichem Umfang möglich ist, mit “Fracking” gleich. Die Beschreibungen des Verfahrens muten dabei oft abenteuerlich an. Eine gängige Definition ist: “Fracking, also die Erdgasförderung aus besonders tiefen Gesteinsschichten” (z. B. ZDFheute), eine andere in verschiedenen Variationen: “Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und (hochgiftigen) Chemikalien in die Erde (den Boden/das Erdreich) gepumpt, um Erdöl und Erdgas  zu lösen” (diverse Medien).
  3. Industrie: Diese hat sich inzwischen auch des Terminus “Fracking” angenommen. Vermutlich deshalb, weil kaum jemand mit “Hydraulic Fracturing” etwas anfangen kann. Die Industrie versteht unter “Fracking” dementsprechend  den Prozess des Hydraulic Fracturing”. Logisch nachvollziehbar, da “Fracking” unmittelbar davon abgeleitet ist.
  4. Wissenschaft: Auch diese benutzt mittlerweile nach zögerlichem Beginn “Fracking” und will darunter ebenso wie die Industrie aus den selben Gründen Hydraulic Fracturing verstanden wissen.

Inzwischen sind zwei neue Sterne am Himmel der Begriffskuriositäten rund um die Erkundung bislang nicht zugänglicher Erdgaslagerstätten aufgetaucht. Diese lauten: “konventionelles Fracking” sowie “unkonventionelles Fracking”!

Diese Begriffe sind eine Erfindung der gegenwärtigen Bundesregierung, was sich anhand der Seite “Fracking” des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) erschließen lässt. Dort wird unter der Zwischenüberschrift “Unterscheidung: Konventionelles und unkonventionelles Fracking” versucht, Hydraulic Fracturing zu differenzieren und zwar einzig und allein anhand von Gesteinsarten, nicht jedoch in technischer Hinsicht.

Unter “konventionellem Fracking” will das BMWi die Anwendung von Hydraulic Fracturing in Sandsteinen verschiedener geologischer Formationen in verschiedenen Teufenlagen verstanden wissen. Die Differenzierung ist seltsam und in Frage zu stellen, da nicht technologische Aspekte das Kriterium darstellen, sondern lediglich verschiedene Gesteinsarten:

Konventionelles Fracking erfolgt in Sandstein (meist auch in größerer Tiefe), unkonventionelles in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein. Im Gegensatz zu den bisher in Deutschland genutzten Sandsteinlagerstätten liegen für die Gewinnung von Erdgas aus Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözlagerstätten hierzulande noch keine Erfahrungen und Kenntnisse vor.

Zunächst einmal gibt es kein “Kohleflözgestein”, sondern Flöze, die aus dem organogenen Gestein Kohle bestehen. Außerdem ist die Behauptung falsch, dass es keine Erfahrungen im Zusammenhang mit Fracarbeiten in Kohleflözen oder Tongesteinen gäbe. Diese Behauptung ist schlichtweg falsch und nur mit der Ignoranz der Politik vor der Expertise ihrer eigenen Fachbehörden (Geologische Landesdienste) zu erklären.

ITAG-Rig 30 auf Schiefergaserkundungsbohrung "Damme 2" Sukrams

ITAG-Rig 30 auf Schiefergaserkundungsbohrung “Damme 2″ ©Sukrams

Denn im Vortrag “Hydraulic Fracturing in Deutschland – Die Risiken aus geowissenschaftlicher Sicht” (Video) von Dr. V. Wrede (Bezirksregierung Arnsberg, Geologischer Landesdienst Nordrhein-Westfalen). Im Video ab Minute 35:00 berichtet Wrede von Fracarbeiten in saarländischen Kohleflözen. Im Hintergrund sind in der Präsentation das einstige Bohrloch sowie die Fracs zu sehen, die durch einen später aufgefahrenen Abbaustollen aufgeschlossen worden sind. Außerdem gab es in Nordrhein-Westfalen Fracarbeiten zur Erdgasgewinnung in Kohleflözen. Diese wurden in der 1995 abgeteuften Bohrung “Natarp 1″ durchgeführt. Die Gasausbeute war nach einem Bericht der Bezirksregierung Arnsberg aus 2011 jedoch unwirtschaftlich.

Aber auch in potenziellen “Schiefergas”-Lagerstätten kam  Hydraulic Fracturing zum Einsatz, wenn auch nur in einer Bohrung in drei verschiedenen Teufenniveaus. Weitere Maßnahmen in anderen Bohrungen waren anberaumt, jedoch mussten die Vorhaben wegen des aufkeimenden Widerstandes bis auf Weiteres aufgegeben werden.

Die Behauptung des BMWi, dass es keine Erfahrungen mit Hydraulic Fracturing in den aufgezählten Gesteinsarten gäbe, ist somit nicht korrekt. Zudem ist es mehr als fragwürdig eine Standardtechnologie in “unkonventionell” und “konventionell” in Abhängigkeit von verschiedenen Gesteinsarten in zu differenzieren. Entscheidend sollte doch der technologische Aspekt sein und der unterscheidet sich nur geringfügig. Das Prinzip ist letzten Endes identisch.

Eine tatsächliche Differenzierung in “konventionell” und “unkonventionell” gibt es hingegen bei den Lagerstättentypen. So zählen gemäß der Kurzdarstellung “Wissenswertes über Schiefergas. Erdgas in dichten Tongesteinen” Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) “freies Erdgas”, also in den Lagerstätten von selbst fließendes sowie Erdöl(begleit)gas zu den “konventionellen Lagerstätten”.

Zu den “unkonventionellen Lagerstätten” gehören hingegen Tight Gas, Schiefergas und Kohleflözgas (Coalbed Methan – CBM):

Diese Vorkommen strömen nicht ohne weitere technische Maßnahmen (meist Fracking-Verfahren) in ausreichender Menge einer Förderbohrung zu, weil es entweder nicht in freier Gasphase im Gestein vorkommt oder das Speichergestein nicht ausreichend durchlässig ist.

