Petition zur „Korbacher Resolution“ – Eine Widerspiegelung der Medienhysterie!?

Anfang Mai trafen sich im hessischen Korbach die gegen die inländische Förderung von Kohlenwasserstoffen (Erdgas und Erdöl) agierenden und propagierenden Bürgerinitiativen (BI), um sich laut Eigenauskunft besser zu vernetzen sowie eine inhaltlich radikale Resolution gegen Hydraulic „Fracking“ Fracturing zu verfassen. Zusätzlich wurde eine Petition online gestellt (behandelt in Teil 1). Deren Verlauf und die z.T. recht seltsame räumliche Verteilung der bisher abgegebenen Stimmen lässt nur den Schluss zu, dass sich viele Unterzeichner in ihrer Meinungsbildung von inhaltlich fragwürdigen bis falschen Medienberichten haben leiten lassen. Dieser Sachverhalt wird im zweiten Teil des Artikels diskutiert.

1. Der wesentliche Inhalt der „Korbacher Resolution“ und einleitende Anmerkungen zur Petition

Diese Resoulution beinhaltet ein Totalverbot jeglicher Fracmaßnahmen, obwohl keine einzige der dazu aufgesetzten Studien dieses empfiehlt. Auch nicht die an Fachfremde vergebene und wegen wissenschaftlich unsauberer Erstellung z.T. scharf von Fachleuten der Staatlichen Geologischen Dienste zusammen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe kritisierte Studie (Quelle) im Auftrag des Umweltbundesamtes fordert ein Verbot, sondern ein schrittweises vorsichtiges Vorgehen unter wissenschaftlicher Begleitung. Zudem wird der radikale Inhalt der „Korbacher Resolution“ noch dadurch unterstrichen, dass ein totales Handels- und Importverbot von „„gefrackten“ fossilen Energieträgern“ gefordert wird. da stellt sich die Frage, ob den Damen und Herren überhaupt bewusst ist, welche enormen Mengen an Erdgas, aber auch an Erdöl dadurch in Deutschland fehlen würden? Allein für die inländische Förderung von ca. 10 Mrd. m³ (2012) beziffert ExxonMobil eine Menge von über 3 Mrd. m³ (Quelle). Hinzu kommt, dass in einem unserer wichtigsten Lieferländer, nämlich Russland, gegenwärtig und in der Zukunft sogar verstärkt das Fracverfahren angewendet werden soll (Artikel). Unter anderem geschieht dies dort unter Nutzung deutschen Ingenieurswissens im Feld „Novy Urengoj“ in Sibirien (Quelle).

Neben der Resolution fühlten sich die BI dazu berufen, über „Open Petition“ eine Petition online zu stellen, die bis zum Ablauf 100.000 Unterschriften zusammentragen muss. Dabei wurden die Protagonisten offenbar vom zweifelhaften Erfolg einer Anti-„Fracking“ Unterschriftensammelaktion der Organisation „campact“ geblendet, die bisher über 160.000 Unterschriften zuammentrug. Zweifelhaft ist deren Erfolg vor allem deshalb, da „campact“, um gegen das längst erlaubte und 100e Male in Deutschland durchgeführte Fracverfahren Stimmung zu machen, nicht vor angstschürender Symbolik ( in die Erde injizierende Giftspritze) und Falschbehauptungen aufwartet. So wird behauptet, dass beim Fraccen giftigste Chemikalien eingesetzt werden sollen (natürlich ohne nennung dieser) und ein neues Gesetz den Einsatz des längst bewährten Fracverfahrens ermöglichen soll (Quelle). Tatsächlich handelt es sich um einen Gesetzentwurf, der die Genehmigung erschweren soll und „hochgiftige“ (Kennzeichnung T+) Chemikalien wurden bislang nicht eingesetzt und werden es in Zukunft auch nicht. Im Gegenteil, es wird daran gearbeitet, und das z.T. schon mit Erfolg, die äußerst gering konzentrierten giftigen Zusätze durch ungiftige zu ersetzen. Also wird sich wie üblich, leider mit Erfolg, verwerflichen Propagandamethoden bedient. Doch zurück zur „Korbacher Resolution“: Wie oben geschrieben, sollen 100.000 Unterschriften bei der Petition zusammengetragen werden und dieses Ziel soll in 180 Tagen erreicht werden. Mit Stand 23.08.2013 und noch verbleibenden 78 Tagen sind gerade einmal etwas über 14.000 Stimmen zusammengekommen. Oder prozentual ausgedrückt: Nachdem bereits über 50 % des Zeitraumes, in dem eine Stimme abgegeben werden kann, abgelaufen sind, sind lediglich 14 % des anvisierten Ziels erreicht worden und das wiederum trotz massiver Werbung in dieversen Onlineforen bedeutender Medien (ZEITonline, SZonline, arte etc.)  sowie Berichterstattung z.B. bei focusonline (Quelle).

