Neuigkeiten zur Erdöl-Erdgasgewinnung in Deutschland

Workoverarbeiten auf Bohrung Märkisch-Buchholz 2

Workoverarbeiten auf Bohrung Märkisch-Buchholz 2

GDF-Suez gab am 05.03.2014 bekannt, dass die Ende 2013 niedergebrachte Ablenkungsbohrung Vorhop 26a Erdöl produziert. Die Bohrung erschloss in 1.500 Metern Tiefe einen bisher nicht produzierenden Teil der Lagerstätte. Etwa 13 Kubikmeter Reinöl pro Tag kommen nun zu den ca. 50 Tonnen, die derzeit aus 20 Bohrungen aus der Lagerstätte gefördert werden, hinzu. Die Lagerstätte wurde bereits 1952 entdeckt und förderte seither nach Angaben des Jahresberichtes Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2012 bis Ende 2012 etwa 2,95 Millionen Tonnen Erdöl.

In vollem Gange sind derzeit die Arbeiten zur Neubewertung der Erdgas-Kondensat-Lagerstätte Märkisch-Buchholz südlich von Berlin. Die Lagerstätte wurde bereits 1986 mit drei Bohrungen erschlossen (2 fündig), aber nie in reguläre Produktion genommen. Die Lagerstätte im Staßfurt-Karbonat führt ein methanarmes, stickstoffreiches und schwach saures Erdgas. Dieses soll im Fall einer Produktionsaufnahme vor Ort verstromt werden. Derzeit wird die nichtfündige, eventuell als Versenkbohrung zu nutzende Bohrung Märkisch-Buchholz 2 einem Workover unterzogen.

Die ExxonMobil gab am 04.03.2014 bekannt, dass die Bohrarbeiten auf der Erdgasbohrung Deblinghausen Z7 abgeschlossen worden sind. Die Bohrung erreichte eine Tiefe von 3.455 Metern bei einer Ablenkweite von 950 Metern. Ziel der Bohrung ist die Erschließung der  gasführenden Dolomitgesteine des Staßfut-Karbonats. Dadurch soll die Kapazität sowie die Gesamtausbeute der Lagerstätte erhöht werden. In Kürze wird ein Fördertest durchgeführt, der Erkenntnisse über das Ergebnis der Bohrung bringen soll. Als Bohrkontraktor fungierte die ITAG aus Celle mit der Rig 27. Die Lagerstätte Deblinghausen wurde bereits 1958 entdeckt und förderte nach Angaben des Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2012 bis Ende 2012 ca. 3,63 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Unmittelbar im Anschluss an die Fertigstellung der Deblinghausen Z7 beginnt ExxonMobil mit dem Aufbau der Bohranlage für die Bohrung Goldenstedt Z34 südöstlich der Ortschaft Langförden. Das gab das Unternehmen am 05.03.2014 bekannt. Diese soll im zentralen Bereich der Lagerstätte auf einen strukturtiefen Teil des gasführenden Staßfurt-Karbonats angesetzt werden, um die Förderleistung der Lagerstätte Goldenstedt-Visbek zu steigern. Die Bohrung soll zunächst 3.200 Meter senkrecht geführt werden . Anschließend wird die Bohrung bis zur Endteufe von ca. 4.000 Metern in nordwestliche Richtung abgelenkt. Bohrkontraktor ist ebenfalss die ITAG mit der Rig 27. Goldenstedt-Visbek wurde bereits 1959 entdeckt und produzierte nach Angaben des Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2012 bis Ende 2012 fast 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Am 03.03.2014 führte RWE-Dea sogenannte VSP-Messungen im Bereich der Lagerstätte Völkersen durch, um den Aufbau der Lagerstätte genauer zu analysieren. Mehr Informationen zu diesem interessanten Verfahren gibt es HIER.

An der Erdölbohrung Aldorf 1 im gleichnamigen Erdölfeld hat die Wintershall anlässlich des 60. Jahrestages der Aufnahme der Förderung des Betriebes Barnstorf eine Informationstafel aufgestellt. Der Bürgermeister Lübbers wird mit folgenden Worten zitiert: “Die Tafel ist sehr verständlich und informativ”. In den kommenden Monaten sollen nach Angaben der Wintershall weitere Tafeln an bedeutenden Standorten aufgestellt werden.

Wintershall: “Niedersachsen muss eigene Interessen vertreten”

Der Chef von Wintershall Deutschland, Joachim Pünnel, macht anhand der im letzten Jahr erneut zurückgegangenen Erdgasförderung in Niedersachsen deutlich, wie wichtig die heimische und vor allem die niedersächsische Erdgasproduktion für das Bundesland ist.  95% macht demnach die niedersächsische Förderung an der gesamten inländischen Erdgasproduktion aus, die bereits das dritte Jahr in Folge rückläufig ist.

Tightgas-Bohrung Düste Z10 im Landkreis Diepholz ©chef79

Tightgas-Bohrung Düste Z10 im Landkreis Diepholz ©chef79

Pünnel betonte gegenüber Journalisten bei einem Pressegespräch im Landtag in Hannover die Bedeutung der niedersächsischen Erdgasproduktion: 95% des in Deutschland geförderten Erdgases stammen demnach Niedersachsen und bescherten dem Land 2013 Einnahmen von mehr als 600 Millionen Euro. Durch den Stopp bei Genehmigungsverfahren für hydraulische Bohrlochbehandlungen – Hydraulic Fracturing, oft nur als „Fracking“ bezeichnet, sinkt die Erdgasproduktion in Niedersachsen allerdings seit drei Jahren. 2013 wurden so zum Beispiel 10 Prozent weniger Erdgas gefördert, als im Vorjahr.

Kein Bundesland würde so stark von der Gewinnung von Bodenschätzen profitieren wie Niedersachsen, wirtschaftlich wie finanziell, unterstricht Pünnel die Bedeutung der Öl- und Gasindustrie für Niedersachsen. Er wird deutlicher und fordert ganz klar, dass nicht andere Bundesländer die Regeln für die Öl und Gasförderung für andere aufstellen sollten, wenn sie selbst nicht über entsprechende Rohstoffquellen verfügten. In erster Linie solle über die Nutzung niedersächsischer Rohstoffe in Niedersachsen selbst entschieden werden.

Niedersachsen solle auch in Berlin als das deutsche Energieland selbstbewusster auftreten. Über die Bedingungen, wie in Zukunft Bodenschätze gewonnen werden könnten, sollte vor allem in Niedersachsen selbst diskutiert werden. Dabei begrüßt Pünnel die positiven Zeichen zur heimischen Förderung des niedersächsischen Wirtschafts- und auch des Umweltministers. Die von Wenzel angestoßenen Fachgespräche zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung begrüße er, machte aber auch deutlich, dass es nach zwei Jahren wichtig sei, klare Zeitrahmen zu definieren.

In Niedersachsen müsse gezeigt werden, dass unabhängig der Schiefergas-Debatte weiterhin konventionelle Projekte mit Fracmaßnahmen behandelt werden dürften und dies unter strengen Umweltauflagen möglich sei. Hierbei verwies Pünnel darauf, dass Wintershall für ein Modellprojekt im niedersächsischen Barnstorf bereit stehe.

Bei Barnstorf hatte Wintershall 2012 mit der Bohrung “Düste Z10″ eine Gasführung der Sandsteinschichten des Oberkarbons nachgewiesen. Um die Lagerstätte wirtschaftlich produzieren zu können, bedarf es hierbei Fracmaßnahmen. Die Gemeinde Barnstorf hat hierfür ihre Zustimmung gegeben, nach dem Veto des Kreistages des Landkreises Diepholz liegt der Antrag nun beim niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel, der für die wasserrechtliche Erlaubnis seine Zustimmung nun geben muss.

“Leidet Gasbranche unter Fracking-Verbot?” fragt der NDR

Zunächst eins Vorweg: Es gibt weder in Niedersachsen noch in Deutschland ein Verbot des Hydraulic Fracturing. Lediglich werden in Niedersachsen seit über zwei Jahren keine Genehmigungen mehr erteilt, was mit der öffentlichen, oftmals insbesondere von Bürgerinitiativen emotional geführten Diskussion, zusammenhängt sowie mit einer genehmigungserschwerenden Weisung des ehemaligen niedersächsischen Wirtschaftsministers Bode (FDP). An der Gesetzeslage, nach der bis 2011 Fracmaßnahmen genehmigt wurden, hat sich hingegen nichts geändert.

Tightgas-Bohrung Düste Z10 im Landkreis Diepholz ©chef79

Tightgas-Bohrung Düste Z10 im Landkreis Diepholz ©chef79

Ursächlich für die öffentliche Debatte ist der in mehrfacher Hinsicht als unwahr enttarnte Film “Gasland” des US-amerikanischen Filmemachers Josh Fox. Dramatische Bilder, z.B. von entflammbaren Wasserhähnen, die angeblich Erdgas enthielten, das durch Fracarbeiten in Hausbrunnen gelangt sei, wurden unkritisch als wahre Ereignisse auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt.

Hinzu kamen Aufnahmen von Anwohnern, die angeblich mit im Fracfluid enthaltene Chemikalien kontaminiertes, bräunliches Wasser in die Kamera hielten. Davon beeindruckte Mitmenschen gründeten umgehend Bürgerinitiativen in münsterländischen bzw. emsländischen Ortschaften, in denen Bohrungen auf Kohleflözgas bzw. Schiefergas zu Erkundungszwecken angesetzt werden sollten bzw. bereits durchgeführt worden. Einige Bohrungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit 2008 abgeteuft worden.

Obwohl Josh Fox vor laufender Kamera eingestand, Kenntnis davon gehabt zu haben, dass die gezeigten Wasserhähne durch natürlich zugetretenes Methan entzündbar waren und in dem Örtchen Dimock, in dem die Bilder mit dem angeblich kontaminierten Wasser keine Fracchemikalien gefunden wurden, war es für eine sachlich geführte Diskussion bereits zu spät. Dazu weiter unten mehr. Zunächst noch ein Zitat aus dem Abschlussbericht der Environmental Protection Agency (EPA) zu den Brunnenuntersuchungen in Dimock:

Overall during the sampling in Dimock, EPA found hazardous substances, specifically arsenic, barium or manganese, all of which are also naturally occurring substances, in well water at five homes at levels that could present a health concern.

Arsen, Barium sowie Mangan sind keine Bestandteile von Fracfluiden!

Befeuert wurde die Diskussion in Deutschland auch durch zahlreiche Medien, insbesondere in Niedersachsen. Dort ist ungefähr zeitgleich eine  im Jahr 2007 aufgetretene und Ende 2010 in Sanierung befindliche Havarie an ein Lagerstättenwasserleitung an den NDR herangetragen worden. Dieser thematisierte in einem mit dramatischer Musik unterlegten Beitrag in der sendung “markt” die Sanierung.

Dieser hatte kurz zuvor im Rahmen des ARD-Formates “Panorama” den ExxonMobil-Sprecher Norbert Stahlhut hinsichtlich der u.a. in “Gasland” gezeigten angeblichen Eeignisse interviewt. Dieser antwortete, dass die Firma inkl. Vorgängergesellschaften seit 50 Jahren “sicher und störungsfrei” Erdgas fördere. Im bereits genannten “markt”-Beitrag wurde dann Herr Stahlhut dann der dreisten Lüge vor der Kamera bezichtigt. Nun ist aber der Transport von Lagerstättenwasser (LSW) nicht unmittelbar der Prozess Erdgasförderung selbst, so dass der NDR über das Ziel hinausgeschossen ist. Hinzu kommt, dass ExxonMobil vorgeworfen wurde, den Vorfall vertuscht zu haben. Dieser Vorwurf ist insofern unhaltbar, da im Beitrag eine Informationstafel gezeigt wurde. Ein nach Ansicht des Verfassers gezeigter Anruf der NDR-Journalistin bei einer der aufgeführten Telefonnummern erscheint fingiert. Die Sanierungsstelle ist übrigens bei GoogleEarth gut erkennbar und befindet sich unmittelbar neben einer Straße, was den Vorwurf der Vertuschung noch absurder erscheinen lässt (Koordinaten 53°02’51″ N; 9°35’38″ E). Dort bei GoogleEarth ist sogar ein Foto verlinkt, das die sanierte Stelle zeigt.

In der Folge des Vorfalles wurden weitere auf das unmittelbare Umfeld von Polyethylen-Leitungen Benzolkontaminationen an Leitungen zum Transport von LSW, untergeordnet aber auch Erdöl sowie Erdölgas festgestellt und von einigen Medien teilweise dem Hydraulic Fracturing zugeschoben, worauf sich z.B. die Bürgerinitiative “No Fracking” in Völkersen und umzu bildete. Da die dortigen Vorkommnisse nicht auf Hydraulic Fracturing zurückzuführen sind, gab sich die BI einen irreführenden Namen, was sehr wahrscheinlich auf die mediale Desinformation zurückzuführen ist.

