Der sinnige Unsinn – Ein Kommentar zur “Fracking”-Debatte nach “Panorama”-Reportage

Letzte Woche machte das ARD-Magazin Panorama mit einem Bericht auf sich aufmerksam, der Hydraulic Fracturing, oft auch nur „Fracking“ genannt, in ein anderes Licht und vor allem “Gasland” kritisch auf die Probe stellte sowie die Ungereimtheiten im Film verdeutlichte. Im Nachgang der Reportage gab es ein paar Kommentare, die sich um Bestechlichkeit drehten. Doch wie sinnvoll ist das wirklich? Ein Kommentar.

Panorama und der "Brennende Wasserhahn". Screenshot aus der ARD Mediathek.

Panorama und der “Brennende Wasserhahn”. Screenshot aus der ARD Mediathek.

Am 03.09.2014 zeigte “Panorama 3″ einen Beitrag, der den Film “Gasland” und den daraus bekannten „brennenden Wasserhahn“ kritisch untersuchte. So kam endlich ein recht objektiver Beitrag zu Stande, der fachlich zwar noch nicht hundertprozentig korrekt, aber für die bisher bekannte Berichterstattung recht sachlich und nüchtern die Fakten aufbereitete. Diesen Beitrag nahm die ExxonMobil-Mitarbeiterin Ritva Westendorf-Lahouse zum Anlass einen Blog auf erdgassuche-in-deutschland.de zu verfassen, indem sie die Frage aufgreift, ob jemand behaupten könne, der NDR oder das UBA-Gutachten sei von ExxonMobil gekauft.

Am 04. September lief derselbe Beitrag, wenn auch leicht verändert und ergänzt bei Panorama in der ARD. Herrlich der ironische Schlusssatz von Moderatorin Anja Reschke:

„Übrigens: natürlich wurden wir für diesen Beitrag von Exxon bezahlt. Die Millionen klingeln schon auf unserem Konto. […] Muss Panorama reich sein.“

Das setzt alles bei einer Frage an, die ich mir ehrlich gesagt schon seit längerer Zeit selbst stelle: Glauben die Bürgerinitiativen bzw. Kritiker das eigentlich selbst, was sie alles sagen?

Versuchen wir einmal die Sache nüchtern zu betrachten: Wir haben in Deutschland vier große Erdöl- und Erdgasproduzenten, die, wenn auch nicht immer unter demselben Namen, teilweise seit über 100 Jahren Erdöl produzieren. Später kam das Gas hinzu und in Erdgaslagerstätten wurde vor 53 Jahren zuerst gefract. Zunächst brauchte man hierfür noch schwere Bohranlagen und konnte im Laufe der Zeit dies technisch so weiterentwickeln, dass eine Bohrung mit mehreren Fracs (Stages) stimuliert werden kann, auch in Horizontalstrecken und heute nur noch über eine Coiled-Tubing-Einheit. Das hat sich alles über die Jahre bewährt, wurde ständig verbessert, ist State-of-the-Art und eigentlich nicht weiter der Erwähnung wert.

Die Rig 30 der ITAG bohrt die Damme 2.

Die Rig 30 der ITAG bohrt die Damme 2.

In den Jahren 2008 und 2009 gab es seitens ExxonMobil erste Bemühungen, in die sogenannten Unconventionals einzusteigen. Das sind, nach heutiger Definition, Erdgaslagerstätten, die im Kohleflöz oder Tonschiefer gebunden sind. Mit zunehmender Erfahrung wird der Übergang von unkonventionellen zu konventionellen Lagerstätten allerdings immer fließender, da vor einigen Jahren selbst Tight Gas-Lagerstätten, Erdgaslagerstätten in geringpermeablen Sandsteinen, also mit einer schlechten  Porenverbundenheit (Permeabilität), noch als unkonventionell bezeichnet wurden.

Die ersten vier Projekte wurden noch recht lautlos durchgeführt, ohne großes öffentliches Interesse, eher wurde es positiv herausgestellt und vom NDR als etwas ganz tolles, neues erwähnt, was den Autor dieser Zeilen zumindest auf Fracs bezogen doch damals schon sehr verwunderte.

Für die Erdöl- und Erdgasbranche sind also Stimulationsarbeiten der Formation mittels Hydraulic Fracturing nichts Besonderes. Im Jahre 2010 wurde dann bekannt, das diese Erprobung auch auf Nordrhein-Westfalen (bzw. weiter in NRW rein, da es bereits eine Probebohrung im niedersächsischen Grenzgebiet gab) ausgebaut werden sollte, wobei die Erprobung nicht zwingend Frac-Aktivitäten umfasst. Befeuert durch “Gasland” und den brennenden Wasserhahn formierte sich mehr und mehr Widerstand. Das hat zu Folge, dass seit 2011 Fracs auf Erdgas-Formationen gar nicht mehr genehmigt wurden bzw. vom Genehmigungsstand in der Schwebe stehen und lediglich eine Behandlung im Zechsteinkarbonat der Ölbohrung Barth 11 in Mecklenburg-Vorpommern im Frühjahr dieses Jahres durchgeführt wurde.

Früher war es auch so, dass die entsprechenden Anträge beim Bergamt gestellt wurden, dann die Genehmigungsphase mit allen gesetzlich vorgeschriebenen Anhörungen und Behörden folgte und anschließend das Projekt umgesetzt werden konnte. Eventuell wurde noch eine kleine Anwohnerinformation gemacht bzw. in einer Pressemitteilung über das Projekt informiert. Bevor hier jetzt jemand wieder anfängt über mangelnde Transparenz zu schreiben: Das hat in der Regel so gereicht, da das Interesse schlichtweg auch nicht größer war.

Von unzähligen Foto-Touren kann der Verfasser dieses Beitrags das berichten: Es hat sich schlichtweg keiner oder kaum jemand dafür interessiert, was da gemacht wird. Es gab ein Schild mit einer Projektbeschreibung und einer Adresse, an die man sich für weitere Fragen und Informationen hätte wenden können. Das ist ein Punkt, den man in dieser ganzen Transparenz-Debatte nicht vergessen darf und wo ich auch schon oft die Gegenfrage gestellt habe, warum man sich nicht einfach früher dafür interessiert oder nachgefragt hat, was da vor der eigenen Haustür passiert.

Bei den Firmen dürfte ein entsprechendes Interesse daran bestehen, dass man Felder und Produktion bestmöglich entwickeln kann. Dazu kann es eben nötig sein, die Lagerstätten entsprechend mit Fracs zu behandeln. Der Forderung nach mehr Transparenz kommen die Firmen durch diverse Webauftritte und Vor-Ort-Termine nach.

Ein anderer springender Punkt ist aber der folgende, worauf ich auch eigentlich hinaus will:

Werden Studien angefertigt und veröffentlicht, die zum Fazit kommen, dass Hydraulic Fracturing bzw. die Erdgas- und Erdölgewinnung nicht gefährlicher sind, als andere Industriezweige bzw. Formen der Energiegewinnung, wird das von seiten der Gegner angezweifelt, egal wie objektiv und wissenschaftlich schlüssig sie sind. Oder aber sie werden als industrienah bzw. „gekauft“ diffamiert.

Hier stelle ich mir jedoch die Frage „Was bringt das?“ Was bringt es zum Beispiel einem renommierten Wissenschaftler, sich von irgendwelchen Firmen oder Verbänden kaufen zu lassen und dabei ggfs. seinen guten Ruf aufs Spiel zu setzen? Ich denke, man hat als anerkannter Wissenschaftler da recht wenig von, irgendetwas für eine Studie aufs Spiel zu setzen, was man sich durch jahrelange Tätigkeit aufgebaut hat.