2. Zeitlicher Verlauf und räumliche Verteilung der Petition

    2.1. Zeitlicher Verlauf

Die Petition startete Mitte Mai und ihr Verlauf war zunächst gekennzeichnet durch einen beachtlichen Zuwachs an Stimmen, was am wahrscheinlichsten damit zu erklären ist, dass die gut mitinander vernetzten BI-Mitglieder zuerst abstimmten sowie deren unmittelbares Umfeld. Eine detaillierte Analyse ist allerdings nicht möglich, da die Unterzeichner/Unterzeichnungen nicht chronologisch, sondern nur nach alphabetisch geordneten Ortschaften aufgeschlüsselt werden. In der Anfangszeit der Petition wurden respektable 400 Stimmen/Tag abgegeben, jedoch flachte der Zuspruch nach knapp einem Monat deutlich ab und erreichte nur noch ca. 50 bis 100 Stimmen/Tag im Durchschnitt. Auffällig ist ein Sprung zwishen dem 8. und 11. Juli, also unmittelbar nachdem der längst als unwahr entlarvte Film „Gasland“ (Quelle mit weiteren Originalquellen) beim öffentlich-rechtlichen Sender „arte“ gezeigt wurde. In einem dazugehörigen Forum wurde massiv durch Aktivisten Stimmung gegen die inländische Erdgasgewinnung gemacht.

Exkurs: Besonders tat sich hierbei eine gewisse Simone Leunig hervor, die unter anderen Namen (KatharinaKW, Katze, KlaraText) aber stets erkennbar an ihren immer gleichen Links und vor allem ihrer dürftigen Rechtschreibung diverse Foren von „taz“ über „sz“ bishin zu lokalen und regionalen Medien mit ihren Falschbehauptungen „zumüllt“ und gerade auch um den Zeitpunkt der Ausstrahlung von „Gasland“, aber auch danach, massiv die „Korbacher Resolution“ bewarb (Quelle 1 Quelle 2). Werte Dame, und deshalb dieser persönliche Exkurs, schaffte es sogar, mit nur zwei Worten zwei meiner Hauptvorwürfe an die Aktivisten, nämlich Diffamieren und Lügen, zu bestätigen. Geschehen im Forum zu einem taz-Artikel. Hier behauptet sie, ich wäre bekennender Lobbyist  (hier unter dem Namen „über die Wahrheit“ und wieder erkennbar an der mangelhaften Rechtschreibung, Quelle). Dabei steht im Impressum ganz eindeutig, dass ich KEIN Lobbyist (also von ihr knallhart gelogen) bin und diffamiert fühle ich mich durch den Vorwurf des Lobbyismus, denn davon halte ich nicht viel bis gar nichts, egal ob dieser Lobbyismus von der Industrie oder NGO stammt. Die Beweggründe des Betreibens dieses Blogs sind dem Impressum zu entnehmen. Exkurs Ende!