Aber auch bei Rotenburg gründete sich eine BI mit dem seltsam anmutenden Namen “Frackingfreies Gasbohren”. Dort wurde 2010 die Bohrung “Bötersen Z11″ abgeteuft, bei der Fracmaßnahmen geplant sind. Ein erster, noch vor der Weisung von Minister Bode Antrag wurde nicht bearbeitet und nach der Weisung als nicht genehmigungsfähig zurückgewiesen. Juristisch erscheint dem Verfasser vor dem Hintergrund des Rückwirkungsverbotes dieser Vorgang als äußerst fragwürdig.

Diese BI fiel mehrfach durch unangemessenes Verhalten auf (LINK1; LINK2) und verunsichert proaktiv die umliegende Bevölkerung. Zuletzt durch Jochen Richert, der vor Eigenheimbesitzern einen Vortrag hielt, um vor den angeblichen Gefahren der LSW-Versenkung in aufnahmefähige Horizonte zu “informieren” 

Irgendwann, so Richert, erreiche, bei welcher Fließgeschwindigkeit auch immer, dass mit Gift beladene Lagerstättenwasser unterirdische Bereiche, die dann für die Gesundheit des Menschen gefährlich werden können.

Richert hat allerdings nicht erläutert, warum das Salzwasser der Formation, in die das LSW versenkt wird, bisher nicht die entsprechenden Bereiche erreicht hat. Und das über 10.000e von Jahre hinweg. Jedenfalls geht das aus dem entsprechenden Artikel bei der KreiszeitungOnline nicht hervor.

Bis hierher also zum Hintergrund der breiten Ablehnung des bewährten Hydraulic Fracturing soger über eine potenzielle Schiefergasgewinnung hinaus. Für die Ablehnung sind, wie dargestellt, nicht nur der Film “Gasland” und entsprechende Berichte darüber verantwortlich zu machen, sondern auch voreingenommene BI, sowie desinformierende und dramatisierende Beiträge u.a. auch des NDR.

Erdgasfördersonde Söhlingen-Ost Z4 chef79

Erdgasfördersonde Söhlingen-Ost Z4 ©chef79

Und nun stellt ausgerechnet dieser Sender die Frage, ob der derzeitige Bearbeitungsstopp von Anträgen für Fracmaßnahmen der Gasindustrie schade. Ein gesetzlich festgeschriebenes Moratorium existiert nicht und erst recht kein Verbot. Die Frage ist somit nicht zu beantworten. Dass unterstreicht gleich zu Beginn die mangelhafte Recherche des NDR und das Niveau verbessert sich auch nicht wirklich im Verlauf des Artikels:

Fracking ist ein Kampfbegriff. Zwar ist die Fördermethode für Gas nicht neu, doch seitdem Unternehmen damit auch Schiefergas fördern, ist das Wort negativ besetzt.

Zunächst einmal ist “Fracking” kein Kampfbegriff, sondern eine Verballhornung des Begriffes Hydraulic Fracturing. Es ist auch falsch, dass das Wort grundsätzlich negativ besetzt ist. Das mag zwar in einigen Kreisen seit der Publikation von “Gasland” der Fall sein, den bis heute viele Menschen für voll nehmen (man muss nur durch die Internetforen rund ums Thema stöbern), aber das der Begriff generell negativ besetzt ist, seitdem das Verfahren eingesetzt wird, um Erdgasförderung aus extrem dirchtem Schiefergestein zu ermöglichen, ist eine haltlose Behauptung unseriösen Journalismus.

Insbesondere in den USA ist der Begriff durchaus positiv besetzt, schließlich ermöglichte die umfangreiche Erschließung von Schiefergas- und seit einigen Jahren auch Schieferöllagerstätten nicht nur eine größere Importunabhängigkeit der USA, sondern führte gerade in eher ländlichen Gegenden für ein Jobwunder (Interessante Seite des “Telegraph”). Und ganz nebenbei, ohne größere Anstrengungen reduzierten die USA erheblich ihre Emissionen von Kohlendioxid, das für eine vom Menschen verursachte Klimaerwärmung verantwortlich gemacht wird . Hier zu letzterem ein Artikel aus dem “Economist” mit der Schlagzeile “Some fracking good news”  . Negativ ist das nicht gerade.

Schließlich gibt es genügend Studien, die einen Zusammenhang von Fracking mit massiver Umwelt- und Naturzerstörung sehen.

Schade, dass der NDR nicht verrät, um welche Studien es sich handelt. Im übrigen setzen Umweltgruppen gerne den Gesamtprozess der Schiefergasproduktion mit “Fracking” gleich, obwohl Hydraulic Fracturing nur ein Teil dieses Prozesses ist, wenn auch der entscheidende. Tatsache ist, dass der Gesamtprozess der Schiefergasproduktion hinsichtlich Umweltgefährdung diskutiert wird. Einen guten, wenn auch nicht vollständigen Überblick liefert dazu die Shale Gas Information Platform des GFZ Potsdam. Dass es Studien gibt, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen “Fracking mit massiver Umwelt- und Naturzerstörung” sehen, ist schlicht unwahr.

Als Beweis soll anscheinend folgender Satz dienen:

In den USA werden beispielsweise große Mengen von Chemie in den Boden gepumpt, um das Gas zu fördern.

“Chemie” ist eine Naturwissenschaft, die kann nicht in den Boden gepumpt werden. Der Autor meint wahrscheinlich Chemikalien, die in sehr geringen Konzentrationen dem Wasser zugesetzt (deshalb auch “Additive” genannt) werden. Nun sind zum einen Chemikalien nicht grundsätzlich etwas schlechtes. Zum anderen dienen sie auch nicht dazu, das Gas zu fördern, sondern den Fracprozess, also die durch hydraulischen Druck erzeugte Rissbildung und vor allem den Transport von Stützmitteln (Sand oder hochfeste Keramikkügelchen sowie Schwerminerale) in die Risse zu ermöglichen. Zum Fracprozess sowie den Aufgaben der Additive wird industrieunabhängig auf fracfocus.org, einer Seite des Groundwater Protection Council, informiert.

Doch der Protest dagegen hat dazu geführt, dass es bislang keine klare gesetzliche Regelung in Deutschland gibt.

Auch das ist Unsinn! Hydraulic Fracturing ist eine seit 1961 in Erdgaslagerstätten angewandte Stimulationsmethode. Und der Genehmigungsprozess solcher Stimulationsmethoden wird im Einklang mit anderen Rechtsgebieten, wie z.B. dem Wasserrecht oder dem Umweltrecht, über das Bundesberggesetz sowie entsprechender hinzuzuziehender Verordnungen geregelt. Zur Genehmigung einer Fracmaßnahme muss ein entsprechender Sonderbetriebsplan durch das Unternehmen vorgelegt werden.

Dass Fracking bislang jedoch nicht wirtschaftlich genutzt werden kann, schade der ganzen Branche, so Joachim Pünnel vom Gas-Unternehmen Wintershall mit Sitz im Landkreis Diepholz.

Das hat Herr Pünnel so ganz bestimmt nicht gesagt! Schließlich wird das Fracverfahren seit 1961 zur Erdgasgewinnung wirtschaftlich genutzt. Vielmehr gilt, dass das Moratorium ohne Gesetzesgrundlage seit 2011 dazu geführt hat, dass selbst in Lagerstättentypen, in denen die Anwendung des Fracverfahrens genehmigungsfähig war, seitdem nicht mehr genehmigt wird und damit der natürliche Förderabfall stärker ausfällt, als mit Anwendung des Verfahrens.

Schließlich ist z.B. die Anwendung in den bereits schon erfolgten Bohrungen “Düste Z10″ (Wintershall) bei Barnstorf sowie “Bötersen Z11″ bei Rotenburg (W.) zwingend erforderlich, um Erdgas wirtschaftlich gewinnen zu können. Beide Bohrungen sind vor und/oder mit Aufkeimen rund um die Debatte im Vertrauen abgeteuft worden, dass Genehmigungen wie gewohnt der Gestzeslage entsprechend gefract werden können und sich nicht nach Umsetzung der jeweils 15-20 Millionen teuren Bohrungen plötzlich die Lage ändert. Wobei der Verfasser der Ansicht ist, das Ex-Wirtschaftsminister Bode aus rein wahlkampftaktischem Kalkül die in der Einleitung genannte Weisung erteilt hat. Infolge der Weisung erarbeitete die zuständige Behörde einen Katalog mit Mindestanforderungen. Das muss man sich mal überlegen: Einzelmaßnahmen sehr teurer Projekte, die bisher genehmigt wurden und allein deren Anwendung für den Erfolg  des Gesamtprojektes entscheidend ist, werden von hier und jetzt und ohne das der Projektdurchführende es erahnen kann, nicht mehr gestattet. Das gibt es kaum ein zweites Mal.

Rund 100 Millionen Euro Investitionen gingen durch das Verbot und die damit zusammenhängende pauschale Verurteilung der Erdgas-Förderungsbranche verloren, so Pünnel.

Und nicht nur das: Durch den rapideren Förderabfall und einem Reservenverlust gehen dem Land Niedersachsen Jahr für Jahr hunderte von Millionen Euro verloren. Geld, dass auch in Niedersachsen dringend benötigt wird. Allein 2012 zahlte die Erdöl-/Erdgasbranche 746,9 Mio. € Förderabgabe, davon allein für Erdgas 695,4 Mio. (Quelle). Und für die pauschale Verurteilung ist nach Meinung des Verfassers zu nicht unwesentlichen Teilen u.a. auch der NDR mit seiner dramatisierenden Berichterstattung und seinen Falschdarstellungen, wie auch erneut in dem hier kommentierten Beitrag, mitverantwortlich. Teile der Bevölkerung sind inzwischen so verunsichert, dass sich selbst gegen ganz normale Erkundungsbohrungen gewehrt wird, wie z.B. in Intschede.

Und um die inhaltlich nicht korrekt formulierte Frage zu beantworten: Es leidet sicherlich auch die Erdgasförderbranche unter der Stigmatisierung der einheimischen Erdgasförderung. Aber es leiden auch zwhlreiche Serviceunternehmen. Insbesondere leidet aber das Land Niedersachsen, wenn auch gegenwärtig noch nicht so dramatisch wie in den nächsten Jahren. Bisher konnte der Förderabfall durch eine permanente Erhöhung der Förderabgabe finanziell kompensiert werden. Doch die gesetzlich zulässige Obergrenze von 40 Prozent ist fast erreicht. 2013 waren es bereits 37% (2010: 32 %; 2000: 17%; Quelle: Jahresberichte des WEG* )

* WEG= Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Link zum NDR-Beitrag: Leidet Gasbranche unter Fracking-Verbot?

Kommentar zu Rohstoffbeiträgen bei “Hallo Niedersachsen” (NDR)

In der abgelaufenen Woche war beim niedersächsischen Landesmagazin des NDR “Rohstoffe” ein Thema. Vier Beiträge thematisierten dabei die Erdöl- und Erdgasgewinnung. Diese waren insgesamt erfreulich sachlich gehalten, obwohl ein grober Schnitzer zum zuvor ausgestrahlten Beitrags zum Gips Schlimmstes befürchten ließ. Gips (chemisch CaSO4 x 2H2O) wurde mit Steinsalz (NaCl) synonymisiert.  Abgesehen von einer Ausnahme waren die Beiträge zur Kohlenwasserstoffgewinnung sachlich, teilweise sogar spannend gestaltet. Hier ein Kommentar zu den jeweiligen Beiträgen:

1. Erdölförderung im Emsland und der Grafschaft Bentheim

Erdölförderbohrung Rühlermoor 332 chef79

Erdölförderbohrung Rühlermoor 332 ©chef79

Untermalt mit Country-Musik wird der Beitrag eingeleitet. Die Region wird hinsichtlich der Erdölförderung als die wertvollste Westeuropas bezeichnet. das kann man so nicht stehenlassen, denn schließlich wir gegenwärtig mehr Erdöl aus dem Offshore-Feld “Mittelplate” im schleswig-holsteinischen Wattenmeer gefördert als aus den  Feldern westlich der Ems insgesamt. Dass in der Region Erdölgeschichte geschrieben wird, ist allerdings wahr.

Schließlich wird dort seit nunmehr vier Jahrzehnten in drei Lagerstätten Heißdampf injiziert, um das dortige zähflüssige Erdöl fließfähiger zu machen. Denn erwärmtes Erdöl wird, laienhaft gesprochen, flüssiger. Das wird in dem Film auch hervorgehoben.

Einen groben, wissenschaftlich unhaltbaren Schnitzer erlaubt sich der Kommentator des Beitrages, als es ins Erdölfeld Rühlernoor geht. Er behauptet:

Für Geologen ist lange klar: Wo viel Moor, da auch viel Erdöl.