Dieselbe Frage kann man aber auch auf die Firmen anwenden. In der Regel ist es ja heute so, dass es irgendwann rauskommt, wenn irgendwo Gelder geflossen sind, um bestimmte Resultate zu beschönigen. Was würde das aber einer Firma bringen, die darum bemüht ist, möglichst viel für die Öffentlichkeit zu tun, um bald wieder normal, also wie es jahrzehntelang problemlos in Deutschland der Fall war, Erdöl und Erdgas produzieren zu können? In meinen Augen ergibt das nämlich extrem wenig Sinn, wenn man hier einen Skandal produzieren könnte, da man sich dann die Aktivitäten und eventuell noch weitere komplett abschminken könnte.

Eine Bohranlage der Angers Söhne auf der Aufschlussbohrung "Schlahe 1".

Eine Bohranlage der Angers Söhne auf der Aufschlussbohrung “Schlahe 1″.

Das ist auch derselbe Punkt, den ich bei der Debatte bzw. den „Argumenten“ bei Gegnern bzgl. der Sicherheit nicht nachvollziehen kann. Ich denke, sollte da bei der Bohrung oder der Handhabung mit irgendwelchen Stoffen wirklich so geschlampt werden, dass wirklich große Unfälle passieren, kann sich die Firma doch sicherlich eine weitere Aktivität sparen oder sie sehr, sehr eingeschränkt durchführen.

Und mal ehrlich? Warum sollte eine Firma zum Beispiel bei der Bohrlochintegrität sparen? Zum Einen sind die Firmen natürlich auch an sicheren und ordnungsgemäß funktionierenden Bohrungen interessiert, zum Anderen würde es doch enorme Kosten verursachen, wenn man eine Bohrung nicht vernünftig verrohrt und zementiert und dann in ein paar Monaten oder Jahren wieder mit einer Workover-Anlage auf die Bohrung darf, um den Pfusch dann auszugleichen. Das kann auch mal die ein oder andere Million mehr kosten und ist betriebswirtschaftlich alles andere als sinnvoll.

Der nächste Punkt wären auch die Mitarbeiter: Ich denke, jeder verantwortlichen Person ist daran gelegen, dass die eigenen Mitarbeiter morgens (oder je nachdem wann Schichtbeginn ist) gesund zur Arbeit erscheinen und zum Feierabend wieder genauso gesund den Betriebsplatz verlassen können.

Ich frage mich dabei wirklich, wie seitens der Gegner behauptet werden kann, dass da mitunter vorsätzlich gehandelt und geschlampt wird. Das hat für mich auch ein wenig mit nicht vorhandenem Respekt gegenüber den Mitarbeitern in den Betrieben der Erdöl- und Erdgasindustrie zu tun. Es klingt oft so, als sei es den Firmen (also eigentlich ja ihren Mitarbeitern) egal, was mit der Umwelt und auch den eigenen Anlagen passiert. Mal ehrlich? Kann man sowas wirklich ernst meinen, dass es Müttern und Vätern egal sein soll, ob sie und ihre Kollegen noch ein vernünftiges Leben führen können?

Für mich ist das sehr respektlos, wie von einigen Seiten der Kritiker mit Mitarbeitern der Industrie umgegangen wird. Da werden Bohrarbeiter als Wanderzirkus tituliert oder Ingenieuren wird vorgeworfen, vorsätzlich das Grundwasser und die Natur zu schädigen. Das Interessante daran ist aber, dass, wenn man manche Aussagen der Gegnerschaft bezweifelt, recht schnell von ihr mit rechtlichen Konsequenzen gedroht wird. Ich möchte mir nicht ausmalen, was es für ein Echo geben würde, wenn wir hier vom Blog oder Mitarbeiter der Öl- und Gasbranche den Spieß mal umdrehen oder den Berufszweig der jeweiligen Gegner entsprechend in Verruf bringen würden…

Wieder bringt es da ein Satz aus der Panorama-Reportage auf den Punkt:

„Vielleicht würde mehr Nüchternheit statt Emotion der Debatte gut tun.“

Und ein wenig Anstand und Respekt bei einigen der Gegnerschaft auch.

Letztlich wollen Kritiker und vor allem verängstigte Menschen mit ihren Argumenten und Ängsten ernst genommen werden. Dazu gehört aber auch ein Mindestmaß niveauvolles Verhalten gegenüber Mitarbeitern der Firmen und gegenüber Wissenschaftlern und Forschern, die unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine Lösung finden wollen. Vor allem vor dem Hintergrund der jetzt gesendeten Bilder und Fakten von Panorama muss man sich auch auf Seiten der Hardcore-Kritiker und Bürgerinitiativen fragen, wie weit man nicht selbst zu einer Verunsicherung beigetragen hat und dabei nicht etwas weit über das Ziel hinausgeschossen ist.

Schließlich ist es schon ein Zeichen genug, dass der NDR durch die Panorama-Berichte seine früheren Aussagen und Sendungen relativiert hat. Und einfach zu sagen „Wir wollen das nicht!“ ist in meinen Augen zu kurzsichtig und grenzt, besonders bei Betrachtung der wenig bis gar nicht vorhandenen Alternativen an blanker Ironie oder gar Scheinheiligkeit, insbesondere wenn man sieht, woraus zum Beispiel Windkraftanlagen und Solarpanele bestehen und wo und wie die Grundstoffe bergmännisch gewonnen werden. Selbst wenn man in Deutschland gar nicht mehr fracen dürfte, werden wir mehr und mehr Gas importieren müssen, das auch garantiert aus gefracten Formationen stammt. Unter welchen Umständen das im Ausland produziert wird liegt dann nicht mehr in unserer Hand.

Wie sagte vor Jahren einmal ein junger Mann vom WWF zu mir? „Du musst uns aber auch mal verstehen.“ Ich entgegnete nur: „Ihr tut es ja bei mir auch nicht.“ Und fühlte mich irgendwie im Recht.

45 Jahre Erdgasförderung in der Altmark

Im äußersten Nordwesten des heutigen Sachsen-Anhalt befindet sich die westliche Altmark. Diese Region ist infolge der vorletzten Eiszeit sowie der darauffolgenden erdgeschichtlichen Ereignisse geprägt von Endmoränen, die heute als bewaldete Hügelketten erhalten sind. Dazwischen  flachen, ackerbaulig genutzten Grundmoränenplatten sowie holozän, also nacheiszeitlich entstandenen Auen kleiner Flüsse. Doch vor über 45 Jahren kamen Erdgassucher in die idyllische Region.

Erdgasfördersonde "Peckensen 4" Fundbohrung des Lagerstättenkomplexes Altmark chef79

Erdgasfördersonde “Peckensen 4″ Fundbohrung des Lagerstättenkomplexes Altmark (März 2012) ©chef79

Bereits in den 1950er Jahren waren im äußersten Westen der Altmark, in der Nähe der Grenze zur BRD, Bohrmannschaften intensiv mit der Erdölsuche beschäftigt. Der Hauptbetrieb der Erdöl-Erdgasindustrie, der VEB Erdöl-Erdgas Gommern, unterhielt in dem kleinen Dorf Kleistau sogar einen Stützpunkt. Schließlich wurden unweit der Grenze auf niedersächsischem Grund in den 1950er Jahren mehrere Erdöllagerstätten (Lüben, Knesebeck, Vorhop, Hankensbüttel) aufgeschlossen. Auf dem Gebiet der DDR blieb den Erdölsuchern dieser Erfolg versagt, da sich der Gifhorner Trog, an den die Erdöllagerstätten geknüpft sind, nicht bis auf das Gebiet der DDR erstreckt. Der vor wenigen Wochen verstorbene Erdölveteran Siegfried Titus dazu (Quelle Volksstimme vom 30.10.2011):

“Neidvoll schauten wir nach Westen. In Niedersachsen sprudelte das Erdöl. Wir fanden in bis zu 1500 Metern Tiefe nur Pampe. Die im Westen haben gepumpt und wir haben dumm guckt. “

In den späten 60er Jahren kehrten die Erkundungsmannschaften in die Altmark zurück. Auf Ratschlag sowjetischer Experten sollten nun tiefere Formationen erkundet werden. Dazu zählt z.B. das sedimentäre “Rotliegend”, in dem 1959 in den Niederlanden die riesige Erdgaslagerstätte “Groningen” entdeckt wurde. Auch im sich der Altmark nördlich anschließenden Wendland wurde man im Jahr 1966 mit der Bohrung “Wustrow Z1″ fündig.