Nach diesem kleinen Sprung infolge der Ausstrahlung „Gaslands“ pendelte sich der Zuspruch wieder auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau von zuvor wieder ein, mit leicht aufstrebender Tendenz infolge des Endes der Sommerferien wie er sich auch in den Aufrufzahlen dieses Blogs widerspiegelt. Letzten Endes hat man sich auf Seiten der Bürgerinitiativen ein hohes Ziel gesteckt, dass nicht ansatzweise erreicht werden wird.

    2.2 Räumliche Verteilung der abgegebenen Stimmen

Recht interessant ist die Darstellung der räumlichen Verteilung der abgegebenen Stimmen. Diese konzentrieren sich dem ersten Eindruck nach auf Gebiete, in denen die Anwendung vo Hydraulic Fracturing intensiv diskutiert wird und wo auch mehr oder weniger seit Anbeginn der Debatte Bürgerinitiativen angesiedelt sind. Hierbei sticht insbesondere die Region „Niederrhein“ mit der Ortschaft Rees als Spitzenreiter (166 Stimmen) ins Auge. Am Niederrhein hat die Firma „Wintershall“ ein Ausuchungsgebiet zugesprochen bekommen, um die Region auf Kohlenwasserstoffe zu untersuchen. Eine solcher Erlaubnis berechtigt und verpflichtet (!) per Bundesberggesetz Unternehmen, Maßnahmen zur Erkundung von solchen Vorkommen durchzuführen, gestattet dabei aber weder Bohr- oder weitere Arbeiten zur Gewinnung. Doch allein schon die Erteilung dieser Erlaubnis rief Protestler auf den Plan, obwohl noch nicht ansatzweise feststeht, ob die hier vermuteten Schiefergasvorkommen vorhanden sind und somit das zur Gewinnung notwendige Hydraulic Fracturing jemals stattfinden wird. Das ist den Gegnern aber gleichgültig und deshalb wird Alarm geschlagen. Dabei stellt sich laut „Facebook“-Präsenz die Reeser BI als besonders radikal dar. Wissenschaft? Fehlanzeige!  Stattdessen wird selbst gegen potenzielle Mitstreiter vom NABU gehetzt (Quelle)! Einen weiteren Schwerpunkt stellt das Münsterland dar, wo vor allem nach Kohleflözgas exploriert werden soll(te). Hier sind in Drensteinfurt (Platz 3; 143 Stimmen) und in Nordwalde die führenden Köpfe von „Gegen Gasbohren“ zu Hause. Ob dort überhaupt gewinnbare Erdgasvorkommen vorhanden sind und ob zur Gewinnung überhaupt das Hydraulic Fracturing angewendet werden muss, interessiert dort ebensowenig wie in Rees. Und das schon seit Ende 2010/Anfang 2011. Stattdessen streute von dort der Protest Metastasen über das gesamte Land, weitestgehend unter Auslassung von Wissenschaft, es sei denn, die Studien entsprechen dem eigenen vorurteilsbehafteten Weltbild. Selbst ausgemachter Blödsinn, wie „Gasland“ oder die Studie von bekennenden und somit befangenen „Fracking“-Gegnern (Howarth, R.; Ingraffea, A.) dient als Argumentationsbasis, obwohl deren Studien wissenschaftlich  auseinandergenommen wurden (Quelle 1, Quelle 2). Nun könnte man bis hierhin meinen: Alles ganz normal, der Protest beschränkt sich auf Regionen, in denen mehr oder weniger sich Hydraulic Fracturing zur Kohlenwasserstoffgewinnung unabdingbar ist und einige Hysteriker jenseits der Wissenschaft, tlw. in Verbindung mit lokalen Medien (siehe Artikelüberschift) agitativ gegen ein international und millionenfach bewährtes Stimulationsverfahren vorgehen.