Hier wird ein Zusammenhang zwischen der erdgeschichtlich gesehen sehr jungen Moorbildung, beginnend mit dem Ausklang der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren, und den kreidezeitlichen (älter als 65 Millionen Jahre) Speichergesteinen des Erdöls hergestellt. Das ist unhaltbar und einem geowissenschaftlich bewanderten Menschen sträuben sich bei einer solchen Aussage die Haare. Schließlich befinden sich die weltweit ergiebigsten Erdöllagerstätten in sehr trockenen Regionen. Nur weil es hier heute Moor gibt, war das nicht immer der Fall und das Klima zu Zeiten der Ölbildung war völlig anders als heute. Auch die Landschaft ist mit der gegenwärtigen nicht gleichzusetzen.

Es ist auch nicht korrekt, dass das vergleichsweise schwere Erdöl der Region, dass in der Raffinerie in Lingen veredelt wird, ausschließlich zu Kraftstoffen verarbeitet wird. Ein historischer Abriss der Raffinerie ist hier zu finden: LINK

Es ist zwar schön zu erfahren, dass die dortigen Lagerstätten wahrscheinlich noch 30 Jahre betrieben werden. Es ist aber falsch zu behaupten, dass das Erdöl aus dem Untergrund “sprudelt”. Es wird tatsächlich aufwendig an die Erdoberfläche mittels Tiefpumpen gefördert.

Von diesem Fauxpas und anderen Schnitzern abgesehen ist es dem NDR gelungen, einen informativen Beitrag zu gestalten.

2. Enhanced Oil Recovery mittels eines Pilzes in der Lagerstätte Bockstedt

Bohrungen des EOR-Projektes im Erdölfeld Bockstedt ©chef79

Bohrungen des EOR-Projektes im Erdölfeld Bockstedt ©chef79

Erdöl befindet sich in porösen und/oder klüftigen Speichergesteinen. Generell wird es dabei von Lagerstättenwasser unterlagert. Das Erdöl schwimmt bildlich gesprochen auf dem Wasser wie Fettaugen in der Suppe. Normalerweise lässt sich ein Erdölvorkommen nur zu 30 bis 40 Prozent wirtschaftlich gewinnen, da im Laufe des Gewinnungsprozesses die Verwässerung stark zunimmt und der Salzwassergehalt durchaus 99% des geförderten Mediums betragen kann.

Um dennoch mehr Erdöl aus der Lagerstätte gewinnen zu können, gibt es verschiedene Verfahren, die als “Enhanced Oil Recovery” bekannt sind. Dazu zählen zum Beispiel das im ersten Abschnitt genannte Dampffluten oder die Injektion wasserverdickender Chemikalien (LINK), die das Erdöl aus den Poren des Speichergesteins verdrängen sollen.

Dieser Methodik hat sich die Wintershall angenommen und testet derzeit die Flutung eines wasserverdickenden Biopolymers, welches aus einem Pilz gewonnen wird. Damit beschäftigt sich auch ein Beitrag bei “Hallo Niedersachsen” und bleibt aufgrund seines korrekten Inhaltes hier unkommentiert.

3. Erdgasförderung südlich von Oldenburg

Erdgasförderanlage Sagermeer Z11südlich von Oldenburg chef79

Erdgasförderanlage Sagermeer Z11südlich von Oldenburg ©chef79

“Hallo Niedersachsen” befasste sich auch mit der Erdgasförderung südlich von Oldenburg. Dort sind nicht nur sehr bedeutende Erdgaslagerstätten vorhanden, sondern auch die Erdgasaufbereitungsanlage in Großenkneten.

Allein diese von ExxonMobil betriebene Anlage spült ca. 6 Millionen Euro jährlich in die Gemeindekasse. Das wird im NDR-Beitrag so erwähnt und führt Behauptungen der Gegnerschaft inländischer Kohlenwasserstoffgewinnung ad absurdum, die Gegenteiliges von sich geben wie z.B.  Volker Fritz vom “Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land”. Das Pamphlet von Herrn Fritz ist inzwischen online nicht mehr abrufbar.

Insgesamt ist der Beitrag sachlich gehalten, fällt aber auch durch Unzulänglichkeiten auf:

10 Jahre später versiegten zwar die sogenannten Süßgasreserven, stattdessen aber fanden sich nun gigantische Sauergasvorkommen.

Das ist Unsinn, denn schließlich wird aus der Lagerstätte “Hengstlage”, die sich im Buntsandstein befindet und mit über 60 Milliarden kumulativ geförderten Erdgases eine der bedeutendsten Erdgaslagerstätten Deutschlands darstellt, heute noch gefördert. Und bei diesem Erdgashandelt es sich um Süßgas. Weitere Beispiele für ergiebige Süßgaslagerstätten, die heute noch in Förderung stehen, wären die in Sandsteinen des Karbon (z.B. Goldenstedt). Untergeordnet gibt es weitere Lagerstätten im Buntsandstein wie z.B. Kneheim

Tatsächlich wird in der Region überwiegend sogenanntes “Sauergas” gefördert, das Schwefelwasserstoff enthält. Dieses Erdgas wird in Großenkneten aufbereitet und der giftige Schwefelwasserstoff abgeschieden und wie gezeigt zu hochreinem Schwefel umgewandelt.

Insgesamt stellt der NDR-Beitrag die Erdgasgewinnung südlich von Oldenburg korrekt dar und stellt die ökonomischen Vorteile inländischer Rohstoffgewinnung heraus.  Über die historischen Bilder des Beitrages bin hoffentlich nicht nur ich hoch erfreut.

4. Hydraulic Fracturing oder auch “Fracking” in Niedersachsen

Bisher letzte in Deutschland gefracte Erdgasbohrung "Buchhorst T12"

Erdgasbohrung “Buchhorst T12″ ©chef79

Abschließend war bei “Hallo Niedersachsen” im Zusammenhang mit der Kohlenwasserstoffgewinnung Hydraulic Fracturing, oder verballhornt “Fracking”, ein Thema.

Der entsprechende Beitrag ist bei NDRonline ganz neutral und absolut unvoreingenommen mit “Hoffen auf ein Fracking-Verbot” betitelt. Selbstverständlich ist “neutral” sowie “unvoreingenommen” als ironisch zu bewerten.

Zunächst wird auf die “klassische” Förderung eingegangen und dabei Bilder aus dem Bereich der Lagerstätte “Buchhorst” gezeigt, wie z.B. die abgeschlossene Verfüllung der Bohrung “Buchhorst Z7″. In diesem Gebiet befindet sich interessanterweise die  Bohrung “Buchhorst T12″, die bisher letzte in Deutschland gefracte Erdgasbohrung.

Es ist an dieser Stelle schon verwunderlich, dass zunächst Betriebsplätze der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) gezeigt werden, jedoch ein Sprecher des Mitbewerbers Wintershall interviewt wird. Über das “Warum?” kann nur spekuliert werden. Vielleicht hat die EMPG kein Interesse an einem Interview, nachdem bereits 2011 deren Sprecher anhand einer aus dem Zusammenhang gerissenen Aussage der “dreisten Lüge vor der Kamera” bezichtigt wurde.

Weniger dramatisch, dennoch falsch wird das Fracverfahren erläutert. Vom Tonfall her versucht man sachlich zu bleiben, scheitert aber an der Darstellung. Es beginnt mit:

Eine Bohrung durch Trinkwasserschichten…

Trinkwasserschichten gibt es nicht. Trinkwasser ist das, was aufbereitet das Wasserwerk verlässt. Der Kommentator meint wahrscheinlich Grundwasser. Dieses ist durch Verrohrungen vor Kontaminationen geschützt oder besser abgeschottet. Während des Durchbohrens der Grundwasserleiter wird außerdem eine Bohrspülung eingesetzt, die das Grundwasser nicht beeinträchtigen kann.

Und weiter wird von einem Wasser-/Chemikaliengemisch gesprochen, was Risse erzeugen soll. Das ist so nicht korrekt, da alleine unter hohem Druck injiziertes Wasser Risse erzeugen würde. Die “Chemikalien”, darunter z.B. Guarkernmehl der Guarbohne oder auch Essigsäure, sind dabei Beimischungen, die die Eigenschaften des Fracfluids so verändern sollen, dass Sand als Stützmittel in die erzeugten Risse transportiert werden kann. Doch stattdessen, dass sich auf Fachleute bezogen wird, die erläutern könnten, warum gewisse Stoffe dem Fracfluid beigemengt werden, wird sich auf Aussagen von Bürgerinitiativen berufen.

Dabei stellt sich die dortige Bürgerinitiative selbst ein Bein. Selbst das Umweltbundesamt (UBA) wird als “Lobbybeeinflusst” diffamiert:

Alleine vom ersten Wortlaut, wie es angekündigt oder auch beschrieben wurde, hat man sofort das Gefühl, da muss die Lobby irgendwo ganz eindeutig eingegriffen haben. Da muss irgendwo ganz starker Druck gekommen sein von der Wirtschaft oder den Konzernen die beteiligt sind an Sachen.

Frau Langhorst (Bürgerinitiative “No Moor Fracking”), die diese Aussage getroffen hat, vergaß jedoch Quellen für ihre Anschuldigungen anzuführen. Mit ihren Äußerungen offenbart sie ein Verhalten, dass häufig bei Bürgerinitiativen zu finden ist: Wird die ablehnende Haltung nicht unterstützt, wird die Lobbyismuskeule geschwungen.

Sie bezog sich laut NDR-Beitrag auf  eine Studie des UBA.  Das UBA fiel im Zusammenhang mit der Debatte dadurch auf, dass der erste Teil der Studie zum “Fracking” seitens der Rohstofffachbehörde, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sowie der Staatlichen Geologischen Dienste aufgrund fachlicher Unzulänglichkeiten heftig kritisiert worden ist (LINK).

Inzwischen existiert der Entwurf eines zweiten Teils, der dem NDR sowie den Bürgerinitiativen vorliegt, jedoch nicht der breiten Öffentlichkeit. Im NDR- Beitrag heißt es:

[...] nach Lesart der Bürgerinitiativen werden die Gefahren zu gering bewertet.

Unreflektiert wird die subjektive Lesart der Bürgerinitiativen vom NDR übernommen bzw. im Raum stehen gelassen. Es kommt ein weiteres Mitglied der Bürgerinitiative “No Moor Fracking” aus Wagenfeld und Umgebung zu Wort:

Das Gutachten sagt irgendwo in der Größenordnung 1 zu paar hundert bis 1 zu tausend müssen wir mit Unfällen trotz aller Sorgfalt rechnen[...]

Um was für Unfälle es sich handelt, das verschweigt Herr Gruhl, der mir noch von einer Sitzung des Umweltausschusses des Landkreises Diepholz zur Wintershall-Bohrung “Düste Z10″ aufgrund völlig abwegiger Fragen und Behauptungen unangenehm in Erinnerung geblieben ist. Erstaunlich sind die weißsagerischen Fähigkeiten von Herrn Gruhl, der bereits weiß, dass Schäden eintreten werden.

Warum nun ausgerechnet die UBA-Studie allein als Grundlage für die künftige Gesetzgebung dienen soll und nicht etwa auch Die Schiefergasstudie der BGR, die ebenfalls Umweltaspekte betrachtet und dabei die Risiken als beherrschbar ansieht, bleibt offen. Schließlich ist die BGR die für Rohstofffragen zuständige Fachbehörde und nicht das UBA!

Immerhin wird aber auch die Interpretation der Branche erwähnt. Diese sieht als Ergebnis der Studie keinerlei Grundlage für ein Verbot des Hydraulic Fracturing. Es ist allerdings eine falsche Behauptung des NDR, es gäbe keine gesetzliche Grundlage für das Verfahren. Es handelt sich um eine Standardmethode in der Erdöl- und Erdgasgewinnung, die, wie andere Verfahren auch, über das Bundesberggesetz und weitere Gesetze und Verordnungen geregelt wird. Für jede Fracmaßnahme müssen die Firmen einen Sonderbetriebsplan ausarbeiten, der von den zuständigen Behörden zu genehmigen ist. Dazu der Freiberger Professor Mohammed Amro (LINK):

Wir brauchen für das Fracking aber kein neues Gesetz. In den Bundesberg- und -wasserhaushaltgesetzen ist meines Erachtens alles Wesentliche geregelt.

Zum Abschluss des Berichtes äußert sich auf erschreckende Art und Weise der niedersächsische Wirtschaftsminister Lies (SPD) ablehnend gegenüberder Anwendung des Hydraulic Fracturings in Schiefergesteinen:

Ich halte das für falsch und bin davon überzeugt, dass es in Deutschland auch nicht passieren wird.

Leider begründet Lies seine Ablehnung nicht, sagt stattdessen, dass die Technologie wissenschaftlich untersucht werden muss, um Argumente dagegen zu finden. Schließlich kann über den Einsatz einer Technologie nicht mit dem Bauch entschieden werden.

Genaugenommen tut Lies das aber, indem er sich bereits mehr oder weniger darauf festlegt, dass Hydraulic Fracturing keine Anwendung in Schiefergestein finden wird. Mit dieser Haltung bedarf es aus meiner Sicht dann keiner wissenschaftlichen Untersuchung, wenn diese nicht ergebnisoffen geführt wird. Dazu noch einmal ein Zitat von Professor Amro:

Wir haben ein großes technologisches Wissen und das sollten wir nicht verspielen.