Außerdem zählen Aquifergas (im Grundwasser gelöstes Erdgas) und Gashydrate zu den unkonventionellen Erdgasvorkommen.

Seit einiger Zeit beklagen gegen die Erdgasgewinnung im Inland opponierende Gruppierungen wie z.B. die Bürgerinitiative (BI) “No Moor Fracking” aus dem Landkreis Diepholz eine angebliche Umdeutung des Begriffes “unkonventionelles Erdgas”. Denn mittlerweile werden seitens der Industrie und auch teilweise seitens der Politik Tightgas-Lagerstätten den “konventionellen Lagerstätten” zugeordnet. Warum auch nicht? Denn schließlich wird aus diesen Lagerstätten mittlerweile seit meheren Jahrzehnten erfolgreich Erdgas gewonnen. Und “konventionell” bedeutet ja nichts weiter als “althergebracht”. Die BI kritisiert in einer Stellungnahme zu den anberaumten Gesetzesverschärfungen hinsichtlich der inländischen Erdgasgewinnung:

Die Umdeutung des Begriffs „unkonventionelles Erdgas“ lehnen wir ab und verweisen auf die international übliche Definition, dass „unkonventionelle Vorkommen“ sich über die Erfordernis des Frackens definieren.

Wie das weiter oben stehende Zitat der BGR verdeutlicht, trifft diese Deutung der BI in der Form nicht zu. Zu den “unkonventionellen Vorkommen” zählen auch Aquifergas sowie Gashydraten. Diese ließen sich gewiss nicht durch die Anwendung von Hydraulic Fracturing gewinnen und bei Hohleflözen kommt es auf die geologischen Ragmenbedingungen an, ob die Schaffung von Fließwegen notwendig ist oder nicht. Außerdem schreibt die BGR in ihrer Studie “Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland”:

Angesichts der fortschreitenden Technologieentwicklung erscheint die Trennung von Erdgasvorkommen in konventionelle und nicht-konventionelle Vorkommen nur noch aus geologischer und nomenklatorischer Sicht von Bedeutung.

Der technologische Aspekt, auf den sich die Gegner als Definitionsgrundlage berufen, entfällt somit. Zumal die Grundlage die offizielle Definition unvollständig und zudem verfälscht wiedergibt.

Der Artikel hat aufgezeigt, dass hinsichtlich der Diskussion um die Erkundung neuer Erdgaspotenziale ein kaum zu durchblickendes Begriffswirrwarr herrscht. Hinzu kommt, dass ein Begriff wie beispielsweise “Fracking” auf verschiedene Art und Weise ausgelegt wird. Dabei sind die Auslegungen der Wissenschaft sowie der Industrie am plausibelsten, da diese sich am Fachbegriff “Hydraulic Fracturing” orientieren, von dem in den USA das Wort “Fracking” abgeleitet wurde. Dieser Begriff wurde  anschließend insbesondere von gegnerischen Gruppierungen bis zur Unkenntlichkeit umgedeutet.

Broschüre “Erdgas in Thüringen” – Eine inhaltliche Kurzdarstellung

Dass in Thüringen, auch bekannt als “Grünes Herz Deutschlands”, Erdgas gefördert wird, dürfte kaum jemandem bekannt sein. Dabei verfügt die Region über eine mehr als 80-jährige Tradition der Erkundung von Erdgas sowie dessen Förderung. Dieser Tradition widmen sich in der Broschüre “Erdgas in Thüringen” die Autoren Rainer Martick und Paul Weih.

Titel

Broschüre “Erdgas in Thüringen”

Einem Vorwort folgend leiten sie kurz in die Nutzungshistorie von Erdgas ein, wobei das Hauptaugenmerk auf die Entwicklung in Thüringen gerichtet wird. Ein Zufall, nämlich ein spekatakulärer Gasausbruch in der Kaligrube “Volkenroda” führte zu einem Austritt von Erdöl und gab Anlass für die Erkundung von Erdöl und Erdgas. Es wurde dadurch bewiesen, dass sich im Thüringer Becken Erdöl und Erdgas befinden. “Damit beginnt die Geschichte der Erdgasversorgung in Thüringen” schreiben die Autoren und gehen darauf im Folgenden datailliert ein.

Anhand von Karten und Tabellen wird die Verbreitung der Kohlenwasserstofflagerstätten im Thüringer Becken anschaulich dargestellt und deren gegenwärtiger Status (verwahrt, ruhend, in Förderung) sowie die Nutzung des Erdgases tabellarisch aufgeführt. Ferner wird die Enstehung der Erdgaslagerstätten beschrieben, deren Bildung, die nicht abschließend geklärt ist, vermutlich vor 60 Millionen Jahren durch “biologische Prozesse in biogenen Ablagerungen” begann. Außerdem wird der Aufbau einer Erdgasförderbohrung, speziell auf die thüringeschen Verhältnisse bezogen, erläutert. Bevor es dann zum Hauptteil der Schrift übergeht, wird noch ein historischer Abriss zur Entdeckungung sowie zu den Eigentumsverhältnissen beschrieben.

Der Hauptteil beginnt mit einem zeitlichen Überblick zur Nutzung der Lagerstätten im Thüringer Becken. Dabei werden Details angerissen, die Appetit auf das Weiterlesen machen. Die Autoren gehen dabei nicht nur auf die geologischen Verhältnisse ein, sondern auch die historischen und politischen Rahmenbedingungen. Diese erforderten insgesamt Ideenreichtum, um eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung der vergleichsweise kleinen Lagerstätten zu ermöglichen.

Im Hauptteil der 64 Seiten umfassenden Broschüre werden die einzelnen aufgeschlossenen Erdgaslagerstätten detailliert beschrieben.

Dabei stellen die Autoren die jeweiligen Eckdaten wie z.B. Anzahl der Bohrungen unter Hervorhebung der fündigen, Bohrtiefe, geologische Formation, Lagerstätteninhalt und Gasanalyse den jeweiligen Beschreibungen voran. Die Erschließung der Lagerstätten sowie die Verwendung des daraus geförderten Erdgases, welche grundsätzlich regional und überwiegend in Industriebetrieben erfolgte, beschreiben die Autoren mit Bezug auf die historisch-politischen Begleiterscheinungen.