Erdgasförderbohrung "Püggen 113" in der Altmark ©chef79

Erdgasförderbohrung “Püggen 113″ in der Altmark. Im Hintergrund links Ablenkung der Bohrung “Püggen 1″ (Mai 2013) ©chef79

Am 4. Juli 1967 begannen schließlich die Bohrarbeiten auf der Aufschlussbohrung “Peckensen 4″ unweit des Dorfes Wistedt. Die Bohrarbeiten wurden laut eines Artikels der “Altmarkzeitung” vom VEB Erdöl-Erdgas Mittenwalde, Betriebsteil Stendal, durchgeführt. Im Dezember 1968 wurde dann die Endteufe von 3.547 Metern erreicht. Als letzter Bohrtag wird der 22. Februar 1969 genannt. Man wurde fündig! Der Lagerstättendruck betrug 400 bar und die Sonde erbrachte laut Titus eine beachtliche Rate von 600.000 Kubikmetern pro Tag. Am 17. August 1969 wurde schließlich die Förderung in industriellem Maßstab aufgenommen (Quelle). Zuvor war in 8-monatiger Bauzeit eine Ferngasleitung von der Bohrung zum Betrieb SKET Magdeburg verlegt worden (Bubke 2010).

Das durch die Bohrung angetroffene Erdgas ist gekennzeichnet durch seinen relativ geringen Anteil von Methan, der 36,06 Prozent beträgt. Den Hauptanteil macht stattdessen nicht brennbarer Stickstoff aus. Sein Anteil beträgt 63,33 Prozent (Bubke 2010). In anderen Lagerstättenteilen, die in der Folge entdeckt wurden, liegt der Methangehalt sogar noch teilweise deutlich darunter (Teilglied Winkelstedt z.B. 5 bis 23 Prozent).

Dennoch war die Entdeckung der Lagerstätte für die an Rohstoffen arme DDR bedeutend. Dementsprechend wurde die Produktion zügig ausgebaut. Bereits fünf Jahre nach Förderbeginn wurden 6,75 Milliarden Kubikmeter produziert. Dazu wurden 75 Bohrungen zwischen 1969 und 1974  abgeteuft. In den folgenden acht Jahren wurden weitere 74 Bohrungen niedergebracht (Bubke 2010). Die Erdgasförderung konnte dadurch auf 9 Milliarden Kubikmeter im Jahr ausgebaut werden.

Aufgrund limitierter Importe aus der UdSSR wurde die Förderung Mitte der 1980er Jahre auf über 12 Milliarden Kubikmeter auf Anweisung der DDR-Regierung hochgefahren. Siegfried Titus dazu:

” Das war eine eindeutige physikalische Überbelastung der Lagerstätte “

Um diese Rate zu erreichen und für wenige Jahre (1985 bis 1987) aufrecht zu erhalten, waren 20 bis 35 Produktionsbohrungen pro Jahr notwendig. Die Konsequenz war, dass sich die Lagerstätte erschöpfte und Teilbereiche verwässerten (Bubke 2010). Dementsprechend halbierte sich die geförderte Menge bis 1990 auf ca. 6,5 Milliarden Kubikmeter (Quelle: “Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 1992″).

Workoverarbeiten auf der Erdgasbohrung "SW 85" im August 2013. ©chef79

Workoverarbeiten auf der Erdgasbohrung “SW 85″ im August 2013. ©chef79

Im Zusammenhang mit der zu sehr intensivierten Erdgasgewinnung zu DDR-Zeiten sollte nicht unerwähnt bleiben, dass wenig Rücksicht auf die Umwelt sowie Mitarbeiter des Förderbetriebes genommen wurde. Denn problematisch war, dass das Erdgas recht hohe Quecksilberanteile enthält. Bubke (2010) nennt durchschnittliche Werte von 2 mg/m³ Erdgas. Durch mangelhaften Arbeitsschutz sowie fehlende technische Anlagen wurden Mitarbeiter kontaminiert und hunderte in der Folge unheilbar krank. Dieser Sachverhalt, der auf die unzureichenden Vorkehrungen zu DDR-Zeiten zurückzuführen ist, wird in einer Studie von Herrmann Bubke (2010) diskutiert. Ungerechtfertigter Weise wird gegenwärtig diese Studie, die die Zustände zu DDR-Zeiten missbilligt, von Erdgasförderungsgegnern missbraucht, um gegen die heutige Erdgasgewinnung in Deutschland Stimmung zu machen.

Auch heute wird noch Erdgas in der Altmark gefördert. Betreiber der Lagerstätte ist seit 1994 die GDF-Suez E&P GmbH mit Sitz im emsländischen Lingen. Laut Jahresbericht wurden 2013 noch 434,1 Millionen m³ Erdgas aus 143 Bohrungen gewonnen. Insgesamt sind bis Ende 2013 knapp 210 Milliarden m³ Erdgas aus den altmärkischen Lagerstätten gewonnen. Damit ist der dortige Lagerstättenkomplex der mit Abstand bedeutendste in Deutschland.

Noch heute profitiert die Region von der Erdgasförderung. So haben zwei renommierte Serviceunternehmen der Erdöl-Erdgas-Industrie bzw. der Tiefbohrtechnik ihr Domizil in Salzwedel. Es handelt sich um die Erdöl-Erdgas Workover GmbH sowie die Fangmann Group.

Ob das 50. Jubiläum der altmärkischen Erdgasförderung

noch erreicht wird, bleibt abzuwarten. Immer noch stattfindende Workoverarbeiten produktiver Erdgasbohrungen sowie Wiederinbetriebnahme jahrelang inaktiver Bohrungen sprechen dafür.

Fotos: ©chef79

Sofern nicht anders gekennzeichnet, sind die Ausführungen auf  persönliche Gespräche zurückzuführen.

DIHK fordert sachliche “Fracking”-Debatte

Hydraulic Fracturing, heutzutage als “Fracking” allgemein bekannt, ist eine vor 65 Jahren patentierte Methode, um durch Druckübertragung mittels einer Flüssigkeit (Hydraulik) künstliche Risse (engl. fractures) im Gestein zu erzeugen. Dadurch wird die Durchlässigkeit des Gesteins erhöht, so dass Erdöl, Erdgas oder Wasser besser durch die Formation strömen kann.

Bisher letzte in Deutschland gefracte Erdgasbohrung "Buchhorst T12"

Bisher letzte in Deutschland gefracte Erdgasbohrung “Buchhorst T12″ ©chef79

Doch “Fracking” ist seit dem Erscheinen des dem Mockumentary-Genre zuzuordnenden Filmes “Gasland” im Jahr 2010, ein Reizwort. Besser gesagt mit dem Erscheinen des Films. Denn obwohl Hydraulic Fracturing bis dahin in Deutschland in Erdgaslagerstätten bereits seit fast 50 Jahren eingesetzt wurde, war der Begriff “Fracking” in der Fachwelt unbekannt und es war auch relativ unbekannt, dass das Verfahren in Deutschland überhaupt angewendet wird, obwohl zumindest die unmittelbaren Anwohner darüber informiert worden sind, wie z.B. dieser Presseartikel vom 13.12.2007 belegt.