Und damit möchte ich diesen Artikel abschließen, der insgesamt 4 Beiträge des NDR zur Erdöl- und Erdgasförderung beleuchtet hat. Drei davon können als durchaus gelungen angesehen werden. Der zum “Fracking” zählt nicht dazu, da zu sehr die Meinungen einer Bürgerinitiative im Mittelpunkt standen und ihre zum Teil unhaltbaren Anschuldigungen und Behauptungen unkritisch stehen gelassen wurden.

Kritische Anmerkungen zu einem Artikel der Kreiszeitung

von “Barnstorfer”

Die Kreiszeitung berichtet mal mehr oder mal weniger sachlich und objektiv zur Erdöl- und Erdgasproduktion in Niedersachsen und im Landkreis Diepholz. Sind es im Raum Verden und Rotenburg zumeist kritische und wenig objektive Beiträge, so gibt es gelegentlich einige sachliche Artikel im Diepholzer und Syker-Bereich der Zeitung. Als Beispiel für letzteres seien das Polymerflutprojekt in Bockstedt der Wintershall oder die Bohrphase der Barrien 15T in Weyhe genannt. Letzteres Projekt ist allerdings Bestandteil eines Artikels, der eindrucksvoll belegt, wie ein Medium ein Thema aufmachen kann, das eigentlich gar kein Thema ist. Es geht um einen sogenannten Workover im Erdgasfeld Barrien der Wintershall, der so gar nichts mit Hydraulic Fracturing zu tun hat. Die Workoverarbeiten nehmen im Artikel der Kreiszeitung allerdings nur einen Halbsatz ein, während sich der Rest fast ausschließlich um die Fracarbeiten dreht, die 20 bis 42 Jahre zurückliegen.

Erdgasbohrung Barrien 15T bei Weyhe ©chef79

Erdgasbohrung Barrien 15T bei Weyhe ©chef79

Heute ist dort ein Beitrag zum Erdgasfeld Barrien der Wintershall erschienen. Im Sommer letzten Jahres hat Wintershall dort die Produktionsbohrung Barrien 15T durch die KCA Deutag bohren lassen, die aber wohl wegen technischer Probleme, die wohl auf einer komplexen Geologie beruhen, in etwa 2000 Meter Teufe eingestellt wurde. Hierzu gibt es auch eine Mitteilung im Blog über die Heimische Förderung von Wintershall (LINK).

Bereits im vergangenen Jahr  wurde dort angekündigt, dass für Anfang diesen Jahres in der Barrien 8T ein Wechsel des Steigrohrstranges (Tubing) geplant sei. Diese Arbeiten haben diese Woche begonnen, wie sich aus dem folgenden Blog-Beitrag schließen lässt (LINK).

Das alles hat, so auch von Wintershall mehrfach kommuniziert, nichts mit der Stimulationsmethode “Hydraulic Fracturing” zu tun, was wohl eher als “Fracking” in der Öffentlichkeit bekannt ist und vielfach falsch vermittelt wird.

Wintershall produziert seit den 1960er Jahren Süßgas aus den Sandsteinfolgen des Buntsandsteins, was dem ein wenig fachkundigen Leser anhand der Bohrungsnomenklatur (T für die Trias, dessen unterstes Teilglied der Buntsandstein darstellt) ohnehin klar sein sollte. Für gewöhnlich hat der Buntsandstein, bzw. die jeweiligen Schichtenfolgen, lagerstättentechnische Eigenschaften, die keine Stimulation benötigen, um überhaupt wirtschaftlich produzieren zu können. Es kann allerdings sinnvoll sein, den Speicher zu stimulieren, sollte man die Produktion erhöhen oder auf einem gewissen Niveau halten wollen. Das spielt aber normalerweise hierbei zunächst keine Rolle.

Jetzt hat die Kreiszeitung allerdings heute einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der Erdgasproduktion in Weyhe beschäftigt. Nur kurz zum allgemeinen Verständnis: Eine Erdgas- oder Erdöllagerstätte wird in der Regel nach Orten benannt, die in der Nähe liegen, Da kann es aber auch vorkommen, dass der namensgebende Ort zum Beispiel einige Kilometer entfernt liegt und sich gar nicht “über” der Lagerstätte befindet. Hier heißt die Lagerstätte Barrien, befindet sich aber unter den Ortsteilen der Gemeinde Weyhe. Zwischen der Gaslagerstätte Barrien und dem Ort Barrien, besteht je nach Lage, noch eine Entfernung von etwa 3 bis 4 Kilometer, würde man das auf die Oberfläche projizieren.

Kleiner Exkurs hierzu: Es gibt jeweils eine Erdgas- und Erdöllagerstätte Düste. Der Ort Düste an sich, befindet sich aber gar nicht über diesen Lagerstätten. Und selbst die Lagerstätten mit der Bezeichnung „Goldenstedt“ befinden sich nicht unter dem Ort Goldenstedt, sondern gehen vielmehr in Richtung Cloppenburg, Visbek, Emstek und Vechta.

Aber weiter zu Barrien: Wintershall musste, wie oben erwähnt, die Barrien 15T einstellen. Dazu komme ich später noch einmal zurück. Es geht jetzt zunächst um den Wechsel der Produktionsrohrtour in der Barrien 8T, im Fachlichen auch Workover oder bergmännisch häufig auch Aufwältigung genannt.

Es wäre wünschenswert, dass der Journalist bzw. Zeitung bei der Firma anfragen, was dort genau gemacht wird und die Informationen dann in einen Artikel verpackt Die Kreiszeitung hätte beispielsweise schreiben können, dass Wintershall dort einen Workover durchführen lässt (von der Salzwedeler Firma Erdöl-Erdgas Workover GmbH) und dabei die Produktionsrohrtour wechselt. Dabei hätte man noch kurz auf das Bohrlochdesign eingehen können, wo sich die Produktionsrohrtour quasi in der Mitte des mit Futterrohren verrohrten Bohrlochs befindet und das durch das Tubing das Lagerstättenmedium, also Erdgas in diesem Fall, gefördert wird. Die Futterrohre stellen eine Schutzfunktion, also eine Barriere, z. B. gegenüber grundwasserführenden Schichten dar. Im Laufe der Zeit kann es vorkommen, dass z. B. etwas am Bohrlochdesign geändert wird, wie bspw. einen anderen Rohrdurchmesser einbauen möchte oder einfach Wartungsarbeiten an der Produktionsrohrtour vornimmt, und sie in diesem Zusammenhang gegen eine neue austauscht.

Es wäre in meinen Augen guter Artikel, der kurz und knapp über die Arbeiten informiert. Mittlerweile muss es ja für die Förderunternehmen dazu gehören, dass explizit erwähnt werden muss, hier kein Hydraulic Fracturing durchzuführen oder dass der Grundwasserleiter nicht beeinträchtigt wird. Dieser, in meinen Augen eigentlich überflüssige, aber mittlerweile wohl unabdingbare Absatz, hätte sicherlich noch eingebaut werden können.

Was macht aber die Kreiszeitung? Sie setzt eine Überschrift, dass die Weyher Bohrlöcher in einem Zeitraum von 22 Jahren 23 Mal “gefrackt” worden sind. In den weiteren ersten vier Absätzen geht es um Stimulationsmaßnahmen, die teilweise 40 Jahre zurückliegen. Hier wird der Wintershall Pressesprecher Mark Krümpel zitiert, indem er die gefracten Bohrungen aufzählt und Informationen dazu gibt.

Erst im fünften Absatz geht man dann zum ersten Mal auf die aktuelle Situation ein (!). Im Halbsatz wird erwähnt, dass bei der Barrien 8T die Produktionsrohrtour ausgetauscht wird. Im restlichen Teil wird die eingestellte Barrien 15T  erwähnt. Und wie im bereits erwähnten Hinweis der Wintershall zu erfahren war, schreibt die Kreiszeitung, dass für die 15T, die laut Wintershall noch nicht einmal den gasführenden Träger erreicht hat sowie für weitere Bohrungen keine Stimulationen geplant seien.

Am Ende geht es nochmal um die Stoffe, die bei den Fracs eingesetzt worden sind. Diese seien bisher nicht genannt worden, wobei man hier sich die Frage stellen könnte, was der normale Bürger mit der genauen Zusammensetzung schließlich anfangen könnte. Hier sei nur der Hinweis angebracht, dass die Stoffe nicht in ihrer Reinform zur Stimulation ins Bohrloch gepresst worden sind, sondern hochverdünnt. Teilweise befinden sich Stoffe in der Fracflüssigkeit, die deutlich unverdünnter in Shampoo, Seife oder anderen Haushaltswaren zu finden sind.

Letzten Endes bleibt die Frage offen: „Was möchte die Kreiszeitung mit ihrem Artikel genau bewirken? Die im ersten Absatz erwähnte Liste wurde vom Bergamt schon vor einiger Zeit veröffentlicht und auch von Bürgerinitiativen verwendet. Die Kreiszeitung hätte also schon deutlich früher über die Fracs informieren können, wobei die Frage erlaubt sein darf, inwieweit das überhaupt eine Nachricht wert wäre?

Vielmehr müsste sich die Kreiszeitung die Frage gefallen lassen, ob man mit dem Artikel einen seriösen Journalismus vertreten und über die aktuellen Arbeiten berichten möchte oder vielmehr durch Halbwissen Ängste und Spekulationen schüren will , wie es in einigen Kommentaren auf der Facebookseite der Kreiszeitung der Fall ist: https://www.facebook.com/kreiszeitung.de/posts/626004324114490

Hier sei nochmal die Frage erlaubt: Wie kommt man dazu ernsthaft anzunehmen, Wintershall würde dort aktuell Fracmaßnahmen durchführen, bzw. habe es auf der Barrien 15T durchgeführt, obwohl es im selben Artikel seitens der Wintershall dementiert und über die Arbeiten, die dort gerade durchgeführt werden, informiert wird. Da die aktuellen Arbeiten aber nur in einem Halbsatz erwähnt werden, geht dies beinahe unter. Ob dieses gewollt ist, darüber kann nur spekuliert werden. Die Tatsache, dass Fracmaßnahmen, die Jahrzehnte zurückliegen und den überwiegenden Teil des Artikels einnehmen, lässt hier aber einen gewissen Spekulationsraum zu.

Zum Absatz mit der Barrien 15T möchte ich dann auch noch etwas sagen: Der Autor schreibt, es sei vergeblich versucht worden ein Förderrohr zu verlegen. Wer etwas Fachkenntnis besitzt, wird sich fragen, was ein Förderrohr sein soll. Dazu gäbe es zwei Möglichkeiten: Einmal die Produktionsrohrtour im fertig gestellten Bohrloch. Hierfür hätte aber die Bohrung zumindest den Träger erreicht und fertig komplettiert, also mit Produktionsrohrtour ausgestattet werden müssen. Dass das nicht geschehen ist, ist einleuchtend, da, so kann man das bei Wintershall nachlesen, die Bohrung aufgrund technischer Probleme eingestellt wurde. Hier einen “trockenen” (also nicht gasführenden) Horizont zu produzieren, ergäbe keinen Sinn.

Weiterhin könnte man meinen, es wäre nicht gelungen, an das Eruptionskreuz (Bohrlochabschluss) eine zu den Aufbereitungsanlagen auf dem Förderplatz führende Leitung anzuschließen. Da die Bohrung eingestellt wurde, ergäbe das keinen Sinn.

Auch hier darf der Artikelschreiber bei der Kreiszeitung kritisiert werden, nicht besser recherchiert bzw. formuliert zu haben. Eventuell ist das jetzt ein wenig weit hergeholt von mir: Es wird wieder einmal deutlich, dass hier, egal ob gewollt oder ungewollt, ein wenig stümperhaft gearbeitet wurde.

Auch als Journalist darf man sicherlich seine Einstellungen und Überzeugungen haben und kann auch gerne gegen die Förderung von Erdöl und Erdgas sein. Allerdings sollte hierbei erwartet werden dürfen, dass hierbei immer die Objektivität im Auge behalten wird. Gerade bei einem kontrovers diskutierten Thema, wie der Suche und Förderung von Erdöl und Erdgas und speziell beim Hydraulic Fracturing, sollte man daher als unabhängiges Medium daran interessiert sein, so objektiv wie möglich zu schreiben und tiefgründiger zu recherchieren. Die genauen Sachlagen, bspw. das Einstellen der Bohrung, hätten in ein paar Minuten im Blog von Wintershall nachgelesen werden können.

Fakt ist: Hydraulic Fracturing hat mit den aktuellen Arbeiten in Barrien nichts zu tun und sollte demnach auch nichts im Artikel zu suchen haben, zumindest nicht in dem Maße, wie es die Kreiszeitung hier formuliert.