Den Fokus richten sie auf die bereits in den 1930er Jahren aufgeschlossenen Lagerstätten Mühlhausen und Langensalza. Das hängt sicherlich mit der Pionierarbeit zusammen, die auf verschiedenen Gebieten geleistet werden musste, was ausführlich beschrieben und mit historischen Zeitungsartikeln, Fotos sowie Plänen illustriert wird. Recht umfangreich erfolgt auch die Darstellung des Erdgasspeichers Allmenhausen, der die ausgeförderte gleichnamige Lagerstätte nachnutzt. Die Darstellung der in den 1960er Jahren aufgeschlossenen Lagerstätten tritt hingegen zurück. Die aus heutiger Sicht abenteuerlich anmutende Pionierarbeit war zu diesem Zeitpunkt bereits geleistet.

Martick und Weih ist es gelungen, eine spannende und interessante Broschüre über die alte, jedoch recht unbekannte Erdgasprovinz “Thüringer Becken” zusammenzustellen. Entscheidend hierfür dürften die jahrzehntelangen Erfahrungen in der Thüringer Gaswirtschaft gewesen sein, zu deren Pionieren Paul Weih einst gehörte.

Die kostenlose Broschüre kann bestellt werden bei:

Thüringer Energie AG
Kommunale Angelegenheiten
z.Hd. Herrn Wenzel
Schwerborner Straße 30
99087 Erfurt

Regionale Lebensmittel? “Ja gerne!” – Regionales Erdöl und Erdgas? “Nein Danke!”

Immer wieder gibt es im Internet bei bedeutendenden und als seriös geltenden Medien Artikel zu lesen, in denen es um (vermeintliche) Lebensmittelskandale speziell oder ganz Allgemein um Lebensmittelproduktion geht. Sofern ein Forum oder eine Kommentarfunktion verfügbar ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Kommentator auftaucht, der erwähnt, sich (fast) ausschließlich saisonal und regional mit Lebensmitteln zu versorgen.

Erdgasförderung und bohrlochnahe Verstromung auf der Lagerstätte "Langensalza" im Thüringer Becken

Erdgasförderung und bohrlochnahe Verstromung auf der Lagerstätte “Langensalza” im Thüringer Becken ©chef79

Dieses Verhalten, sich (vorwiegend) in dieser Art und Weise zu ernähren wird damit begründet, sich um das  Wohl der Umwelt und des Weltklimas (!) zu sorgen und beides schützen zu wollen. Als vorrangiges Argument dazu dient vor allem, dass durch den Konsum “regional” produzierter Lebensmittel Transportwege eingespart werden. Dabei ist der Begriff “regional” allein schon schwer zu fassen, denn was unter einer Region zu verstehen ist, ist nicht eindeutig definiert.

So kann unter einer Region beispielsweise das unmittelbare Umfeld einer Großstadt verstanden werden. Als Kriterium für die Begrenzung dieser Region könnten die Außengrenzen der sie umgebenden Landkreise herangezogen werden (Administrationskriterium). Unter einer Region kann jedoch auch eine Landschaft verstanden werden, wie z.B. die Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt ohne fest definierte Grenzen oder das bundesländerübergreifende Münsterland, welche durch eine gewisse landschaftliche Einheitlichkeit charakterisiert sind (Homogenitätskriterium). Selbst politisch-wirtschaftliche Zusammenschlüsse wie die Europäische Union können als Region verstanden werden (Funktionalitätskriterium). Um die Sache zu verkomplizieren: Zwischen den einzelnen Kriterien kann es zusätzlich zu Überschneidungen kommen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch dürfte unter “Region” der alltägliche Aktionsradius einer Individualperson verstanden werden, wobei dieser abhängig von der eigenen Mobilität sowie der von ihr akzeptierten Mobilität der Zulieferer sein dürfte. Bei umweltbewussten Personen wäre somit das Flugzeug ausgeschlossen, während LKW und PKW noch hinnehmbar sein könnten.

Ein weiteres Argument der Verfechter regionalen und saisonalen Lebensmittelkonsums ist die Stärkung der Wirtschaft im näheren Umfeld. Nachvollziehbar, denn es gibt wohl kaum jemanden, dem nicht am wirtschaftlichen Wohl der Heimat gelegen ist. Schließlich profitiert jeder einzelne von ökonomischer Stärke. Denn Wirtschaftskraft bedeutet: Eine gut ausgebaute Infrastruktur, womit nicht ausschließlich die Verkehrsinfrastruktur gemeint ist, sondern beispielsweise auch die kulturelle.

Gegen eine Saisonalität in der Ernährung ist prinzipiell ebensowenig einzuwenden. Oftmals liegt das in der Natur der Sache. Denn wem schmeckt schon ein deftiger Weißkohleintopf im Hochsommer bei 30 Grad im Schatten?  Doch die streng dogmatische Kombination aus Beidem ist abzulehnen, wie alles sonstige Dogmatische ebenso.

Völlig anders verhält es sich inzwischen vielerorts in Deutschland, wenn es um die Versorgung von Erdöl und insbesondere um Erdgas geht. Deren regionale Gewinnung wird oftmals sogar von zahlreichen Mitbürgern abgelehnt, vor allem dann, wenn neue Projekte anberaumt werden. Plötzlich gelten die bei der regionalen Lebensmittelversorgung angeführten Argumente nicht mehr.

Wir erinnern uns: Eines der Hauptargumente derjenigen, die sich mit regional erzeugten Lebensmiteln versorgen, sind die kurzen und damit energiesparenden Transportwege. Ein durchaus zutreffendes Argument, das selbstverständlich auch für den Transport für Erdöl und Erdgas gilt.