Doch aufgeschreckt durch “Gasland”, dessen Macher in einem Interview längst eingestand, die Zuschauer getäuscht zu haben, und TV-Reportagen, die unkritisch das Dargestellte verbreiteten, erfuhr eine breite Öffentlichkeit von dem Verfahren und der angeblichen zwangsläufigen Umweltbeeinträchtigung. Diese Darstellung der Beeinträchtigungen fiel insbesondere in Deutschland auf fruchtbaren Boden und wurde unkritisch für bare Münze genommen. Schnell verlagerte sich die Debatte auf die emotionale Ebene und sachorientierte Argumente wurden und werden von der breiten Öffentlichkeit weitestgehend ignoriert.  Insbesondere den öffentlich-rechtlichen Medien kann, von Ausnahmen abgesehen, eine bewusste Ignoranz vorgeworfen werden.

Anders verhält es sich beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Dieser veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Stellungnahme zur Thematik Hydraulic Fracturing allgemein und zur Schiefergasförderung, in den Medien häufig fälschlicherweise mit “Fracking” synonymisiert, im Speziellen. Während sich durch die Medien fast ausschließlich auf die zwei Auftragssstudien des Umweltbundesamtes (UBA) bzw. deren Interpretationen des Auftraggebers UBA beziehen, beruft sich der DIHK lobenswerter Weise zudem auf Aussagen der für Fragen für Geowissenschaften und Rohstoffe zuständigen Fachbehörde, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Anders als die meisten Medien, die in Bezug auf die Ressourcenabschätzung der BGR hinsichtlich des Schiefergaspotenzials behaupten, diese würden nur für ca. 10-15 Jahre reichen (es wird der inländische Verbrauch von 90 Mrd. m³/a den Ressourcen von 1.300 Mrd. m³ gegenübergestellt), betrachtet der DIHK das sachorientiert:

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schätzt das Erdgaspotenzial in diesen Lagerstätten auf 1.300 Milliarden Kubikmeter. Würde dieses Potenzial vollständig genutzt, könnten wir unseren Eigenversorgungsanteil für weitere 130 Jahre aufrechterhalten.

Bezogen ist die Zahl von 130 Jahren auf den gegenwärtigen Eigenversorgungsanteil von 10 Prozent. Aber selbst bei 20 Prozent Eigenversorgung, wie noch vor 10 Jahren, wären dies immernoch 65 Jahre. Zum Vergleich: Seit Beginn der Erdgasgewinnung im eigenen Land im großen Stil vor 45 Jahren wurden bisher ca 1.000 Mrd. m³ Erdgas zutage gefördert. Weniger als das gemittelte geschätzte Potenzial von 1.300 Mrd. m³ unter der vorsichtigen Annahme von einer 10-prozentigen Gewinnbarkeit des vorhandenen Gasinhalts der potenziellen Speichergesteine.

Der DIHK führt weiter aus, dass das Potenzial nicht etwa aufgrund von technischen Hemmnissen derzeit nicht als förderbar angesehen wird, sondern aufgrund der durch “Gasland” und Medien erhitzten Gemüter. Trotz dessen:

Gern wird in der Diskussion ausgeblendet, dass Fracking in Deutschland bei konventionellen Lagerstätten hundertfach angewendet worden ist, ohne dass Probleme oder gar eine Gefährdung von Mensch und Umwelt entstanden wären.

 Das ist keine Erfindung des DIHK, sondern wird sogar vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium, geleitet durch den bekennenden “Fracking”-Gegner Robert Habeck (B’90/Grüne) bestätigt:

4. Gab es in der Vergangenheit Fracking-Maßnahmen in Schleswig-Holstein ?

Ja, es gab mehrere Bohrungen mit dem Einsatz der Fracking-Methode. Diese Bohrungen fanden zwischen 1955 und 1994 überwiegend im Kreis Plön statt. Es gibt keine Hinweise, dass die Maßnahmen in dem betroffenen Gebiet zu schädlichen Umweltauswirkungen geführt haben.

Im weiteren Verlauf der Stellungnahme geht der DIHK auf das vom UBA dank Fehlinterpretation der hauseigenen Auftragsstudie geforderte Verbot der Anwendung des Verfahrens in Schiefergas- sowie Kohleflözgaslagerstätten ein. Der Abschnitt wird erfreulicherweise mit einem Konter in Form eines Zitates des BGR-Präsidenten Kümpel abgeschlossen:

„Die Ängste sind größtenteils unbegründet.“

Zudem wären pauschale Aussagen zu angeblichen Risiken der Standardtechnologie nicht sachgerecht und pauschale Verbote gingen an der Sache vorbei. Insbesondere auf die unterstellte Grundwassergefährdung wird eingegangen und sich dabei auf die Ansicht des geologischen Statsdienstes BGR bezogen:

Kann das Risiko einer Verunreinigung von Grundwasser durch ein unkontrolliertes Ausbreiten des Frackwassers in tiefen Gesteinsschichten ausgeschlossen werden? Die BGR sagt: Ja, in vielen Regionen vor allem im Norden Deutschlands können wir das ausschließen.

Abschließend stellt der DIHK heraus, dass es ihm nicht ausschließlich um den Erhalt von 10.000 Arbeitsplätzen geht. Es ist auch nicht so, dass der Export deutscher Bergbautechnologie im Fokus steht. Dem DIHK geht vor allem um eines:

Es geht vor allem um eine grundsätzliche Technologieoffenheit im Interesse der wirtschaftlichen Weiterentwicklung unseres Landes. Gleichzeitig darf kein Zweifel daran gelassen werden, dass wichtige Belange, wie die Reinheit des Trinkwassers, Beachtung finden müssen. Eine pauschale Ablehnung von Fracking erscheint aber fehl am Platz. Es bedarf vielmehr eines genauen Hinschauens mit viel Sachlichkeit.

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass das Risiko der angeblichen Trinkwasserkontamination nach Ansicht des Verfassers zu sehr in den Mittelpunkt gerückt wird.

Schade, dass sich ansonsten kaum eine Institution, insbesondere die Politik, auf sachlicher Ebene mit dem Thema befasst.

GDF-Suez erhält Aufsuchungserlaubnis in der südwestlichen Altmark

Normalerweise ist es auf diesem Blog im Gegensatz zu den Gegnern inländischer Erdgasförderung nicht der Rede wert, wenn einem Unternehmen die bergrechtliche Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen (Erdöl/Erdgas) erteilt wird. Doch jede Regel hat auch ihre Ausnahmen. Und das in diesem Fall aus guten Gründen, die im Folgenden erläutert werden.

Erdgasförderbohrung Wenze 4 April 2013 chef79

Erdgasförderbohrung “Wenze 4″, April 2013 ©chef79

Vor wenigen Tagen, am 16.07.2014 berichtete Volksstimme.de über die Erteilung der Erlaubnis und betitelte den Artikel mit:

Riesiges Erdgasfeld unter Altmarkkreis Salzwedel

Als im Kreis Salzwedel Geborener und Aufgewachsener ergab sich sofort die Frage, was denn neu oder berichtenswert an dieser Tatsache sei. Schließlich ist seit 1969 bekannt, dass sich in der westlichen Altmark die zweitgrößte mittel- und westeuropäische  Erdgaslagerstätte befindet.

Doch schon die ersten Zeilen des Artikels sorgten für Klarheit! Thema des Artikels war nicht etwa der seit fast 45 Jahren in Förderung stehende Lagerstättenkomplex “Altmark”, sondern die Erteilung einer Aufsuchungserlaubnis für Kohlenwasserstoffe an das in der Altmark seit 20 Jahren tätige Unternehmen GDF SUEZ E&P Deutschland GmbH (GDF-Suez). Die Volksstimme schreibt dazu:

Ein riesiges Erdgasfeld könnte im Altmarkkreis Salzwedel ausgebeutet werden.