Professor der TU Bergakademie Freiberg gegen Verbot von Hydraulic Fracturing

In der Debatte um das Hydraulic Fracturing wird jeder Zwischenfall, der dem Verfahren oftmals zu Unrecht angelastet wird, medial breit präsentiert. Durchaus existierend sachliche, nicht dramatisierende oder sogar befürwortende Äußerungen von Fachleuten sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, in der Medienlandschaft nicht auszumachen, da sie schlichtweg ignoriert werden. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein dpa-Interview mit dem Freiberger Professor Mohammed Amro soll hier zusammengefasst und kommentiert werden.

Tightgas-Bohrung Düste Z10 im Landkreis Diepholz

Tightgas-Bohrung Düste Z10 im Landkreis Diepholz ©chef79

Doch zunächst noch einige Worte zur Einleitung: Im vergangenen Jahr erschien eine Studie, die erhöhte Methankonzentrationen in Hausbrunnen fand, die sich in der Nähe von Schiefergasbohrungen befinden. Zur Erschließung von Schiefergaslagerstätten ist das Hydraulic Fracturing-Verfahren zwingend erforderlich, um künstliche Fließwege durch Rissbildung (Fracturing) zu schaffen. Obwohl die Forscher in der Studie “Increased stray gas abundance in a subset of drinking water wells near Marcellus shale gas extraction” nicht das Verfahren dafür verantwortlich machten, sondern unzureichend ausgebaute Bohrlöcher, titelte z.B. SpiegelOnline: “Studie über Pennsylvania: Fracking treibt Gase ins Trinkwasser” . Auf diese Fehlinformation soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, sie wurde bereits hier im Juli 2013 kommentiert. Das sollte nur eines von vielen Beispielen sein, bei denen zu Unrecht Vorfälle dem Hydraulic Fracturing angelastet werden.

Doch nun zum Interview, dessen Inhalt nach kurzer Recherche leider sehr verkürzt zusammengefasst, lediglich bei FocusOnline sowie wortgleich beim Wochenspiegel Sachsen zu finden ist. Das ist erstaunlich, da ansonsten jede negative dpa-Meldung, wie die eingangs genannte, genüsslich von den Redaktionen aufgenommen wird.

Einleitend wird auf die Ängste vor dem Hydraulic Fracturing, im Interview abermals auf “Fracking” verkürzt, und dessen schlechten Ruf Bezug genommen und das Prof. Amro das Verfahren für “weniger gefährlich als gedacht” hält. Die hervorgehobene Aussage suggeriert dabei, dass das Verfahren gefährlich wäre. Diese Ansicht mag zwar in der breiten Öffentlichkeit dank unausgewogener Berichterstattung (siehe Beispiel) vorherrschen, wird aber von Fachleuten wie z.B. dem Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V. (BDG), nicht geteilt (Fracking nicht verteufeln!).

So sieht es sinngemäß auch Prof. Amro. Auf die Frage nach der Gefährlichkeit des “Frackings” aus Sicht des Wissenschaftlers ist seine Antwort, dass es darauf ankäme, wo das Verfahren eingesetzt würde. In Tiefen von 1000 Metern bis über 4000 Metern halte er das Verfahren für sinnvoll und sicher. Schließlich gebe es darüber eine sichere Abdeckung durch Ton- und Salzgesteine, die die Lagerstätten von den grundwasserführenden Schichten trennt. Er weist aber auch darauf hin, dass zuvor der Untergrund intensiv erkundet werden muss.

In Bezug auf die Einwände von Kritikern und das derzeitige Quasimoratorium (obwohl die herkömmlichen Gesetze, nach denen Fracmaßnahmen bisher genehmigungsfähig waren, Bestand haben) wünscht sich Amro mehr Sachlichkeit. Er ist der Meinung, dass in Gebieten, wo durch Aufstieg von Fracflüssigkeit Oberflächen- und Grundwasserverunreinigungen möglich sind, Fracmaßnahmen zu unterlassen sind. Diese Gefahr sieht er unter Umständen bei flach liegenden Schiefergaslagerstätten und bezieht sich, ohne ein konkretes Beispiel zu nennen, auf die USA. Eventuell ist hier das Beispiel Pavillion in Wyoming gemeint. Dort wird eine Grundwasserverschmutzung durch Hydraulic Fracturing vermutet. Hier sollen laut der Studie “Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland” der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die Lagerstätten in nur 370 m Tiefe liegen:

Hier wird Gas aus sehr geringen Tiefen von ca. 370 m unter Geländeoberkante produziert, während für die Trinkwasserversorgung Aquifere aus bis zu 250 m Tiefe genutzt werden. Vermutet wird in diesem Fall, dass, unter anderem auf Grund unzureichender Verrohrungen bis in nur etwa 110 m Tiefe, Frackfluide und Gas in das Trinkwasser gelangen konnten (DI GIULIO et al. 2011). Eine Schiefergasproduktion wie in der dortigen Situation wäre in Deutschland nicht genehmigungsfähig.

Eine Gefahr seimischer Erschütterungen sieht Amro lediglich in Festgesteinen, wie z.B. Granit, jedoch nicht in Sedimentgesteinen, in denen Erdgas eingelagert ist. In letzteren würden die seismischen Wellen stark gedämpft werden. Zudem verweist er in Bezug auf die Einwände der Kritiker, dass an umweltfreundlichen Fracfluiden gearbeitet werden, die das Verfahren noch sicherer gestalten würden.

Und eine sicherere Gestaltung ist der korrekte Ausdruck, denn schließlich sind unmittelbar auf das Verfahren zurückzuführende Umweltgefährdungen kaum bekannt und in Deutschland überhaupt keine. Selbst die aus den USA bekannt gewordenen Unfälle im Zusammenhang mit der Schiefergasförderung, die in der Medienlandschaft unkorrekt oft als “Fracking” bezeichnet wird, sind nicht auf Hydraulic Fracturing zurückzuführen, sondern durch mit in Deutschland nicht genehmigungsfähigen bzw. nicht erlaubten Praktiken, wie z.B. Lagerung von zurückgefördertem Fracfluid, dass zusätzlich mit salzigem und oftmals schwermetallbelastetem Lagerstättenwasser vermischt ist. Das beweist, dass Hydraulic Fracturing ein sicher durchzuführendes Verfahren ist, dessen noch sicherere Gestaltung die geringen Restrisiken weiter minimiert.

Auf das dennoch von Umweltverbänden geforderte Verbot entgegenet Professor Amro, dass er gegen ein Verbot sei. Man käme auf keine andere Art und Weise an das Erdgas in unkonventionellen Lagerstätten heran. Er verweist weiterhin auf die über 300 in Deutschland durchgeführten Fracmaßnahmen in Deutschland, bei denen weder Grundwasserverunreinigungen noch seismische Erschütterungen dokumentiert worden sind. Damit stellt er sich an die Seite des BDG, der ähnlich gegen die Stigmatisierung des Hydraulic Fracturing argumentiert.

Erheblich bedeutender erscheint aber die Feststellung, dass Deutschland über ein großes technologisches Wissen verfügt, dass nicht verspielt werden sollte. Dem kann nur zugestimmt werden. Schließlich wurde bereits 1995 in Deutschland ein Weltrekord im Zusammenhang mit der Anwendung des Hydraulic Fracturing aufgestellt. Zuvor wurden in einer solch tiefen (4800 Meter)  Horizontalbohrung noch keine Mehrfach-Fracbehandlungen durchgeführt wie in der Bohrung “Söhlingen Z10″ (Ein Weltrekord wird volljährig – Multi-Frac-Projekt Söhlingen Z 10 produziert bis heute Erdgas).

Professor Amro spricht sich für Fortentwicklung des Verfahrens aus und hat gegen eine in der Planungsphase durchzuführende  Umweltverträglichkeitsprüfung grundsätzlich keine Einwände. Den Bedarf für ein neues Gesetz sieht er hingegen nicht. Seiner Ansicht nach sind im Bundesberg- sowie in den Wasserhaushaltsgesetzen alle wesentlichen Aspekte geregelt. Er weist  darauf hin, dass ein generelles Verbot die Gewinnung einheimischer Gasvorkommen bei Bedarf unmöglich mache.

Doch unterläuft ihm zum Abschluss ein kleiner Fauxpas: Die von der BGR geschätzten  förderbaren Schiefergasvorkommen von 2300 Mrd. Kubikmeter würden nicht den Bedarf Deutschlands von 13 Jahren decken, sondern entsprächen dem mehr als 23-jährigen Jahresverbrauch. Sofern förderbar, würden sie über viele Jahrzehnte hinweg einen wichtigen Beitrag zur Erdgasversorgung Deutschlands leisten. Eine 100-prozentige Selbstversorgung über 20 Jahre hinweg wäre technisch nicht möglich. Schließlich wurden die in Deutschland bisher geförderten 1000 Mrd. Kubikmeter Erdgas , die einem mehr als 10-jährigen Eigenbedarf entsprechen, nicht in 10 Jahren gewonnen, sondern über einen Zeitraum von über 50 Jahren hinweg.

Es ist erfreulich, nach längerer Zeit wieder eine fachlich fundierte und dabei befürwortende Stimme zum bewährten Hydraulic Fracturing und damit auch zur inländischen Förderung zu hören. Umso bedauernswerter ist es, dass diese Ansicht, die einen sachlichen Beitrag zur emotional geführten Debatte darstellt, von der breiten Medienlandschaft komplett ignoriert wird.

Das vollständige Interview gibt es hier: (dpa) “Freiberger Professor gegen Fracking-Verbot”

Schleswig-Holsteins Umweltminister plant “Fracking”-Moratorium

Im vergangenen Jahr wurde an dieser Stelle berichtet, dass Schleswig-Holstein über den Bundesrat ein Verbot des Hydraulic “Fracking” Fracturings anzustreben. Dieses Bestreben fand seinerzeit allerdings keine Mehrheit in der Länderkammer. Nach einem Bericht bei SHZ-Online soll nun ein Moratorium über den Landesentwicklungsplanes  umgesetzt werden.

Aufsuchungserlaubnisse für Kohlenwasserstoffe (rot) in Schleswig-Holstein Quelle: LBEG-Kartenserver

Aufsuchungserlaubnisse für Kohlenwasserstoffe (rot) in Schleswig-Holstein
Quelle: LBEG-Kartenserver

Hierzu traf sich der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) allerdings nicht etwa mit einer kompetenten Gruppe von Geowissenschaftlern, die in der Lage wären, die tatsächlichen Risiken aus fachlicher Sicht zu bewerten und abzuwägen, ob das Bestreben von Herrn Habeck sachlich zu begründen ist. Stattdessen setzte er sich mit Vertretern von Bürgerinitiativen zusammen, um sein Vorhaben zu besprechen.

Und dieses lautet wie folgt: Mit der Neuaufstellung des Landesentwicklungsplans soll der Einsatz des Hydraulic Fracturings mit einem Moratorium belegt werden. Laut SHZ-Online soll das wie folgt funktionieren: Im neu aufzustellenden Landesentwicklungsplans soll eine “Veränderungssperre” erlassen werden. Damit wäre nichts genehmigungsfähig, was den Zielen des neuen Landesentwicklungsplanes widerspricht. Dazu soll auch “Fracking” gehören.

Warum dieses Verfahren dazugehören und welchen Zielen es widersprechen soll, darüber ist im Artikel nichts zu erfahren. Und warum ausgerechnet Schleswig-Holstein so sehr engagiert ist, um Hydraulic Fracturing zu verbieten, lässt sich nicht nachvollziehen. Schließlich ist dieses Verfahren im Zuge der Erdölgewinnung im nördlichsten Bundesland zwischen 1955 und 1994 bereits mehrfach ohne Auswirkungen auf die Umwelt durchgeführt worden. Das ist sogar auf der Website von Habecks Ministerium nachzulesen (LINK):

Ja, es gab mehrere Bohrungen mit dem Einsatz der Fracking-Methode. Diese Bohrungen fanden zwischen 1955 und 1994 überwiegend im Kreis Plön statt. Es gibt keine Hinweise, dass die Maßnahmen in dem betroffenen Gebiet zu schädlichen Umweltauswirkungen geführt haben.

Als Begründung für das angestrebte Moratorium bzw. Verbot wird vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) angeführt, dass die  Fracfluid in geringen Konzentrationen “umwelttoxische” (ein Fantasiebegriff aus Habecks Ministerium) Chemikalien eingesetzt werden und das deshalb Umweltrisiken nicht ausgeschlossen werden können.

Nur können Umweltrisiken auch für die im Zuge der “Energiewende”, für die Habecks Ministerium ebenfalls zuständig ist, aufgekommenen Biogasanlagen keine Umweltrisiken ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Anders als durch Fracmaßnahmen ist es in Folge der Gärgaserzeugung schon mehrfach zu umweltrelevanten Unfällen gekommen. Zuletzt ausgerechnet in Schleswig-Holstein, wo mehrere Tausend Liter Gülle in einen Bach gelangt sind. Immerhin konnte der weitaus größte Teil zuvor aufgefangen werden (LINK). Doch von einer Forderung des Verbots von Biogasanlagen ist trotz der zahlreichen realen Gefahren für die Umwelt, wozu auch die sogenannte “Vermaisung” der Landschaft mit all ihren negativen Folgen für die Ackerflora und-fauna zählt, ist aus Habecks Ministerium nichts zu hören.