So muss Erdgas, das aus Russland importiert wird, über mehrere tausend Kilometer per Pipeline transportiert werden. Damit das gelingt, ist es notwendig das Erdgas etwa alle 150 Kilometer unter hohem Energieaufwand in Kompressorstationen zu verdichten. Noch energieaufwendiger ist der LNG-Transport per Schiff. LNG steht für Liquified Natural Gas, also für verflüssigtes Erdgas. Um Erdgas vom gasförmigen in den flüssigen Aggregatzustand zu überführen, muss es auf unter -160°C gekühlt werden. Bei diesem Prozess werden zwischen 10 und 25 Prozent des Energiegehaltes des Erdgases benötigt (Quelle: Wikipedia).

Das bedeutet, dass diese Menge nicht anderweitig genutzt werden kann, z.B. zum Heizen oder als Grundstoff für die chemische Industrie. Energetische Verluste in dieser Größenordnung, beim Pipelinetransport aus Russland sollen ca. 15 Prozent der Energiemenge des Gases benötigt werden, fallen in Deutschland selbstverständlich nicht an. Denn das Erdgas wird nah am Gewinnungsort verbraucht. Teilweise wird das Erdgas Verbrauchern direkt zugeleitet, wie z.B. vom Erdgasfeld “Rehden” nach Georgsmarienhütte zum dortigen Stahlwerk oder sogar unmittelbar neben der Bohrung zur Stromerzeugung genutzt, wie z.B. auf der thüringischen Erdgaslagerstätte Langensalza (siehe Artikelfoto).

Für im Inland gewonnens Erdöl gilt Ähnliches. Die Transportwege zu den Verarbeitungsstätten, also zu den Raffinerien erstrecken sich von Ausnahmen abgesehen über mehrere 10er bis wenige 100 Kilometer. So wird das im Emsland und in der Grafschaft Bentheim produzierte Erdöl in der Raffinerie Emsland in Lingen verarbeitet. Erdöl aus den Lagerstätten im Oberrheingraben wird nach Karlsruhe gebracht und das im einzigen Offshore-Feld “Mittelplate” vor der schleswig-holsteinischen Westküste gewonnene Erdöl wird direkt zum Verbraucher Sasol nach Brunsbüttel sowie zur Raffinerie Heide per Pipeline verbracht.

Durch die Produktion von Erdöl und Erdgas vor der Haustür wird selbstverständlich auch die regionale Wirtschaft gestärkt. Das geschieht auf verschiedene Art und Weise. Insbesondere dort wo größere Lagerstätten idealerweise konzentriert vorkommen, siedelns sich neben den Förderbetrieben auch sogenannte Serviceunternehmen an, deren Dienstleistungen unmittelbar für die Gewinnung von Erdöl und Erdgas benötigt werden.

Als historisches Beispiel ist Celle bekannt, in dessen Umgebung die ersten bedeutenden Erdöllagerstätten Deutschlands aufgeschlossen worden sind. In Celle siedelten sich verschiedene Serviceunternehmen wie die ITAG, Halliburton, Koller etc. an. Noch heute gilt Celle als das Klein-Houston von Deutschland. Hinzu kommt, dass mehrere dieser Firmen auch Geschäftsfelder außerhalb der Erdöl-Erdgas-Branche entwickelt haben.

In Abhängigkeit der jeweiligen Unternehmenspolitik zahlen die Förderunternehmen dort wo sie tatsächlich Erdöl und Erdgas produzieren in bedeutendem Maße Gewerbesteuern, wie z.B. ein Artikel der “Rotenburger Rundschau” aus dem Jahr 2008 verrät:

Klingt komisch, ist aber so: Die Samtgemeinde Bothel ist so reich, dass sie Geld ans Land bezahlen muss. Das gilt jedenfalls für das Jahr 2008 und hat in erster Linie mit Erdgas zu tun. Denn: die Firma Exxon-Mobil musste ein größere Summe Gewerbesteuern nachzahlen.

Weitere fiskalische Beiträge werden infolge inländischer Erdöl- und Erdgasproduktion in Form der Förderabgabe geleistet, die Jahr für Jahr einen höheren dreistelligen Millionenbetrag dem Länderfinanzausgleich zuführt. Im Jahr 2008 wurden sogar die Milliardengrenze überschritten (Quelle: WEG Jahresbericht 2009).

Ursächlich für die Ablehnung der Kohlenwasserstoffgewinnung vor der Haustür dürften bei den Kritikern Schadstoffaustritte sein. Diese geschahen vor allem an Transportleitungen von Lagerstättenwasser sowie im Umfld von Plätzen, auf denen ausgemusterte Anlagenteile gereinigt worden sind. Bedenkenswerte Schadstoffimmissionen aufgrund der laufenden Förderung konnten jedoch nicht nachgewiesen werden und können dementsprechend auch nicht von den Gegnen benannt werden.

Damit sollen aber nicht die eingetretenen Kontaminationen verharmlost werden, auch wenn diese durch Medien und Bürgerinitiativen in unsachlicher Art und Weise unverantwortlich dramatisierend überzeichnet wurden und werden.

Doch im Gegensatz zur Förderung im Ausland und ihren teils gravierenden umweltrelevanten Nebenerscheinungen hat die Förderung von Erdöl und Erdgas im Inland den Vorteil, dass hohe Umweltauflagen dafür sorgen, Umweltverschmutzungen nahezu auszuschließen. Sofern diese dennoch eintreten sollten, werden sie zügig beseitigt. Und zwar zu Lasten des Verursachers und nicht zu Lasten der Allgemeinheit, wie es gerne von Gegnern unterstellt wird. Die jahrzehntelange Förderung von Erdöl und Erdgas in Deutschland hat bewiesen, dass diese ohne gravierende Umweltbeeinträchtigungen durchgeführt werden kann und wird.