Und darum sind wir bereits beim ersten guten Grund, warum sich hier mit diesem Artikel befasst wird. Bereits bevor überhaupt eine Maßnahme durchgeführt wurde, die auch nur ansatzweise beurteilen könnte, ob überhaupt Erdgas im Untergrund in bauwürdiger Menge vorhanden sein könnte, wird anhand der Fläche der Aufsuchungserlaubnis (328 Quadratkilometer) spekuliert, dass ein “riesiges Erdgasfeld” vorhanden sein könnte. Das ist hochgradig unseriös!

Die Fläche von Aufsuchungserlaubnissen wird regelmäßig großräumig mit grober Begrenzung abgesteckt, um möglichst die potenziell kohlenwasserstoffführenden Strukturen komplett zu überdecken, aber auch um die an der Oberfläche anzutreffenden Gegebenheiten in die Betrachtung zu integrieren und zu bewerten. Das dient z.B. dazu, potenzielle Nutzungskonflikte zwischen der Kohlenwasserstoffgewinnung und den natur-, landschafts- sowie siedlungsräumlichen Gegebenheiten zu ermitteln und diese potenziellen Konflikte dann im Falle einer Erschließung und Gewinnung zu minimieren.

Festzuhalten ist, dass Aufsuchungserlaubnisse niemals spätere Förderbewilligungsgebiete 1:1 überdecken sondern regelmäßig größer als die Bewilligungsfelder ausfallen oder sogar ohne jegliche technische Maßnahme wegen Aussichtslosigkeit auf (wirtschaftlichen) Erfolg zurückgegeben werden. Beispiele dafür gibt es zur genüge, auch wenn das Bürgerinitiativen, Politiker und eben auch viele Medien nicht begreifen. Diese setzen oft Aufsuchungserlaubnis-Gebiete mit Aufschluss und Förderung gleich und führen damit bewusst oder unbewusst das Wort AufSUCHung ad absurdum!

Erdgasförderbohrung Wenze 1 im April 2013 chef79

Erdgasförderbohrung “Wenze 1″ im April 2013 ©chef79

Dass in der Region Potenzial für Erdgaslagerstätten vorhanden ist, beweist die Lagerstätte “Wenze”, die von der erteilten Erlaubnis umschlossen wird.  Diese nimmt im Lagerstättenkomplex “Altmark” eine Sonderrolle ein.  Dazu ein kleiner Exkurs:

Die Lagerstätte südlich der einstigen Kreisstadt Klötze wurde bereits 1971 entdeckt. Anders als die übrigen Teilglieder des Lagerstättenkomplexes befindet sich die Lagerstätte in vergleichsweise geringer Teufe von 1120 – 1300 m. Das ist damit zu erklären, dass das Rotliegend nach Süden ansteigt und im Flechtinger Höhenzug sogar zu Tage tritt. Im Gegensatz zu den anderen Lagerstättenteilen ist das Vorkommen nicht an poröse Silt- und Sandsteine, sondern an Klüfte des sedimentären sowie des effusiven (vulkanitischen) Rotliegend gebunden. Der Methangehalt liegt bei lediglich 30 % und somit im Durchschnitssbereich des Lagerstättenkomplexes (Quelle: REGIONALE GEOLOGIE VON OSTDEUTSCHLAND).

Weiterhin fraglich ist, warum die Volksstimme über ein “riesiges” Vorkommen spekuliert. Das lässt sich aus den vorhandenen Daten der Lagerstätte “Wenze” nicht ableiten. Diese ist mit drei in Förderung überführte Bohrungen erschlossen worden. Namentlich handelt es sich um “Wenze 1″, “Wenze 4″ sowie “Dannefeld 1″. Bereits 1992 wurde die Lagerstätte außer Betrieb genommen (Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 1992, NLfB). Bis dahin wurden knapp 181 Millionen m³ gefördert. Im Jahr 1997 kamen noch einmal 1,171 Millionen m³ hinzu (Quelle: Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 1997).

Doch im Jahr 2002 wurden die Bohrungen “Wenze 1″ und “Dannefeld 1″ reaktiviert und lieferten für eine seit fast 10 Jahren stillgelegte Lagerstätte mit insgesamt geringer Kapazität erstaunliche 23,4 Millionen m³ und somit innerhalb eines Jahres mehr als 1/10 der über viele Jahre hinweg erbrachten Leistung (Quelle: Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2002). Im Jahr 2009 wurde schließlich noch die “Wenze 4″ reaktiviert. Aufgrund einer tlw. nicht nachvollziehbaren Zusammenlegung des LBEG von Lagerstättenteilen lässt sich seit 2002 nicht mehr nachvollziehen, wieviel Erdgas der Lagerstätte “Wenze” entnommen wird.

Insgesamt wurden also bisher zwischen 200 Millionen m³ und 300 Millionen m³ Erdgas aus der Lagerstätte “Wenze” gewonnen. Damit handelt es sich um ein vergleichsweise kleines Erdgasvorkommen. Deshalb ist es schon verwunderlich, wie die Volksstimme dazu kommt, über ein “riesiges Erdgasfeld” im Umfeld der Lagerstätte zu spekulieren. Wenn überhaupt, dann muss von kleinen Lagerstätten ausgegangen werden. Denn schließlich wären aufgrund der intensiven Explorationsarbeiten zu DDR-Zeiten größere, gar riesige Lagerstätten längst entdeckt worden.

Was im Artikel natürlich nicht fehlen darf, ist das Reizwort “Fracking”!

Inwieweit die umstrittene Fracking-Technologie bei der Erdgasgewinnung zum Einsatz kommen könnte, könne das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, [...]

Das ist logisch! Denn bevor die potenzielle Lagerstätte aufgeschlossen worden ist, lässt sich nicht beurteilen, ob die Standardmethode des Hydraulic Fracturing (“Fracking”) eingesetzt werden muss oder nicht. Falls im Erlaubnisfeld “Kunrau” jemals tatsächlich Erdgas nachgewiesen werden sollte, ist die Anwendung des Fracverfahrens wahrscheinlich unumgänglich. Schließlich konnten nach Aussage des sich im Ruhestand befindenden Fracingenieurs Holger Markert die Wenzer Bohrungen nur nach Durchführung von Fracarbeiten in Produktion gesetzt werden. Selbstverstänflich ohne Auswirkungen auf das Grundwasser trotz der vergleichsweise geringen Teufe von 1.100 bis 1.300 Metern. In diesem Teufenbereich will die derzeitige Bundesregierung übrigens ohne fundierte Begründung Fracarbeiten verbieten!

Zusammenfassend bleibt also festzustellen, dass GDF-Suez im Umfeld einer bekannten Erdgaslagerstätte nach weiteren Erdgasvorkommen suchen will. Vor dem Hintergrund, dass die bekannte Lagerstätte auch für deutsche Verhältnisse vergleichsweise klein ist, ist die kritische Frage erlaubt, wie die Volkssstimme dazu kommt von einem “riesigen” Erdgasvorkommen zu spekulieren.

LBEG gibt Quecksilbermesswerte bekannt – NDR stellt Ergebnisse teilweise falsch dar

Ende Mai 2014 hatte der Naturschutzbund Deutschland e.V (NABU) im Erdgasfeld “Söhlingen” Bodenproben entnommen, um diese auf Quecksilberbelastungen zu untersuchen (siehe verlinkten Artikel). In einem Graben sowie in einem Ackerrandstreifen wurden in zwei Proben Werte ermittelt, die knapp unter sowie wenig über den Maßnahmewerten von Ackerland lagen. Sämtliche Prüfwerte nach Bodenschutzverordnung wurden jedoch erheblich unterschritten.