Auf die Äußerungen der Bürerinitiativen, mit der bekannten, aber sachlich unbegründeten Forderung nach einem Verbot des Hydraulic Fracturings, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Nur ein Zitat im SHZ-Artikel soll kurz kommentiert werden:

„Wenn eine Technologie gegen den Bürger nicht durchsetzbar ist, ist es besser, dies gleich in ein vernünftiges Recht zu fassen“, sagt Knof.

Es ist schon erschreckend, dass sich wieder einmal eine Minderheit, die mit fragwürdiger Agitation und Propaganda oftmals auch noch ihr Umfeld mit übertriebenen bis falschen, also unwahren Behauptungen versucht zu indoktrinieren, sich anmaßt, für die Mehrheit oder gar Gesamtheit der Bürger zu sprechen. Dieses Verhalten ist aber bei zahlreichen Bürgerinitiativen auszumachen und leider insbesondere bei vermeintlich umweltrelevanten Themen auch mit gewissem Erfolg. Das ist wenig verwunderlich, ist ihnen doch häufig eine umfassende Unterstützung aus der Medienlandschaft gewiss.

So ist es auch in diesem Fall, wenn auch möglicherweise unbewusst. Im Artikel sind 5 Fragen zum “Fracking aufgeführt. Die Antworten sind jeweils in einem Aufklappmenü zu lesen:

  • Was bedeutet Fracking?
  • Warum ist Fracking so umstritten?
  • Gibt es auch in Deutschland solche Erdgas-Lagerstätten?
  • Warum wird die Aufsuchungserlaubnis nicht einfach abgelehnt?
  • Gibt es Länder, in denen Fracking das Grundwasser bereits verschmutzt hat?

Während die Antwort auf die Frage 1 vergleichsweise sachlich ist, suggeriert die Antwort zu Frage 2 wieder entgegen der international bekannten geringen Risiken unabsehbare Gefahren. Berufen wird sich dabei auf “Befürchtungen”, also imaginäre Gefahren von Umweltschützern, sowie auf das Umweltbundesamt (UBA):

Die Auswirkungen der beim Fracking eingesetzten Chemikalien auf Natur und Umwelt, zum Beispiel auf das Grundwasser, sind nicht abzusehen. Umweltschützer befürchten eine Verunreinigung des Trinkwassers.

Dabei exiastieren lediglich sehr geringe Risiken einer Kontamination von süßwasserführenden Grundwasser (siehe dazu das Interview mit Brian Horsfield vom Geoforschungszentrum Potsdam) und Verunreinigungen von Grundwasser, das zur Trinkwassergewinnung genutzt wird, sind durch eine simple Maßnahme ausgeschlossen: Keine Fracmaßnahmen innerhalb von Wasserschutzgebieten, sofern nicht unterhalb mächtiger bekannter Salz- bzw. Tonformationen gefract wird. Für die Undurchlässigkeit dieser Formationen ist bereits durch hunderte Anwendungen in Deutschland der Beweis erbracht worden.

In der Antwort auf Frage 3 heißt es:

Ja, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – aber in geringerer Konzentration auch in Schleswig-Holstein.

Das ist so nicht richtig! In Schleswig-Holstein gibt es keine einzige nachgewiesene Erdgaslagerstätte. Zudem ist ein Schiefegaspotenzial laut der dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellten Fachbehörde für Rohstofffragen, der Bundesanstalt für Geowissenschaften Und Rohstoffe (BGR), in Schleswig-Holstein nicht vorhanden (LINK). Leider werden diese Erkenntnisse von der breiten Medienwelt ignoriert. Was Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen betrifft, so müssen die vermuteten Schiefergas- und auch die vermuteten Kohleflözgaslagerstätten erst auf wirtschaftliche Förderbarkeit hin untersucht worden. Allerdings wurde ein entsprechendens Programm von ExxonMobil aufgrund der Diskussion um das Hydraulic Fracturing unterbrochen.

Parteiisch in Richtung der Kritiker wirkt die 4. Antwort:

Die Ursache liegt im veralteten Bergrecht, das den rechtlichen Rahmen für den Abbau von Bodenschätzen bildet. Darin ist auch festgehalten, dass Energieunternehmen grundsätzlich einen Anspruch auf Aufsuchungserlaubnis haben.

Allein der Ausdruck “veraltet” lässt jegliche Neutralität vermissen, handelt es sich hierbei doch um einen Ausdruck, der häufig von den “Fracking”-Gegnern benutzt wird. Warum ein Gesetz, dass erst 1980 ausgefertigt wurde (LINK) veraltet sien soll, konnte von Seiten der Gegnerschaft bislang nicht ansatzweise befriedigend erläutert werden. Schließlich ist das bedeutendste Gesetz des Zivilrechts, das Bürgerliche Gesetzbuch,  über 8 Jahrzehnte älter und entstammt noch aus dem Kaiserreich (LINK). Und warum eine Aufsuchungserlaubnis versagt werden soll, ist nicht nachvollziehbar. Denn schließlich ist vor einer Aufsuchung gemäß der alten Bergmansweisheit “Vor der Hacke ist es dunkel” vollkommen unbekannt, ob der gesuchte Rohstoff überhaupt vorhanden sind.

Schon fast als amüsant kann die 5. Antwort bezeichnet werden:

In den USA kam es nach Medienberichten aufgrund unzureichender Umweltgesetze und technischer Unzulänglichkeiten zu Grundwasserbelastungen und regionaler Beeinträchtigungen der Trinkwasserversorgung.

Nicht etwa wissenschaftliche oder behördliche Erkenntnisse werden als Beleg für angebliche Belastungen angeführt, sondern Medienberichte. Tatsache ist, dass im Zusammenhang mit der Schiefergasgewinnung ohne weiteres vermeidbare Kontaminationen von Oberflächengewässern aufgetreten sind. Grundwasserbelastungen oder gar regionale Beeinträchtigungen durch das Fracverfahren selbst sind jedoch nicht bekannt (LINK).

Zum Abschluss noch der letzte Abschnitt des Artikels:

Nach Angaben der Landesregierung gibt es in Schleswig-Holstein derzeit zwölf Gebiete, in denen „Aufsuchungserlaubnisse“ und „Bewilligungen“ mit Blick auf die Technologie vorliegen.

Das ist falsch, da weder Aufsuchungserlaubnisse noch Bewilligung mit Hinblick auf irgendeine Technologie erteilt werden. Richtig ist, dass es 14 Gebiete gibt, in denen entweder Kohlenwasserstoffe gesucht bzw. gewonnen werden dürfen. Dabei gilt für jede technische Maßnahme, dass Betriebs- bzw. Sonderbetriebspläne erstellt und genehmigt werden. Und solange das nicht erfolgt ist, ist alles, was über die genannte Erlaubnis bzw. Bewilligung hinausgeht, reine Spekulation. Ergänzend ist zu sagen, dass aufgrund der genannten Erkenntnisse der BGR mit umfassenden Fracmaßnahmen in unkonventionellen Lagerstätten nicht zu rechnen ist, da für diese in Schleswig-Holstein schlichtweg kein Potenzial besteht.

Das hat der Autor des SHZ-Artikels richtig erkannt.

Damit würden nur Gebiete abgesteckt, um Konkurrenzunternehmen auszuschließen, heißt es. Eingriffe in den Boden – oder gar Fracking – sind nicht erlaubt.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen: Wieder einmal lässt sich nicht nachvollziehen, warum  ausgerechnet Schleswig-Holstein bezüglich eines Verbotes des bewährten Hydraulic Fracturing sich derart ablehnend positioniert. Schließlich gibt selbst das MELUR zu, dass es durch die im Verlauf von vier Jahrzehnten in dortigen konventionellen Erdöllagerstätten durchgeführten Fracarbeiten zu keinem umwelbeeinträchtigenden Vorfall gekommen ist. Zudem weist die BGR keine Potenziale für unkonventionelle Vorkommen aus, die zwingend Fracmaßnahmen erfordern. Statt sich mit der vermeintlichen Gefährlichkeit von Fracmaßnahmen zu befassen, für die es auch international keine Evidenz gibt, sollte sich Habeck besser mit den realen, umweltrelevanten Gefahren von Faulgasanlagen befassen.

Kreiszeitung contra einheimische Erdgasgewinnung?

Diese Frage erscheint durchaus legitim, führt man sich vor Augen, dass allein in der KW 5 vier Artikel online erschienen, die sich mit der Thematik auseinandersetzten. Allen diesen Artikeln ist gemein, dass sie  weitestgehend unreflektiert die Ansichten von Kritikern darstellt und grundsätzlich einen negativen und somit nicht neutralen Grundtenor erkennen lassen. Ein Artikel wurde bereits von “Barnstorfer” und mir (SAR) rezensiert. Hier folgt eine Auseinandersetzung mit den drei verbliebenen.

1. Rezension des Buches „Grüne Guerilla Fraktion“

Erdgasbohrung Barrien 15T bei Weyhe chef79

Erdgasbohrung Barrien 15T bei Weyhe ©chef79

Bereits in der Einleitung des Artikels wird klargestellt, worum es in dem Buch des Autors Mark Bredemeyer geht. Folgendes ist zu lesen:

Kann ein wertvolles Naturschutzgebiet aus reiner Profitgier der Politik verwüstet werden? Ja, es kann. Im neuen Thriller des Weyher Autoren Mark Bredemeyer geschieht genau das. Dabei schreckt ein großer Gasförderer weder vor unausgereiften Bohrmethoden noch vor Menschenleben zurück.

Mit den “unausgereiften Bohrmethoden” ist wahrscheinlich das seit 1947 international eingesetzte und bewährte Standardverfahren des Hydraulic Fracturings gemeint. Zumindest lässt es sich aus dem weiteren Verlauf des Artikels erschließen. Eine “unausgereifte Bohrmethode” zu verwenden wäre für die Industrie ziemlicher Unsinn, weil es a) um die Sicherheit geht: Für Personal, Umwelt und Allgemeinheit und b) sind da Summen im Spiel, wo man es sich eigentlich nicht erlauben kann irgendwas auzuprobieren, was noch nicht die Feldreife erreicht hat. Erschreckend ist, dass das, was Bredemeyer in seinem Buch beschreibt, von der Kreiszeitung als real vorkommend suggeriert wird. Denn weiter heißt es:

Für sein Buch mischt der 42-Jährige immer wieder gekonnt fiktive Elemente mit harten Fakten – bevorzugt aus der Region.

Was dabei die Fakten sein sollen, lässt sich aus der Rezension nicht erschließen. Denn mit einem Mindestmaß an Sachkenntnis ist zu erkennen, dass Bredemeyer lediglich fiktive Situationen verarbeitet, die der wahren Grundlage entbehren:

Die Geschichte dreht sich um den internationalen Gasförderer „ARC“, der Fracking-Bohrungen mit allen Mitteln im Hasbruch, einem Laubwaldrevier zwischen Delmenhorst und Oldenburg, durchsetzen will.

Mit “allen Mitteln” agiert in Deutschland kein einziges Explorations- & Produktions- (E&P) Unternehmen. Diese haben sich hierzulande an die strengen Anforderungen des Umweltschutzes zu halten, auch wenn das von der Gegnerschaft konträr gesehen wird. Der Stand der Technik ermöglicht es, durch gerichtete Bohrungen sensible Gebiete  zu verschonen bzw. schwer erreichbare Lagerstätten (unter Gewässern oder Ortschaften) zu erreichen. Beispiele hierfür wären der von Land aus erschlossene östliche Lagerstättenteil der offshore-Erdöllagerstätte “Mittelplate” [1] oder die vor Ostküste Usedoms liegende Lagerstätte Heringsdorf, die mit Ablenkweiten von knapp über 2 Kilometern bereits zu DDR-Zeiten erkundet worden ist.[2]

Somit ist der laut Kreiszeitungs-Artikel im Thriller stattfindende massive Eingriff in Natur und Landschaft, in dessen Folge es zu Protesten kommt, die wiederum ein Todesopfer fordern, reine Phantasie des Autors (der laut Bildunterschrift zuvor im Fantasy-Genre zu Hause war). Die Autorin des Kreiszeitungsartikels sieht das augenscheinlich jedoch anders:

Den realen Hintergrund entdeckte Bredemeyer bei seinen Recherchen quasi direkt vor den Diepholzer Haustüren.

Ohne den Hauch eines Zweifels an den Aussagen zitiert sie Bredemeyer:

„Ich beobachte die Fracking-Bohrungen hier mit großer Sorge“, sagt er mit Blick auf entsprechende Aktivitäten der Wintershall in Barnstorf, Weyhe oder auch im Kreis Rotenburg.