Abschließend bleibt festzustellen, dass die Argumente, die von den Befürwortern des Konsums regional erzeugter Lebensmittel ebenso für die regionale Produktion von Erdöl und Erdgas gelten:

Durch kurze Transportwege wird Energie eingespart bzw. kann anderweitig sinnvoller genutzt werden. Auf verschiedene Art und Weise wird die regionale Wirtschaft gestärkt. Und durch die Regionalität herrscht ein gewisses Maß an Transparenz, was soviel bedeuten soll, dass weder die regionalen Lebensmittelproduzenten noch die Erdöl-Erdgas-Produzenten machen können, was sie wollen, da sie ständig unter Beobachtung stehen. Umso unverständlicher ist es, dass eine regionale Bereitstellung und Versorgung mit Lebensmitteln von umweltbewussten Mitbürgern befürwortet, eine Gewinnung von Erdöl und Erdgas vor der Haustür trotz deckungsgleicher Argumente von diesen Mitbürgern abgelehnt wird.

Es ist im Übrigen purer Zufall, dass der Wirtschaftsverband Erdöl und Erdgasgewinnung den Artikel “Sie bevorzugen regionale Produkte? Wir auch.!” kürzlich veröffentlichte. Die Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgte jedoch auf andere Art und Weise. Ihn ergänzend zu diesem Beitrag zu lesen kann deshalb nur empfohlen werden.

Bürgerinitiativen wollen gegen neues Entsorgungskonzept von Lagerstättenwasser demonstrieren

Das Thema Lagerstättenwasserversenkung beschäftigt Anti-Erdgasförderungsgruppierungen in etwa genauso wie die Anwendung der weltweit etablierten und bislang mindestens 3 Millionen Mal durchgeführten Stimulationsmethode des Hydraulic Fracturing (Fracking). Das Kuriose dabei ist, dass weder der eine noch der andere Prozess trotz jahrzehntelanger Anwendung in Deutschland zu umweltrelevanten Problemen geführt hat.

RWE-Dea- Bohranlage T-160 im Erdgasfeld Völkersen (Mai 2013) chef79

Bohranlage T-160 im Erdgasfeld Völkersen (Mai 2013) ©chef79

Wie auf diesen Seiten in diversen Beiträgen festgestellt und belegt werden konnte, können die im Regelfall in Bürgerinitiativen engagierten Bedenkenträger keine oder maximal dürftige Belege anführen, die ihre Ablehnung begründen. Stattdessen ist regelmäßig von Befürchtungen die Rede.

So verhält es sich offenbar auch im Zusammenhang mit der geplanten Versenkung von Lagerstättenwasser (LaWa) in das einstige Erdgasreservoir, das von der Bohrung “Völkersen-Nord Z3″ ausgefördert wurde und in das inzwischen LaWa, das sich unter dem einstigen Gasvorkommen befand, nachgerückt ist. Gegen das Versenken von LaWa in die einstige Erdgaslagerstätte regt sich im Bereich der Lagerstätte Widerstand, der von außen betrachtet absolut nicht nachvollziehbar ist. Dazu später mehr.

Bislang gibt es in Deutschland verschiedene Wege, mit dem LaWa umzugehen. All diesen Wegen ist gemeinsam, das aus der Erde (!), genauer dem tieferen Untergrund, bei der Erdöl- und Erdgasgewinnung mitgeförderte Tiefenwasser wieder in den tieferen Untergrund zu verbringen. Das geschieht folgendermaßen:

  1. Das bei der Erdölgewinnung anfallende LaWa wird wieder in die Erdöllagerstätte injiziert. Dieses Verfahren dient der Druckerhaltung und somit der Aufrechterhaltung der Förderung.
  2. Das bei der Erdgasgewinnung anfallende LaWa wird in eine ehemalige Erdöllagerstätte eingebracht. Aus Umweltschutzsicht absolut unproblematisch, da in einer ehemaligen Erdöllagerstätte sich bereits von Natur aus LaWa befindet und fördertechnisch bedingt noch 60 bis 70 Prozent (+/-) des Erdöls in der einstigen Lagerstätte vorhanden sind.
  3. Das bei der Erdgasförderung anfallende LaWa wird in Horizonte versenkt, die bereits salziges Tiefenwasser führen und nach oben durch hunderte Meter wasserundurchlässiges Gestein von flachen Süßwasserleitern isoliert sind. Diese Entsorgungsmethode ist bewährte Praxis im Rotliegend-Gasgürtel, der sich vom Nordwesten Sachsen-Anhalts bis vor die Tore Bremens erstreckt.

In diesem Gasgürtel befindet sich auch die hier betrachtete Lagerstätte “Völkersen” bei Verden sowie mehrere weitere Vorkommen. Im westlichen Bereich des Gasgürtels wird das LaWa in den aus der Kreidezeit stammenden Kalkarenit eingebracht, der bereits mit für die Trinkwasserversorgung völlig ungeeignetem Tiefenwasser ausgefüllt ist. Dass das Versenken von LaWa in den Kalkarenit ein sicheres Verfahren ist, hat seine seit mittlerweile drei Jahrzehnten durchgeführte Anwendung bewiesen.

Für die Versenkung werden entweder nicht fündige Erdgasbohrungen verwendet, die den Kalkarenit ca. 4.000 Meter über dem eigentlichen potenziell gasführenden Rotliegendem durchteuft haben oder aber eigens in den Kalkarenit gebohrte Versenkbohrungen. Zu den letzgenannten Bohrungen zählt auch die “Völkersen H1″.

Das “H” steht für Hilfsbohrung. Eine solche Bohrung ist folgendermaßen definiert (Quelle: Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2013):

B3 Hilfsbohrung (injection well, observation well, disposal well, etc.) Die Hilfsbohrung trägt als Einpressbohrung (zur Druckerhaltung oder zur Erhöhung des Ausbeutegrades), Beobachtungsbohrung, Schluckbohrung etc. indirekt zur Förderung des Erdöls oder des Erdgases bei. Fündige Hilfsbohrungen werden in Produktionsbohrungen umklassifiziert.

Trotz der seit vielen Millionen Jahren existierenden Isolierung nach oben gegenüber den Süßwasserleitern in Lockersedimenten des Quartär befürchten Kritiker, dass das LaWa aus diesem Horizont aufsteigt und und das zur Trinkwassergewinnung geeignete Grundwasser verseucht.