Erdgasfördersonde Söhlingen-Ost Z4 chef79

Erdgasfördersonde Söhlingen-Ost Z4 ©chef79

Aufgrund dieser Ergebnisse führten sowohl der Betreiber des Feldes, die ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) sowie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eigene Untersuchungen durch. In Proben der EMPG, die aus dem Sediment eines Grabens stammen, deran den Betriebsplatz “Söhlingen-Ost Z1″ grenzt, wurden teilweise hohe Quecksilberwerte festgestellt (LINK). Da auf dem Betriebsplatz ausgemusterte Anlagenteile gereinigt werden konnte nicht ausgeschlossen werden, dass durch diese Arbeiten das Quecksilber in den Graben gelangt ist. Deshalb wurde die Reinigung eingestellt und das Einleiten von Oberflächenwasser erheblich reduziert (LINK). Aufgrund dieser Messergebnisse hatte das LBEG kurz darauf Wasserproben sowie weitere Bodenproben entnommen (LINK).

Nun hat das LBEG die Ergebnisse der Beprobungen am Standort “Söhlingen-Ost Z1″ sowie weiterer am Betriebsplatz “Söhlingen Z6/Z11″ bekannt gegeben. Dazu ist zunächst anzumerken, dass auf dem Gelände der aufgegebenen und verfüllten Erdgasförderbohrung “Söhlingen Z6″ ebenfalls ausgemusterte Anlagenteile vor der Entsorgung gereinigt werden.

In den drei Bodenproben, die vom LBEG südlich des Betriebsplatzes “Söhlingen-Ost Z1″ genommen worden sind, wurden keine bedenklichen Quecksilberwerte festgestellt, wie die Bergbehörde schreibt:

Bei der Untersuchung der Proben wurden Quecksilbergehalte von 0,38 bis 0,52 mg/kg festgestellt. Diese Werte liegen zwar oberhalb des natürlichen Vorkommens von Quecksilber im Boden, jedoch unterhalb der einschlägigen Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Das bedeutet, dass bislang noch keine Gefahren für Mensch und Umwelt festgestellt wurden.

Allerdings sind nach Ansicht des LBEG weitere Untersuchungen notwendig, um abschließend zu klären, ob eine Gefahrensituation vorliegt.

Anders stellt sich die Situation im Umfeld des Platzes  “Söhlingen Z6/Z11″ dar. Hier wurden insgesamt 14 Proben entnommen. Während in zwölf Proben 0,09 bis 2,4 mg Quecksilber je kg Boden festgestellt wurden und somit sämtliche Prüfwerte ebenfalls erheblich unterschritten wurden, wurden in den beiden weiteren Proben 40 mg/kg sowie 120 mg/kg festgestellt:

Zwölf dieser Proben unterschreiten mit 0,09 bis 2,4 mg/kg Quecksilber den empfindlichsten Prüfwert (Nutzung als Kinderspielfläche: 10 mg/kg) der BBodSchV. Zwei Bodenproben liegen mit 40 bzw. 120 mg/kg Quecksilber deutlich über diesem Prüfwert. Auch hier sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Die letztgenannten Werte können durchaus für bedenklich angesehen werden, insbesondere der von 120 mg/kg. Denn dieser übertrifft sogar den Prüfwert für Gewerbe- und Industrieflächen. Insgesamt haben die Ergebnisse aber bislang erwiesen, dass eine großflächige Quecksilberkontamination, die Natur und Mensch gefährdet, nicht vorliegt.

Erdgasförderbohrung Söhlingen-Ost Z2 chef79

Erdgasförderbohrung Söhlingen-Ost Z2 ©chef79

Was die wahrscheinliche Ursache für die in einzelnen Proben sehr hohen Werte ist, wird vom EMPG-Chemiker Dr. Kassner in einem Beitrag des Nordwest-Radio (NDR und Radio Bremen) erläutert. Dr. Kassner ist der Ansicht, dass bei den Reinigungsarbeiten der ausgemusterten Anlagenteile quecksilberhaltige Spritzer in die unmittelbare Umgebung der Plätze gelangt sind. Das ist insofern plausibel, als dass die teils sehr hohen Werte in Gräben, die unmittelbar an die Reinigungsplätze grenzen, festgestellt worden sind. Selbst der NABU konnte im weiteren Umfeld keine Vorsorge-, Maßnahme- oder gar Prüfwerte überschreitenden Werte feststellen.

Auf den Radiobeitrag, in dem knapp 45 Minuten über die Quecksilberwerte (ausgeklammert die aktuellen vom LBEG) diskutiert wird, soll nicht weiter eingegangen werden. Es soll an dieser Stelle nur auf das Verhalten des Bürgerinitiativlers und Diskussionsteilnehmers sowie Wasserbauingenieurs  Bernd Ebeling hingewiesen werden, der nicht nur die Aussagen von Dr. Kassner als falsch bezeichnet, ohne einen Gegenbeweis zu liefern, sondern diesen persönlich attackiert und ihn am liebsten ins Bohrloch stecken würde. Dieses Verhalten ist symptomatisch für die Gegnerschaft inländischer Erdgasgewinnung, was auch an anderen Beispielen im Radio-Beitrag deutlich wird.

Näher eingegangen werden soll aber auf einen Bericht des NDR auf dessen Online-Portal. Dieser Sender fiel seit 2010 schon häufiger durch wenig sachlich-neutrale Berichterstattung bezüglich der Erdgasförderung auf, was hier auf dem Blog bereits oft Gegenstand kritischer Artikel war. Und auch im Zusammenhang mit den vom LBEG ermittelten Messergebnissen berichtet der Sender tendenziös bis falsch, in dem die Pressemitteilung des LBEG unvollständig sowie teilweise unkorrekt wiedergegeben wird.

Ob bewusst oder fahrlässig: Fakt ist, dass der NDR im Zusammenhang mit den 14 am Platz “Söhlingen Z6/Z11″ entnommenen Proben lediglich die zwei Proben mit sehr hohen Werten erwähnt und es folgendermaßen darstellt:

In der Umgebung der Stätte Söhlingen Z6/Z11 wurden 40 bis 120 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm gemessen.

Wie bereits oben erwähnt ist das der LBEG-Pressemitteilung in der Form nicht zu entnehmen. Dort hieß es:

Im Umfeld des Förderplatzes Söhlingen Z6/Z11 wurden durch das LBEG insgesamt 14 Proben im Nahbereich der Einzäunung, im Bereich von Büschen und Gräben sowie auf Grünflächen entnommen. Dabei wurden Quecksilbergehalte von 0,09 bis 120 mg/kg festgestellt.

Der NDR hat also die unbedenklichen bis wenig bedenklichen Werte, die in über 85 Prozent der Proben festgestellt worden sind, einfach nicht erwähnt. Außerdem ist zu lesen:

Der Grenzwert liegt bei 10 mg/kg.

Auch diese Darstellung ist falsch! Bei dem genannten Wert handelt es sich um den empfindlichsten Prüfwert für Quecksilberbelastungen. Und dieser gilt laut Bundesbodenschutzverordnung für Kinderspielplätze! Das Umfeld von Erdgasförderstätten in der freien Landschaft ist sicherlich nicht als Kinderspielplatz anzusehen.

Vom NDR wird weiterhin unterschlagen, dass vom LBEG außerdem die Proben auch auf Polyzyklische Kohlenwasserstoffe (PAK) und BTEX (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol) untersucht worden sind und das dabei die Gehalte unterhalb der Bestimmungsgrenzen des Labors liegen.

Vollständiger und korrekter als der NDR geben die beiden Lokalblätter “Kreiszeitung” und “Rotenburger Rundschau” die Pressemitteilung des LBEG wieder. Beide Blätter erwähnen, dass die Beprobungen hinsichtlich PAK und BTEX ohne Befund blieben und geben auch den Streubereich der Quecksilberwerte, die an der Station “Söhlingen Z6/Z11″ ermittelt worden sind, korrekt an. Das ist insofern erstaunlich, als dass eigentlich von einem öffentlich-rechtlichen Sender eher Sachlichkeit erwartet werden kann und muss als von privatrechtlichen Medien.