Hier schrillen beim Sachkundigen die Alarmglocken besonders laut. Und das in mehrfacher Hinsicht. Zunächst einmal gibt es keine “Fracking-Bohrungen”. Bevor das Fracverfahren angewendet wird, wird  gebohrt und im Anschluss werden im Bereich des Gasträgers Fracmaßnahmen durchgeführt, sofern diese erforderlich sind. Bei Barnstorf ist das in der bereits vor fast zwei Jahren fertiggestellten Bohrung Düste Z10 zwar geplant, aber aufgrund der Debatte rund um das Fracverfahren bisher noch nicht erfolgt. Zuvor gab es bereits mehrere Bohrungen in der Region, in denen das Verfahren durchgeführt wurde. Die erste Fracmaßnahme in einer Erdgaslagerstätte in Deutschland fand bereits 1961 im benachbarten Erdgasfeld Rehden statt.[3] Darüber hinaus ist bei Weyhe keine Fracmaßnahme vorgesehen gewesen, obwohl es in der dortigen Lagerstätte bereits mehrere Fracmaßnahmen gab. Derzeit ist die Bohrung nach geologisch bedingten Schwierigkeiten eingeschlossen.[4] Darüber hinaus ist Wintershall im Landkreis Rotenburg nicht aktiv. Herr Bredemeyer hätte besser recherchieren sollen.

Eine tiefgründigere Recherche zum Hydraulic Fracturing wäre ebenfalls notwendig gewesen, wie das nächste Zitat offenbart:

„Es ist doch eine relativ neue Technologie, die in den USA schon riesige Schäden angerichtet hat“

Tatsache ist, das Hydraulic Fracturing seit 65 Jahren kommerziell angewendet wird und das weltweit ohne größere Probleme. “Riesige Schäden” sind selbst aus den USA nicht bekannt. Schon gar nicht, was Grundwasserkontaminierungen betrifft. Tatsächlich ist lediglich ein Fall auf über 2 Millionen Fracmaßnahmen bekannt, bei denen Grundwasser durch aufsteigendes Fracfluid verschmutzt wurde.[5] Im Zusammenhang mit der Schiefergasgewinnung gab es sicherlich Umweltschäden. Aber “Fracking” ist a) kein Synonym für Schiefergasförderung und b) befinden wir uns in Deutschland mit einer vollkommen anderen Gesetzeslage, die die Risiken auf ein akzeptables Minimum reduziert. Selbst bei größeren umweltrelevanten Vorkommnissen wurde die Umwelt nicht dauerhaft geschädigt, sondern im Gegenteil umgehend der Schaden beseitigt.

Auf sehr dünnes Eis begibt sich Herr Bredemeyer mit folgender Aussage:

„Da kommt Gift in den Boden rein, und keiner weiß, was drin ist. Dann kommt mit dem Lagerstättenwasser auch etwas wieder heraus, bei dem wieder keiner weiß, was drin ist. Das finde ich bedenklich“

In den “Boden” kommt beim Hydraulic Fracturing gar nichts. Denn schließlich ist “Boden” als oberste Verwitterungsschicht der Lithosphäre (Gesteinshülle) definiert und bildet die Pedosphäre aus (Bodenhülle). Im “Lehrbuch der Allgemeinen Physischen Geographie” [6]ist zu lesen:

Die Bodenbildung (B) ist deshalb als Funktion des Klimas (K), des Reliefeinflusses (R), des Ausgangsgesteins (G), der Vegetation (V) und der Tierwelt (T), des Zuschusswassers aus dem Untergrund oder dem Hang (W), der Zeitdauer, die der Bodenbildung zur Verfügung stand (t), und der menschlichen Einwirkung auf Boden und bodenbildende Faktoren (M) formelmäßig fassbar:

B = f(t) [(K, R, G, V, T, W) * M]

Der Bereich, in dem Fracfluide eingebracht werden, ist vertikal kilomerterweit vom Boden entfernt. In diese tiefen Gesteinsschichten wird auch kein Gift injiziert, sondern eine Flüssigkeit, zu weit über 90 % aus Wasser besteht. Giftige Bestandteile sind, wenn überhaupt, nur in äußerst geringer Konzentration vorhanden, weshalb Fracflüssigkeit entgegen den Behauptungen der Kritiker oder besser Gegner nicht giftig ist.

Außerdem sind entgegen Bredemeyers Aussage sowohl die Zusammensetzungen der Fracfluide bekannt sowie die Zusammensetzung des Lagerstättenwassers. Auf der Wintershall-Seite “Heimische Förderung” ist z.B. die Zusammensetzung des Fracfluids für die Düste Z10 nachzulesen.[7] Aber auch die Zusammensetzung der Lagerstättenwässer (Plural wegen der standortbedingten Unterschiede) ist bekannt.[8] Eine unvoreingenommene Recherche hätte Herrn Bredemeyer gut zu Gesicht gestanden. Stattdessen besteht der Eindruck, dass er sich nur oberflächlich vor dem Schreiben seines Thrillers mit der Thematik befasst hat, was keine gute Ausgangslage für Literatur ist, die sich mit einem kontroversen Thema befasst. Soviel zu diesem Artikel der Kreiszeitung.

2. „No Fracking“: Maßlos enttäuscht

Das ist die Schlagzeile des zweiten Artikels , der hier besprochen werden soll. Zunächst einmal die Einleitung:

Bei der Erdgasförderung fällt immer auch so genanntes Lagerstättenwasser an. Mit dem Wasser kommen je nach Förderplatz unterschiedliche Mengen Salz und Schwermetalle an die Oberfläche – und die Erdgasproduzenten stehen vor der Frage: „Wohin damit?”

RWE-Dea- Bohranlage T-160 im Erdgasfeld Völkersen (Mai 2013)

RWE-Dea- Bohranlage T-160 im Erdgasfeld Völkersen (Mai 2013) ©chef79

Genau genommen stehen die Erdgasproduzenten eigentlich nicht vor der Frage. Denn schließlich wird seit Jahrzehnten ohne Probleme das Lagerstättenwasser in aufnahmefähige Gesteinsschichten, die seit vielen Millionen Jahren von Wasserkreislauf entkoppelt sind, versenkt. Die Bürgerinitiativen benutzen dafür gerne den Ausdruck “Verpressen”, wahrscheinlich weil dieser aggressiver wirkt. In der Region Rotenburg-Verden-Soltau ist dies vor allem der dem kreidezeitlichen Maastricht zugehörige Kalkarenit. Dieser führt stark mineralisiertes Wasser, das zur Trinkwassergewinnung völlig ungeeignet ist. Und obwohl dieser Versenkhorizont durch eine mehrere hundert Meter mächtige wasserundurchlässige Tonschicht von süßwasserführenden Grundwasserleitern entkoppelt ist, befürchtet die Gegnerschaft der einheimischen Erdgasgewinnung eine Kontaminierung von Grundwasserleitern, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden.

Neben der Trennung der Salzwasserleiter von den Süßwasserleitern durch wasserundurchlässige Schichten bestehen weitere Voraussetzungen für 100%-igen Trinkwasserschutz. Zum einen ist es der Fakt, dass abgesehen von einer Ausnahme sämtliche Versenkbohrungen außerhalb von Wasserschutzgebieten liegen. Die Außengrenze eines Wasserschutzgebietes stellt gleichzeitig die Außengrenze des Einzugsgbietes eines Wasserwerkes dar. [9] Und selbst die einzige Versenkbohrung innerhalb eines Wasserschutzgebietes (Völkersen H1) ist durch die Mehrfachverrohrung innerhalb des Abschnittes süßwasserführender Leiter gesichert, zumal sich der Strang, durch den das Lagerstättenwasser )LaWa) versenkt wurde, sich noch einmal innerhalb dieser Mehrfachverrohrung, getrennt durch eienen Hohlraum, befindet. Ein Verrohrungsschema sowie die geologische Situation im Umfeld der Völkersen H1 ist bei RWE-Dea einzusehen. [10] Hinzu kommt noch der sogenannte Ghyben-Herzberg-Effekt, der aufgrund von Dichteunterschieden eine Vermischung von Salzwasser mit Süßwasser verhindert. [11]:

Im Norddeutschen Tiefland existiert eine durchgängig vorhandene vertikale Gliederung in einen oberflächennahen Süßwasserkörper und einen unterlagernden Salzwasserkörper. Aufgrund seiner geringeren Dichte überlagert der Süßwasserkörper die Salzwässer, ohne dass es zu einer nennenswerten Vermischung von Süß- und Salzwässern kommt. Dieses, als Ghyben-Herzberg-Effekt hinlänglich bekannte Phänomen ist die Voraussetzung dafür, dass eine Grundwassernutzung in Norddeutschland überhaupt erst möglich ist.

Trotz dieser über Jahrzehnte hinweg nachgewiesenen Sicherheit der LaWa-Versenkung zweifeln Bürgerinitiativen (BI) daran. Nach Ansicht des Verfassers ist es das Hauptmerkmal von BI, egal welcher Ausprägung, Fakten anzuzweifeln und sachlich unmögliche Szenarien zu erdenken. Das spiegelt sich auch im Artikel wider.

Aufgrund des Drucks der BI “No Fracking” hat die Betreiberen der Lagerstätte Völkersen eine Studie in Auftrag gegeben, die Alternativen zur LaWa-Versenkung in den Kalkarenit erforschen sollte. Die Studie kam zu dem logischen Schluss, dass die akzeptabelste Lösung sei, das LaWa wieder dorthin zu bringen, wo es herkommt. Nämlich in ausgeförderte Bereiche der 5 km tief liegenden Lagerstätte. Diesem Vorschlag müsste eigentlich jeder logisch denkende Mitbürger zustimmen. Nicht jedoch die BI “No Fracking”. Als Begründung der Zweifel dient folgendes Arument:

Die einzigen verwertbaren Erkenntnisse würden sich daraus ergeben, dass der Kurzfassung zu entnehmen sei, dass die Studie ausschließlich von privatwirtschaftlich orientierten Fachbüros, die teilweise schon häufiger oder länger für das Unternehmen gearbeitet haben, erstellt worden ist. Unabhängige Stellen, wie z.B. universitäre Einrichtungen, seien nicht beteiligt.

Selbst wenn universitäre Einrichtungen beteiligt gewesen wären, wäre nach Ansicht des Verfassers Kritik nicht ausgeblieben. Schließlich hätte RWE-Dea die Forschungsarbeit ebenfalls bezahlen müssen (Stichwort Drittmittel), was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Unterstellung seitens der BI dazu geführt hätte, die Unabhängigkeit der beteiligten Wissenschaftler in Frage zu stellen.

Und die BI-Methodik der Unterstellungen, des Anzweifelns und des Vermutens lassen sich im weiteren Verlauf des unkritischen Artikels nachvollziehen. Weil die Stoffe, die im LaWa enthalten sind, angeblich (Verfasser kennt die Studie nicht) “nicht namentlich, sondern mit ihren chemischen Bezeichnungen” benannt wurden, kommt BI-Sprecher Andreas Noltemeyer (B’90/Die Grünen übrigens) zu dem Schluss:

[...] dass man sonst zum Beispiel hätte ausrechnen können, wie viel Quecksilber über Jahre hinweg im Wasserschutzgebiet bei Verden verpresst worden ist.

Das Problem, dass Noltemeyer hier suggeriert, erschließt sich dem Verfasser nicht. Denn wie gesagt ist eine Interaktion zwischen dem Versenkhorizont und den Grundwasserleitern aufgrund der geologischen Rahmenbedingungen sowie physikalischer Gesetze ausgeschlossen. Es wäre interessant, vom Friedhofsgärtner Noltemeyer zu erfahren, wie Quecksilber mit einem spezifischen Gewicht von 13,55 g/cm³ (bei 293,15 K, also +20°C) in Grundwasser mit einem spezifischen Gewicht von ca. 1 g/cm³ entgegen der Gesetze der Schwerkraft aufsteigen soll.

Der Rest des Artikels führt weitere Anschuldigungen, wie folgende auf:

Die behaupteten Ergebnisse würden an keiner Stelle nachvollziehbar belegt bzw. auch nur ansatzweise durch Zahlen, Daten, Fakten untermauert und könnten daher auch nicht überprüft werden.

oder:

Dabei werde dem Ganzen ein in den Augen der Initiative scheinwissenschaftlicher Anstrich gegeben, indem eine sog. „Bewertungstabelle“ zu Grunde gelegt werde, die völlig unzureichend erläutert werde, zumindest in der Kurzfassung der Studie.

Das nur als Beleg für die notorische Bezweiflung von Tatsachen, die nicht in das Weltbild einer BI passen. Hierbei sind Parallelen zum Demokratieverständnis der Gegnerschaft inländischer Kohlenwasserstoffgewinnung erkennbar, wie es vor Kurzem D. Weißenborn in einem auf dem Blog erschienenen Beitrag dargestellt hat. Man kann es mit folgender Formulierung zusammenfassen: “Was nicht im unseren Sinne ist und unseren Vorstellungen entspricht, wird angezweifelt.” Soviel zu diesem Artikel.