Die Begründungen muten dabei recht abenteuerlich an: Dazu zählt beispielsweise, dass das LaWa über Klüfte nach oben aufsteigt. Die Frage, die sich dabei stellt ist, warum es das Tiefenwasser über Millionen Jahre hinweg nicht geschafft hat, aufzusteigen. Sicherlich erhöht sich bei Einbringung von LaWa der Druck im Kalkarenit. Das ist bekannt weil logisch und wird auch überwacht. Aber die Druckerhöhung ist so minimal, dass der hydrostatische Druck nicht genügt, um das LaWa über fast 1.000 Meter nach oben zu drücken (dafür bedürfte es ca. 100 bar).

Der entscheidende Punkt ist aber, dass über dem Kalkarenit mächtige Tone liegen, die nicht einmal Gase hindurchwandern lassen. Doch von Fakten lassen sich Bedenkenträger nicht beeindrucken, weshalb sie einen Stop der Versenkpraxis fordern. In einem Fall haben sie ihr Ziel bereits erreicht. So wurde die Versenktätigkeit in der Bohrung “Völkersen H1″ eingestellt.

Eine Notwendigkeit für die Stillegung der “Völkersen H1″ bestand nicht, weder aus geologischen noch technischen Gründen, der damalige Betreiber RWE-DEA hat lediglich mit der Außerbetriebnahme versucht, Ruhe in die Debatte um die regionale Erdgasgewinnung zu bringen.

Denn diese hat in der Region zwei Ursachen:

  1. Im räumlich eng begrenzten Umfeld von LaWa-Leitungen sind in Bereichen, in denen die Leitungen im oberflächennahen Grundwasser lagen, grenzwertüberschreitende Konzentrationen des krebserregenden Benzols, das natürlicherweise im dortigen Erdgas enthalten ist und somit auch im LaWa, festgestellt worden.
  2. Es treten gelegentlich Erdbeben im Umfeld der Lagerstätte auf. Diese sind mit der Druckentlastung sowie der damit verbundenen (Re-)Aktivierung einer tektonischen Störung erklärbar. Dieses Phänomen ist  an einigen produktionsstarken Erdgasfeldern zu beobachten, jedoch nicht an allen. Aufgrund der ermittelten Herdtiefe von 5 Kilometern der Beben spielt die LaWa-Versenkung, die in etwa 1 Kilometer Teufe stattfindet, keine Rolle. Ebensowenig das Fracverfahren, welches in der Lagerstätte durchgeführt wurde aber allein zeitlich gesehen in keinerlei Zusammenhang mit der seismischen Aktivität steht.

Objektiv betrachtet ist keine Beeinträchtigung des zur Trinkwassernutzung geeigneten Grundwassers zu erwarten, auch keine für oberflächennahes Grundwasser, das nicht zur Trinkwassergewinnung geeignet ist, eventuell aber in der Landwirtschaft als Beregnungswasser genutzt werden könnte.

Dennoch hat sich die Förderindustrie bewegt, was z.B. die Außerbetriebnahme der “Völkersen H1″ beweist wie auch die Suche nach Alternativen zur Versenkung in den Kalkarenit, obwohl hierfür, wie die über 30-jährige sicher durchgeführte Praxis bewiesen hat, ebenfalls keine Notwendigkeit besteht. Eine dieser angedachten und von unabhängigen Wissenschaftlern bzw. Gutachtern als am praktikabelsten eingeschätzten Alternativen ist die Einbringung von Lagerstättenwasser in Zonen, wo es bereits seit zig Millionen Jahren natürlicherweise vorhanden ist. Das hat DEA am Standort “Völkersen-Nord Z3 vor und dagegen wollen die kompromisslosen BI am 9. Mai 2015 demonstrieren, wie es die “Kreiszeitung” im Artikel “Gegen Lagerstättenwasser: Demonstration am 9. Mai” man kann sagen regelrecht bewirbt.

Erwartungsgemäß haben laut Zitaten im Artikel die BI kaum mehr als Phrasen und Befürchtungen zu bieten, wie bereits in der Einleitung festgestellt werden kann:

„Die Energiekonzerne wollen Völkersen zum Vorreiter für unerprobte und augenscheinlich riskante Technologien machen“, beklagt Thomas Vogel.

Wie bereits erwähnt ist für die Lagerstätte “Völkersen” die DEA verantwortlich. Somit ist das Plural “die Energiekonzerne” schon einmal faktisch falsch. Zudem handelt es sich bei DEA auch nicht um einen Konzern, sondern, wenn überhaupt, um ein Konzernunternehmen per Definition § 18 Aktiengesetz. Viel interessanter ist aber die Einschätzung Vogels, dass es sich um eine “unerprobte und augenscheinlich riskante Technologie” handeln solle.

Denn schließlich wird die Technologie der Lagerstättenwasserversenkung seit Jahrzehnten in verschiedenen Teufen und Gesteinen in Deutschland durchgeführt und das ohne Einwirkung auf Umwelt oder gar Grundwasser. Warum eine angedachte Versenkung in einen erheblich tieferen Horizont nun riskanter sein soll, insbesondere in Hinblick auf die unterstellte Grundwassergefährdung, ist nicht nachvollziehbar. Und was die Frage “unerprobt” im Zusammenhang mit “Technologie” betrifft: Mit einer Mentalität, wie sie bei BI zu verorten ist, wäre die Entwicklung der Menschheit noch vor der Nutzung des Feuers, ja sogar des Faustkeils stehengeblieben(Hierzu ein Interview zwischen “Jungle World – Die linke Wochenzeitung” und dem Physiker sowie Kabarettisten Vince Ebert).