Doch dem ist leider nicht so, Denn an Platz zwei der unterzeichnenden Gemeinden befindet sich die schleswig-holsteinische Gemeinde Preetz mit 144 Stimmen. Das ist in der Hinsicht erstaunlich, dass für Schleswig-Holstein kein Potenzial an Kohlenwasserstoffen seitens der BGR ausgewiesen wird, das zwingend Hydraulic Fracturing erfordert, wie z.B. Schiefergas (Quelle). Stattdessen wurden u.a. seitens des NDR Aufsuchungserlaubnisse zu „Frackinggebieten“, u.a. auch in Dithmarschen und Schleswig, wo ebenfalls eine Konzentration an Unterschriften zu erkennen ist, erklärt (Artikel). Tatsächlich wird in den entsprechenden Gebieten die Wiederrschließung aufgegebener Erdölfelder bzw. der Erkundung von neuen Vorkommen in deren Umfeld in Erwägung gezogen (Quelle 1, Quelle 2). Hier hat offensichtlich die mediale Desinformation mit ihrer Angstschürerei bar jeglicher Plausibilität ganze Arbeit geleistet.

Das trifft übrigens auch auf Lüneburg (Platz 5 mit 123 Stimmen) und Südhamburg zu, wo ebenfalls Aufsuchungserlaubnisse u.a. seitens des öffentlich-rechhtlichen und somit zur unvoreingenommenen und neutralen Berichterstattung verpflichteten NDR zu „Frackinggebieten“ deklariert wurden (u.a. diese Quelle). Stattdessen überdecken dort die Aufsuchungserlaubnisse den erdölhöffigen „Broistedt-Gifhorn-Hamburger Trog“!

Die übrigen Schwerpunkte der abgegebenen Stimmen konzentrieren sich auf die z.T. medial zu „Frackinggebieten“ erklärten Gebiete am Bodensee oder die Region um Korbach (sic!) in Norhessen, wo allerdings zunächst anhand von vorhandenen oder zu erfassenden Daten geprüft werden soll, ob unkonventionelle Erdgasvorkommen vorhanden sind (wobei die BGR diese Gebiete jetzt bereits als „nicht höffig“ bewertet) oder auf Gebiete, wo Fracmaßnahmen OHNE Vorkommnisse z.T. seit Jahrzehnten Anwendung fanden (Völkersen) oder letzten Endes aufgrund derzeitigen Standes der Schiefergaserkundung sich BI gegründet haben (Artland, Lünne, südlicher LK Diepholz) und dort proaktiv agieren. Den Rest Deutschlands scheint die Thematik anhand der Karte, die bei der Petition zu sehen ist, kaum bis gar nicht zu interessieren. Das betrifft zu meinem Erstaunen auch meine Heimatregion Altmark, wo 100 Mal gefract worden ist und auch dort infolge der Hysterie über das Thema diskutiert wurde. Doch offensichtlich ist den Menschen dort noch bewusst, welche (wirtschaftlichen) Vorteile die Region durch die Gewinnung von Erdgas erfuhr und erfährt. Dabei ist es gleichgültig ob bereits zu DDR-Zeiten in einer unwirtlichen Grenzregion, oder bis heute, wo noch hunderte Menschen in der Förder- und Serviceindustrie (es waren einst tausende!) beschäftigt sind.

Somit bleibt abschließend festzustellen, dass in Regionen, wo seitens BI in Verbindung mit sekundierenden Medien gegen Kohlenwasserstoffgewinnung, inzw. egal ob mit oder ohne Anwendung des Hydraulic Fracturings, Stimmung gemacht wird, oder in Gebieten, in denen benannte Medien mit Desinformationen vorpreschten und sich in Folge BI gründeten, der Widerstand am massivsten ist. Eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zur vermeintlichen Gefahr durch Hydraulic Fracturing basierende und somit plausible Erklärung gibt es dafür nicht. Oder präziser ausgedrückt: Die seitens zahlreicher Medien unterstellten Gefahren des Hydraulic Fracturings, wie z.B. ein großflächige Kontamination von Grund- oder sogar Trinkwasser, Erdbeben oder Klimawirksamkeit sind nach überwiegender Ansicht von mit der Materie vertrauten Wissenschaftlern nicht existent oder als äußerst gering anzusehen.

Petition zur Korbacher Resolution

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