Deshalb bleibt nach wie vor die Frage bestehen, was den NDR antreibt, jede Möglichkeit zu nutzen, um die heimische Erdgasgewinnung mit tendenziöser bis unwahrer Berichterstattung in ein schlechtes Licht zu rücken. Aber auch der Schwestersender Radio Bremen, der ebenfalls gerne negativ über die niedersächsische Erdgasgewinnung berichtet und teilweise ungeprüft die Unterstellungen von BI übernimmt, wie z.B. den angeblichen Säureregen vom 1. April 2014, muss sich diese Frage gefallen lassen.

Auf der anderen Seite sind die Unternehmen selbstverständlich in die Pflicht zu nehmen, die bereits hohen Sicherheitsstandards weiter zu optimieren.

Fotos: ©chef79

“Gegen Gasbohren” stellt technisch bedingtes Abfackeln von Erdgas bewusst (?) falsch dar

Seit den 1950er Jahren wird in Deutschland in großem Stil nach Erdgas gesucht und dieses dann bei Fündigkeit auch gefördert. Während der Testarbeiten sowie nach Bohrlochbehandlungen wird zu Tage gebrachtes Erdgas aus sicherheits-sowie umweltrelevanten Gründen verbrannt. Dieses gängige Verfahren wird von der Gegnerschaft inländischer Erdgasgewinnung kritisiert.

Erdgasförderbohrung Söhlingen Z14 ©chef79

Erdgasförderbohrung Söhlingen Z14 ©chef79

Hintergrund ist eine aktuelle Pressemitteilung von ExxonMobil (EMPG). In dieser wird angekündigt, dass auf der Erdgasförderbohrung “Söhlingen Z14″ Arbeiten durchgeführt werden, die der “Optimierung der Förderung” dienen sollen. Solche Arbeiten sind notwendig, da bei laufender Förderung sich der Förderstrang, aber auch die Fließwege in der Lagerstätte mit mitgeförderten Partikeln zusetzen. Das behindert und im schlimmsten Fall verhindert den Zustrom von Erdgas in das Bohrloch bzw. in das Leitungssystem.

Mit solchen Pressemitteilungen, laut Bürgerinitiativen (BI) bereits 27 in diesem Jahr allein in von der EMPG betriebenen Lagerstätten, kommt man der Transparenzforderung der BI nach. Diesen fällt aber nichts besseres ein, als die  Mitteilungen zum Anlass zu nehmen, um gegen die Förderindustrie ins Feld zu ziehen. Die von den BI geforderte und durchgeführte Transparenz wird lso missbraucht! Auf der Basis dieser Meldungen wird gegenwärtig auf dem Portal der BI mit Unwahrheiten diese dem Umweltschutz sowie der Sicherheit dienende Praxis in ein schlechtes Licht gerückt.

So schreibt man:

Routinierte, weltweit alltägliche Praxis, seit Erdgas gefördert wird; eine Randerscheinung der Öl- und Gasproduktion, scheinbar notwendig, weil verbranntes Methan die Atmosphäre weniger belastet als unverbranntes.

Dabei geht es kaum um die Belastung der Atmosphäre mit Methan, sondern vor allem um sicherheitsrelevante Aspekte. Bereits mit einem Anteil von 4,4 Volumenprozent bildet Methan mit Luft ein explosives Gemisch. Hinzu kommen sicherlich auch Umweltaspekte. In vielen Lagerstätten werden höhere Kohlenwasserstoffe mitgefördert, u.a. auch zyklische Aromate wie Benzol, die tlw. giftig sind. Diese werden schadstoffrei zu Kohlendioxid und Wasser verbrannt, wie man es bei entsprechender Allgemeinbildung wissen sollte.

Angeblich sei diese Praxis kaum offen kritisiert worden, wird auf dem Portal behauptet. Erst ein angeblicher Vorfall soll zur Kritik geführt haben. So ist zu lesen:

Und eine Praxis, die kaum je offen kritisiert wurde, bis am 25. März etwas passierte. Anwohner hatten einen “chemischen” Geruch bemerkt und fanden an der Förderstelle Söhlingen Z5 eine brennende Fackel.

Dabei ist in der Textpassage ein Link gesetzt, aus dem hervorgeht, dass bei der Förderbohrung “Söhlingen Z5″ erst am 1. April Erdgas abgefackelt wurde. Das wird auch in anderen Nachrichten bestätigt, wie z.B. bei der “Rotenburger Rundschau”.

Seltsam ist dabei außerdem, dass erst nach 30 Jahren der Förderung von Erdgas in der Region ein “chemischer Geruch” bei Fackeltätigkeiten bemerkt wurde und das zudem von einem “Anwohner” und Initiator einer BI aus dem mehrere Kilometer entfernten Wittorf. Ein Schwabe würde jetzt sagen, dass das ein “Geschmäckle” hat. Aber es geht noch weiter:

Als sie sich dort in der Nähe aufhielten und filmten, sei eine Art Säureregen auf sie niedergegangen: Atemnot, Husten, Übelkeit, Hautreizungen sind die Symptome, die sie beschrieben. Die so Verletzten gingen an die Presse und erstatteten Anzeige. Der Fall fand internationalen Widerhall, die Staatsanwaltschaft ermittelt und die Kritik am Abfackeln wächst.

Diversen Medienberichten zu Folge handelte es sich bei den angeblichen “Anwohnern” um Mitglieder verschiedener BI, die gegen die Erdgasförderung vor ihrer Haustür aus verschiedenen Gründen zu Felde ziehen. Einer der “Anwohner”, Herr Andreas Rathjens, wohnt im 25 Kilometer entfernten Groß Meckelsen. Herr Rathjens war in einem Bericht von “Buten und Binnen” (Radio Bremen) zu sehen und widersprach mit seinen Äußerungen der These eines “Säureregens”. Andere “Anwohner” kamen aus dem von der Bohrung 7 Kilometer entfernten Wittorf oder aus dem 2,5 Kilometer und gegen die Windrichtung am 1. April gelegenen Söhlingen. Zum Arzt sind die angeblich Verletzten den Medienberichten zu Folge nicht gegangen und haben auch nicht die Feuerwehr oder Polizei gerufen.

Interessant ist, dass der “Säureregen” als Fakt dargestellt wird, obwohl noch auf Basis der teils widersprüchlichen Zeugenaussagen noch ermittelt wird und erste Untersuchungen staatlich vereidigter Sachverständiger (laut eines Artikels der den BI wohlgesonnenen “Kreiszeitung”) keinen Nachweis von ausgetretener Säure oder anderen Schadstoffen erbringen konnten.

Aufgrund der Transparenzforderungen entgegenkommenden Ankündigung sah sich ein Vertreter einer BI dazu genötigt, an ExxonMobil ein Schreiben zu verfassen. Hierbei handelt es sich mitnichten um einen Anwohner (die Söhlingen Z14 befindet sich weit ab jeglicher Wohnbebauung), sondern um einene sendungsbedürftigen Menschen (Doktor der Philosophie) aus dem 25 Kilometer von der Bohrung entfernten Buchholz. Er schreibt:

Glauben Sie im Ernst, es würde immer so weitergehen mit dem devot-verlogenen Spruch “Wir bitten die Bevölkerung um Verständnis” – für eine technisch unnötige, einzig kostensparende und umweltverschmutzende Technologie von vorgestern? Wir haben kein Verständnis dafür, dass nicht einmal die mindesten Vorkehrungen getroffen werden, das Methan aufzufangen und in einem integrierten System zu entsorgen oder sonstwie zu nutzen.