Richtig interessant wird es ab nächsem Zitat:

„Grundsätzlich wird bei jeder Erdgasförderung auch Lagerstättenwasser mit an die Oberfläche gefördert. Dieses salzhaltige Tiefenwasser ist häufig hoch belastet mit Giftstoffen wie Quecksilber, Benzol und oft auch radioaktiven Substanzen. Wohin aber mit diesem gefährlichen Abfall, der in Niedersachsen – Deutschlands größtem Erdgasfördergebiet – in Massen anfällt?“

Zunächst einmal ist das Tiefenwasser mitnichten “häufig hoch belastet mit Gifstoffen”. Im Gegenteil: Die genannten Stoffe treten im LaWa in äußerst geringer Konzentration auf und teilweise sind sie überhaupt nicht vorhanden. Insgesamt ist das LaWa in der Region folgendermaßen eingestuft:

  • nach Chemikalienrecht: Minimalkennzeichnung: H302 (gesundheitsschädlich bei Verschlucken)
  • nach Gefahrgutrecht: kein Gefahrgut
  • nach Wasserrecht: Wassergefährdungsklasse (WGK) 1, schwach wassergefährdend

Quelle ist die Studie “Nachhaltiger Umgang mit Lagerstättenwasser aus der Erdgasförderung der RWE Dea AG in Niedersachsen” der bereits erwähnten Gutachter, die letztlich zur Empfehlung geführt hat, LaWa dorthin zu verfrachten, wo es eben von Natur aus vorkommt. Diese Studie kann auf Nachfrage frei bei DEA erworben werden.

Nach dieser Falschbehauptung folgt dann eine der klassischen Befürchtungen von BI, nämlich irgend etwas frei Erfundenes zu behaupten und dabei der Phantasie freien Lauf zu lassen:

„Niemand kann verlässliche Angaben darüber machen, wohin sich das verpresste giftige Lagerstättenwasser im Erdreich überhaupt bewegen wird, das dann aber für immer unkontrollierbar und nie rückholbar entsorgt wäre“, so die BI-Befürchtung. Dabei gehe es um die Lebensqualität in der Region und um das Trinkwasser für hunderttausende Menschen in Norddeutschland.

Doch! Die Natur kann verlässliche Angaben machen, denn schließlich ist, wie bereits erwähnt, seit für die Menschheit nicht zu erfassenden Zeiträumen dieses Lagerstättenwasser im Untergrund enthalten. Und es hatte bislang nicht das Bestreben, gas- und somit auch wasserundurchlässige Gesteinsschichten nach oben zu durchdringen. Es fehlen dafür allein die physikalischen Kräfte das Wasser aus fün Kilometern Tiefe in Süßwasserleiter zu drücken, erst recht nicht, nachdem durch die Erdgasförderung der lagerstättendruck erheblich abgesenkt wurde. Die Argumentation der Unkontrollierbarkeit und insbesondere Rückholbarkeit aus einem Horizont, in dem von Natur aus LaWa enthalten ist, ist absurd und letzlich nichts weiter als Panikmache!

Ebenso absurd ist eine Aussage von Herrn Vogels Mitstreiter Andreas Noltemeyer:

„Die Reinigung von Lagerstättenwasser ist möglich. Aber sie kostet Geld und schmälert den Konzerngewinn“, sagt Andreas Noltemeyer, Ortsbürgermeister der Gemeinde Völkersen.

Sicherlich ist die Reinigung des LaWa technisch möglich. Das Problem dabei ist: Sie kostet nicht nur Geld, sondern sie verbraucht nicht unbedeutende Energiemengen. So müsste z.B. das Wasser zunächst verdampft werden, um die Salze abzuscheiden. Aber auch die Abscheidung der gering konzentrierten Giftstoffe. Und all diese nun in Reinform, also nicht mehr verdünnt vorliegenden Stoffe, müssten nun auch irgendwohin verbracht werden.

Doch darauf haben die BI keine Antwort und versteigen sich in die Behauptung, die von ihnen erträumte Aufbereitung würde lediglich den “Konzerngewinn” schmälern. Nein, sie würde die Erdgasförderung als Geschäftsfeld der vermeintlichen “Konzerne” unrentabel machen. Und niemand betreibt ein unrentables Geschäftsfeld, mögen die übrigen noch soviel in die Kasse spülen. Schließlich geht es den “Konzernen” doch “nur” um Profit und dessen Maximierung. Dass behaupten die BI und in der Sache Verbündete jedenfalls regelmäßig.

Insofern ist es logisch, dass unrentable Aufbereitungs- und Entsorgungsmethoden, die zudem unter Wasser- und Umweltschutzaspekten unnötig sind, ihnen durch hohen Energieverbrauch und in Reinform vorliegenden Stoffensogar entgegenstehen, nicht in Betracht gezogen werden. Das wird durch die BI kritisiert und dabei als Beispiel die von ihnen gewünschte dezentrale Aufbereitung des LaWa, also an jedem Förderplatz, angeführt. Dabei bedeutet Dezentralität regelmäßig höheren Energiebedarf und vor allem höheren Landschaftsverbrauch.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Aufgrund von aus Sicht des Verfassers unbegründeten Befürchtungen im Zusammenhang mit der Versenkung von LaWa hat sich die Industrie, hier konkret DEA bzw. der Vorgänger RWE-DEA auf die Bedenkenträger zubewegt. Ohne technisch und geologisch bedingte Notwendigkeit wurde die Versenkung mittels einer Bohrung eingestellt.

Darüber hinaus wurden seitens der Industrie bzw. durch sie beauftragte Gutachter Alternativen zur bislang bewährten (!) Praxis erörtert. Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass es am sinnvollsten sei, LaWa dorthin zu verbringen, wo es von Natur aus vorkommt, nämlich in (ausgeförderte) Erdgaslagerstätten. Im Grunde der “Stein der Weisen”, jedoch nicht nach Ansicht der opponierenden Bürgerinitiativen.

Sie wünschen sich eine Umsetzung ihrer ökonomisch und ökologisch unsinnigen Umsetzung einer dezentralen Aufbereitung des mit Schadstoffen schwach belasteten Lagerstättenwassers.

Wer Interesse an der Studie “Nachhaltiger Umgang mit Lagerstättenwasser aus der Erdgasförderung der RWE Dea AG in Niedersachsen” hat, sende bitte eine E-Mail an die im Impressum hinterlegte E-Mail-Adresse. Ich schicke dann die Bezugsquelle zurück.