Erdgasförderanlage Sagermeer Z11südlich von Oldenburg chef79

Sauergasbohrung mit aktiver Fackel “Sagermeer Z11″ südlich von Oldenburg ©chef79

Interessant ist die Formulierung ” Technologie von vorgestern”. Leider verrät uns der Verfasser nicht, was denn die Technologie von gestern oder gar von heute wäre. Offenbar weiß Herr Engelmann auch nicht, dass die Fackelanlagen den knallharten Gesetzen des Bundesimmissionsschutzgesetzes sowie weiteren Vorschriften wie der “TA-Luft” genügen müssen. Zudem wäre es interessant zu erfahren, welche technischen (integralen) Vorkehrungen ihm vorschweben, die die viele tausend anfallenden Kubikmeter (Vn) Erdgas auffangen sollen. RWE-Dea hat kürzlich (15. Mai) erklärt, warum eine Verbrennung in geschlossenen Sytemen ( oder eine Einspeisung in vorhandene Leitungssysteme)  nicht funktioniert:

Da der Druck des Gases bei diesem Vorgang teilweise noch stark schwankt, kann es nicht mittels umschlossener Systeme (Special Gas Burners / Enclosed Burners) verbrannt werden.

Und was die Freisetzung von Quecksilber betrifft:

Bevor das Gas zu dieser Fackel gelangt, werden in ihm enthaltene Spuren von Quecksilber selbstverständlich in einem speziellen Adsorber vom Gasstrom abgetrennt und von dafür zertifizierten Unternehmen fachgerecht entsorgt.

Ein solcher Quecksilberadsorber ist übrigens bei den genannten Filmaufnahmen (hinter der Fackel) und auf Fotos (links unten, die orangenen fassartigen Tanks mit “Fangmann”-Logo) der BI während der Abfackelung auf der “Söhlingen Z5″ deutlich zu erkennen und führt dementsprechend ihre Behauptungen, Erdgas werde ungefiltert abgefackelt, ad absurdum.

Dementsprechend kann folgende Textpassage teilweise als glatte Lüge infolge des Leugnens von Fakten sowie der Misinterpretation von Zahlen gedeutet werden:

Im Erdgasfeld “Söhlingen Pool 2006″ sind lt WEG Jahr 2012 knapp 630 Mio. m³ gefördert worden. Die 1-Promille-Formel angewandt bedeutet das 630.000 m³ abgefackeltes Erdgas. Das Feld Söhlingen gehört zu den weltweit am höchsten quecksilberhaltigen: 700 bis 4400 µg Quecksilber enthält hier 1 m³ Rohgas. Angenommen, die komplette Menge Erdgas im Jahr 2012 ist in rohem Zustand abgefackelt worden, dann beträgt der Quecksilbereintrag in die Umwelt bis zu 2,77 Kilogramm.

Die “1-Promille-Formel ” bezieht sich auf die Verluste der Förderung durch Abfackelvorgänge. Dabei blenden die BI aus, dass bei in Förderung stehender Sauergasbohrungen permanent über die Fackeln schwefelwasserstoffhaltiges Erdgas verbrannt wird, das bei Aufbereitungsprozessen anfällt. Dementsprechend lässt sich die “1-Promille-Formel ” nicht auf Söhlingen übertragen. Die Dreistigkeit in der Aussage besteht aber darin, dass wieder einmal nicht wahrheitsgetreu unterstellt wird, dass das Erdgas ungefiltert abgefackelt wird. Leider schenken Medien und lokal/regional verwurzelte Politiker diesen Ammenmärchen der BI viel Glauben.

Neuigkeiten zur Erdöl-Erdgasgewinnung in Deutschland

Workoverarbeiten auf Bohrung Märkisch-Buchholz 2

Workoverarbeiten auf Bohrung Märkisch-Buchholz 2

GDF-Suez gab am 05.03.2014 bekannt, dass die Ende 2013 niedergebrachte Ablenkungsbohrung Vorhop 26a Erdöl produziert. Die Bohrung erschloss in 1.500 Metern Tiefe einen bisher nicht produzierenden Teil der Lagerstätte. Etwa 13 Kubikmeter Reinöl pro Tag kommen nun zu den ca. 50 Tonnen, die derzeit aus 20 Bohrungen aus der Lagerstätte gefördert werden, hinzu. Die Lagerstätte wurde bereits 1952 entdeckt und förderte seither nach Angaben des Jahresberichtes Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2012 bis Ende 2012 etwa 2,95 Millionen Tonnen Erdöl.

In vollem Gange sind derzeit die Arbeiten zur Neubewertung der Erdgas-Kondensat-Lagerstätte Märkisch-Buchholz südlich von Berlin. Die Lagerstätte wurde bereits 1986 mit drei Bohrungen erschlossen (2 fündig), aber nie in reguläre Produktion genommen. Die Lagerstätte im Staßfurt-Karbonat führt ein methanarmes, stickstoffreiches und schwach saures Erdgas. Dieses soll im Fall einer Produktionsaufnahme vor Ort verstromt werden. Derzeit wird die nichtfündige, eventuell als Versenkbohrung zu nutzende Bohrung Märkisch-Buchholz 2 einem Workover unterzogen.

Die ExxonMobil gab am 04.03.2014 bekannt, dass die Bohrarbeiten auf der Erdgasbohrung Deblinghausen Z7 abgeschlossen worden sind. Die Bohrung erreichte eine Tiefe von 3.455 Metern bei einer Ablenkweite von 950 Metern. Ziel der Bohrung ist die Erschließung der  gasführenden Dolomitgesteine des Staßfut-Karbonats. Dadurch soll die Kapazität sowie die Gesamtausbeute der Lagerstätte erhöht werden. In Kürze wird ein Fördertest durchgeführt, der Erkenntnisse über das Ergebnis der Bohrung bringen soll. Als Bohrkontraktor fungierte die ITAG aus Celle mit der Rig 27. Die Lagerstätte Deblinghausen wurde bereits 1958 entdeckt und förderte nach Angaben des Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2012 bis Ende 2012 ca. 3,63 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Unmittelbar im Anschluss an die Fertigstellung der Deblinghausen Z7 beginnt ExxonMobil mit dem Aufbau der Bohranlage für die Bohrung Goldenstedt Z34 südöstlich der Ortschaft Langförden. Das gab das Unternehmen am 05.03.2014 bekannt. Diese soll im zentralen Bereich der Lagerstätte auf einen strukturtiefen Teil des gasführenden Staßfurt-Karbonats angesetzt werden, um die Förderleistung der Lagerstätte Goldenstedt-Visbek zu steigern. Die Bohrung soll zunächst 3.200 Meter senkrecht geführt werden . Anschließend wird die Bohrung bis zur Endteufe von ca. 4.000 Metern in nordwestliche Richtung abgelenkt. Bohrkontraktor ist ebenfalss die ITAG mit der Rig 27. Goldenstedt-Visbek wurde bereits 1959 entdeckt und produzierte nach Angaben des Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2012 bis Ende 2012 fast 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Am 03.03.2014 führte RWE-Dea sogenannte VSP-Messungen im Bereich der Lagerstätte Völkersen durch, um den Aufbau der Lagerstätte genauer zu analysieren. Mehr Informationen zu diesem interessanten Verfahren gibt es HIER.

An der Erdölbohrung Aldorf 1 im gleichnamigen Erdölfeld hat die Wintershall anlässlich des 60. Jahrestages der Aufnahme der Förderung des Betriebes Barnstorf eine Informationstafel aufgestellt. Der Bürgermeister Lübbers wird mit folgenden Worten zitiert: “Die Tafel ist sehr verständlich und informativ”. In den kommenden Monaten sollen nach Angaben der Wintershall weitere Tafeln an bedeutenden Standorten aufgestellt werden.

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