Ölpreisverfall, unsichere Rechtslage im Inland und Russland-Sanktionen lassen Celler Förderindustrie leiden

Seit Sommer 2014 haben sich die Erdölpreise halbiert. Seit inzwischen vier Jahren wird ohne Ergebnis über das zuvor 50 Jahre angewandte Hydraulic Fracturing (“Fracking”)debattiert. Eine drastisch erschwerende Genehmigungspraxis für dieses Standardverfahren, aber auch für Tiefbohrungen insgesamt, ist zu erwarten. Hinzu kommen noch Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland. Keine guten Bedingungen für den Standort mehrerer Unternehmen, dem niedersächsischen Celle.

ITAG-Rig 27 auf Tightgas-Bohrung "Düste Z10" im Landkreis Diepholz ©chef79

ITAG-Rig 27 auf Tightgas-Bohrung “Düste Z10″ im Landkreis Diepholz ©chef79

Bereits im vergangenen Sommer meldete das in Celle beheimatete Unternehmen ITAG Kurzarbeit für seine gesamte Tiefbohrabteilung an. Betroffen sind ca. 250 Mitarbeiter, von denen teilweise die Hälfte gleichzeitig in Kurzarbeit sind. Laut des Artikels “Förderpläne auf Eis gelegt” des “Weserkuriers” vom 30. Januar 2015 sähe es nach Ansicht des ITAG-Personalleiters Detlev Doering bitter aus für die Branche, wenn bezüglich “Fracking” nicht zügig ein verlässlicher Rechtsrahmen geschaffen würde. Der “Weserkurier” spricht fälschlicherweie von einer Legalisierung des längst etablierten und somit erlaubten Verfahrens.

Doch die ITAG ist inzwischen nicht mehr das alleinige betroffene Unternehmen im “Klein-Houston” Deutschlands am Südrand der Lüneburger Heide. Das geht aus einer Pressemitteilung der  Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg hervor. Die IHK befragte 20 Unternehmen der mit 8.000 Beschäftigten für Celle bedeutenden Erdöl- und Erdgasindustrie zu ihrer wirtschaftlichen Situation.

Durch den internationalen Preisverfall für Erdöl sehen sich 15 Prozent der Unternehmen stark und weitere 50 Prozent sogar sehr stark betroffen. Bislang konnten die Unternehmen noch von Altaufträgen zwhren, doch gehen bei zwei von drei Unternehmen die Auftragseingänge erheblich zurück und bei der Hälfte gab es Auftragsstornierungen. Sieben Unternehmen mussten bisher Mitarbeiter entlassen und weitere vier meldeten Kurzarbeit an. Drei Unternehmen sehen sogar ihren Fortbestand im Inland gefährdet.

Erschwerend zum Ölpreisverfall kommt die gesellschaftspolitische Situation rund um die Erdgas- und Erdölförderung und hierbei insbesondere die Diskussion um Haydraulic Fracturing hinzu. Denn mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen erwirtschaftet den größten Teil ihres Umsatzes am nationalen Markt. Dementsprechend sehen sich 28 Prozent und genausoviele sogar sehr stark vom faktischen (auf keiner Gesetzesgrundlage beruhenden) “Fracking”-Moratorium betroffen:

Den Unternehmen fehlt Rechtssicherheit, denn seit knapp zwei Jahren werden in Erwartung einer verschärften Gesetzgebung keine Genehmigungen mehr erteilt.

Das ist so nicht ganz richtig, denn mittlerweile sind vier Jahre ins Land gezogen, seidem in Niedersachsen keine Fracmaßnahme mehr genehmigt worden ist. Dabei hat sich an der Gesetzeslage nichts geändert, unter der zuvor Fracmaßnahmen genehmigt worden sind.

Eine weitere Belastung stellen die Wirtschaftssanktionen gegenüber und seitens Russlands dar. Betroffen sind insbesondere Unternehmen, die zu mehr als drei Vierteln (23 Prozent der Befragten) oder sogar vollständig (15 Prozent) ihren Umsatz im Ausland erwirtschaften. Von den Sanktionen sind 30 Prozent der Unternehmen stark und weitere 10 Prozent sehr stark betroffen.

Das Zusammentreffen der drei Faktoren würde im Falle eines Andauerns bedeuten, dass über die nächsten 12 Monate 70 Prozent der Befragten einen Rückgang der Investitionen, 60 Prozent Umsatzverluste und 40 Prozent weiteren Personalabbau voraussehen.

Gegen den Ölpreisverfall ist von bundespolitischer Ebene aus wenig bis gar nichts auszurichten. Bezüglich des Verhältnisses zu Russland dürfte ähnliches gelten, wobei die Chancen besser stehen. Doch was die Verhältnisse im Inland betrifft, hat die Politik die notwendigen Werkzeuge in der Hand, um für die Industrie und insbesondere deren Mitarbeitern einen Rechtsrahmen mit Investitionsperspektive zu schaffen. Dazu wäre es aber unabdingbar, endlich Fachleuten Folge zu leisten und nicht den Bedenkenträgern. So sieht der Vorstandsvorsitzender des GeoEnergy Celle e.V., Thor Noevig, die Politik in der Verantwortung:

Bohrprojekte wären auch heute noch genug vorhanden, werden aber nicht umgesetzt. Denn in den letzten Jahren haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Tiefbohrungen wesentlich verschlechtert. Das gefährdet nun Hunderte von Arbeitsplätzen.

Doch es sind nicht nur Arbeitsplätze gefährdet, sondern perspektivisch auch eine anteilige Versorgung mit durch im Inland gefördertes Erdgas.

Neben Celle dürften auch weitere Kommunen und Regionen von der teilweise hausgemachten Krise betroffen sein, die Unternehmen der Serviceindustrie beheimaten, wie z.B. Vechta und Umgebeung oder auch die sachsen-anhaltinische Kreisstadt Salzwedel.

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