3. Krebs durch Erdgasförderung?

Erdgasfördersonde Söhlingen-Ost Z4 chef79

Erdgasfördersonde Söhlingen-Ost Z4 ©chef79

So ist der dritte Artikel überschrieben, der hier diskutiert werden soll. Grundlage dafür ist die subjektive Beobachtung einer Frau aus Söhlingen, die in ihrem privaten Umfeld eine Häufung von Krebsfällen beobachte haben will. Konkrete Zahlen werden dabei in der Einleitung nicht genannt.

Silke Döbel (43), Kosmetikerin aus Söhlingen, ist wie viele andere Einwohner der kleinen Gemeinde erheblich beunruhigt: In jüngerer Zeit, so die Mutter von zwei Kindern, sei es im engsten Umfeld, bei Freunden, Nachbarn und Bekannten zu einer auffälligen Zahl von Krebserkrankungen gekommen.[13]

Im Umfeld von Söhlingen befindet sich eine der bedeutensten Erdgaslagerstätten Deutschlands. Dort, sowie im benachbarten Teilfeld “Grauen” standen 2012 insgesamt 18 Bohrungen in Förderung.[12] Und nach Ansicht von Frau Döbel könnten die Bohrungen mit der subjektiven Einschätzung erhöhter Krebserkrankungen mit diesen zusammenhängen.

Laut des Artikels fordern die besorgten Bürger eine Untersuchung von Luft, Boden und Wasser auf für die Gesundheit relevante Stoffe. Dabei hat es bereits entsprechende Untersuchungen in unmittelbarer Nähe von Förder- bzw. Aufbereitungseinrichtungen gegeben. Diese behördlich durchgeführte Untersuchung kam zu folgendem Ergebnis:

Die Immissionen von BTEX und Quecksilber im Bereich um die Station Söhlingen der ExxonMobil Production Deutschland GmbH zeigen keine Auffälligkeiten, sie liegen im Bereich der Hintergrundwerte und damit deutlich unterhalb der immissionsschutzrechtlichen Beurteilungswerte.

Frau Döbel hat offenbar keine Kenntnis von dieser Untersuchung im Auftrag des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Das ist wenig verwunderlich, denn schließlich fand diese Meldung einer Landesbehörder (!) keinen Niederschlag in der lokalen oder regionalen Medienlandschaft. Das ist in einem Artikel hier auf dem Blog vom Juli vergangenen Jahres nachzulesen (LINK).

Um bei der Kritik an den Artikeln der Kreiszeitung zu bleiben stellt sich die Frage, warum aufgrund eines subjektiven Eindrucks einer Anwohnerin überhaupt eine als tendenziös zu bezeichnende Überschrift verwendet wird. Denn schließlich liegen keine offiziellen Zahlen vor. Tatsächlich denken die Unterzeichner sogar erst darüber nach, beim Krebsregister Oldenburg anzufragen, ob eine erhöhte Erkrankungsrate überhaupt vorliegt:

Zur Zeit, so Otte, werde über ein Abfragen des Krebsregisters in Oldenburg nachgedacht, um zu klären, ob im Bereich Söhlingen/Hemslingen eine erhöhte Rate von Krebserkrankungen vorliegt.

Somit bleibt die Frage bestehen, warum trotz nicht vorhandener Zahlen allein schon durch die Überschrift dem unbedarften Leser suggeriert wird, dass die Förderung von Erdgas zu den nicht belegten vermehrten Krebserkrankungen geführt haben könnte.

Und damit verfestigt dieser Artikel den Eindruck des Verfassers, dass die Kreiszeitung dem Thema inländische Erdgasgewinnung nicht unvoreingenommen, sondern kritisch im negativen Sinne, gegenübersteht. Diese Tendenz ist bei der Kreiszeitung schon seit längerer Zeit zu beaobachten. Die Frage, ob dabei Überzeugung innerhalb der Redaktion dahintersteckt oder einfach nur im Sinne der Meinung der vermeintlichen Mehrheit geschrieben wird, ist nicht eindeutig zu beantworten. Eventuell trifft beides zu.

[1] Mittelplate – Öl fördern im Wattenmeer
[2] Schatzsucher
[3] Liste der Fracs in Niedersachsen
[4] Wintershall in Weyhe
[5] Interview mit Brian Horsfield über Schiefergas und Hydraulic Fracturing
[6] Lehrbuch der Allgemeinen Physischen Geographie
[7] Sonderbetriebsplan für die Durchführung von Frac- & Freiförderarbeiten auf der Teilfeldsuchbohrung (A 4) Düste Z10
[8] Antworten der Wintershall Holding GmbH zum Fragenkatalog zur öffentlichen Anhörung von Sachverständigen zum Antrag der Fraktion der CDU, Drs. 15/1190 zum Thema: „Unkonventionelle Erdgasvorkommen:
Grundwasser schützen – Sorgen der Bürger ernst nehmen – Bergrecht ändern“ am 31. Mai 2011 im Landtag Nordrhein-Westfalen
[9] Wasserschutzgebiet
[10] Informationsveranstaltung Walle, 15. Juni 2012
[11] Stellungnahme der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zum Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Risikobewertung, Handlungsempfehlungen und Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen“
[12] Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2012
[13] Immissionsmessungen an einer Erdgasstation im Landkreis Rotenburg (Wümme)

Erdgasförderung: Kreiszeitung wieder mit vielen Spekulationen

In den letzten Jahren lässt sich ein Trend in der Berichterstattung über Erdöl- und Erdgasprojekte in den Medien erkennen, der in erster Linie von Spekulationen geprägt ist. Dadurch werden viele Gegenbenheiten verdreht oder weggelassen, so dass in der Regel ein Tenor ertönt, der die Suche und Förderung von Kohlenwasserstoffe kritisch beäugen lässt. Die Mediengruppe Kreiszeitung hat gestern wieder einen Artikel veröffentlicht, der dieses eindrucksvoll beweist.

“Erdgasbohrungen bald auch in Achim?” fragt der Autor Michael Mix gleich in der Überschrift und spekuliert in der kurzen Einleitung weiter, wie schon bald riesige Bohrer sich bis zu 5 000 Meter tief durchs Achimer fressen könnten.

Im weiteren Artikel wird der Autor dann konkreter: Konzerne würden in den Gesteinen unter dem dicht besiedelten Stadtgebiet eine Menge Erdgas vermuten. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) habe bereits 2012 der RWE Dea AG und der Wintershall Holding GmbH jeweils eine Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen in Achim und umzu erteilt – ohne das Stadtverwaltung und Ratsmitglieder davon gewusst hätten.

Diese Nachricht sei jetzt bei den Achimer Grünen wie eine Bombe eingeschlagen und auch große Teile der Bevölkerung seien davon geschockt. Im Folgenden wird auf die Erdgaslagerstätten und die Produktionsbetriebe in den umliegenden Landkreise und den teilweise vorgekommenen Unfällen eingegangen, ehe die Lage der Konzessionen beschrieben wird. Es folgt eine Erläuterung was genau eine Aufsuchungserlaubnis bedeutet.

Enden tut der Artikel mit der Frage des Grünen Parteivorsitzenden Bartram, warum es vorher diese Heimlichkeiten über die Köpfe der Kommunen hinweg gebe. Garniert wird diese Frage mit dem Zusatz, dass es die alten, feudalen Rechte seien, den Königen und Fürsten gehörten schließelich ja auch die Bodenschätze.

Doch ist diese Aufregung wirklich gerechtfertigt oder handelt es sich hierbei wieder mal um einige Missverständnisse? Besonders der Punkt um die Vergabe von “Achim (neu)” an Wintershall verdeutlicht, dass es bei der Interpretation der Kreiszeitung bzw. beim Grünen Parteichef einige Lücken gibt. Schauen wir uns daher das Erlaubnisfeld, wie es korrekterweise heißt, genauer an.

Karte mit den hervorgehobenen Erlaubnissen Achim (neu), Verden und Werder.

Karte mit den hervorgehobenen Erlaubnissen Achim (neu), Verden und Werder.

Das Erlaubnisfeld “Achim (neu)” umfasst ein insgesamt 325 Quadratkilometer großes Gebiet, dessen Nordteil an den Südrand von Bremen und Stuhr/Brinkum reicht. Es setzt sich bis Syke fort, verläuft dann weiter in östlicher Richtung, wird dabei etwas schmaler und umfasst im Südteil den Ort Bruchhausen-Vilsen.

Bestehende Erdgasproduktion im Erlaubnisfeld “Achim (neu)”

Wirklich interessant ist momentan nur der nördliche Bereich. Hier befinden sich insgesamt zwei Kohlenwasserstofflagerstätten. Zum einen die bereits aufgegebene Erdgaslagerstätte Syke, die mit insgesamt 4 Bohrungen Erdgas aus dem Zechstein produziert hat. Östlich vom Gasfeld Syke befindet sich die im Buntsandstein in Produktion stehende Lagerstätte Barrien der Wintershall Holding GmbH.

Hier produziert Wintershall seit den 1960er Jahren Erdgas. Das ist alles nichts neues und durchaus bekannt. Um hier tätig zu sein, benötigt das jeweilige Bergbauunternehmen die entsprechenden Erlaubnisse und Bewilligungen. Im Fall von “Achim (neu)” wurde diese Erlaubnis allerdings nicht wie im Artikel neu vergeben, sondern nur verlängert, was aus dem LBEG-Jahresbericht auch eindeutig hervorgeht.

Hätte Wintershall hier nicht die Erlaubnis, könnte man zum einen kein Erdgas produzieren und die Lagerstätte auch nicht weiterentwickeln.

Letzteres sollte im Jahr 2013 in Angriff genommen werden, indem eine neue Bohrung, die Barrien 15T auf den Buntsandstein angesetzt war. Auf Grund von Problemen wurde die Bohrung allerdings eingestellt. Da die Kreiszeitung über das Bohrprojekt und die Informationsveranstaltungen nicht nur einmal berichtet hat, verwundert es doch schon ein bisschen, dass hier von neuen Bohrungen, insbesonders im Stadtgebiet von Achim, gesprochen wird.

Nur nochmal zur Verdeutlichung: Die Kreiszeitung hat über die ersten Präsentationen der Neubohrung berichtet, informiert, dass sich der Bohrbeginn verzögert, Artikel vom Aufbau der Anlage veröffentlicht und sogar einen Bericht über eine Befahrung der Anlage für die Anwohner mit einer ausführlichen Bilderstrecke versehen. Das ist nur ein Auszug aus den Artikeln zur Barrien 15T. Auf den Internetseiten der Wintershall finden sich ebenso weitere Infos zum Standort Barrien, beispielsweise auf dem Blog über die Heimische Förderung.

Aber bereits vor den Bohrtätigkeiten zur 15T hat die Kreiszeitung über die Erdgasförderung in Barrien informiert, wie zum Beispiel über eine Feuerwehrübung auf einem Sondenplatz der Wintershall.

Es ist schon leicht verwunderlich, dass die Kreiszeitung hier über Projekte in und um Achim spekuliert, wo sie bis vor wenigen Monaten noch über die Bohrarbeiten im Erdgasfeld Barrien berichtet haben.

Prospektion in der Umgebung bestehender Felder?

Aber gehen wir noch zu einer ganz allgemeinen Frage bzw. Tatsache, die auch Laien auffallen sollte, die den Kartenserver zur Info heranziehen, was im Fall der Kreiszeitung offenbar geschehen ist, wie anhand des Screenshots der Konzessionen “Werder” und “Achim” ersichtlich ist:

In unmittelbarer Nähe zu den Erlaubnisfeldern befinden sich mehrere, auch recht ergiebige, Erdgaslagerstätten. Hier fällt auf, dass zum einen im Gebiet von Verden und Achim keine Lagerstätten vorhanden sind und hier auch recht wenig abgebohrt wurde. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Lagerstätte Völkersen (Erlaubnis Rotenburg) genau an die Erlaubnis Verden grenzt. Das allesamt sind Informationen, die jeder im Kartenserver des LBEG einsehen kann.

Es wäre also irgendwo nur logisch, wenn den Bergbauunternehmen daran gelegen wäre, auch die Bereiche um Lagerstätten auf mögliche weitere Reserven zu untersuchen. Dies muss nicht zwingend durch Tiefbohrungen geschehen, auch kann eine Neuinterpretation von Seismik-Daten weitere Aufschlüsse und etwaige Möglichkeiten bringen.

Um hier tätig zu werden, benötigt ein Bergbauunternehmen eine entsprechende Erlaubnis. Hier sei im übrigen nochmals erwähnt, dass das Erlaubnisfeld “Verden” 2012 verlängert wurde, es bestand also schon vorher und wurde nicht neu erteilt, das ist nur bei “Werder” der Fall, das lässt sich ganz einfach im Jahresbericht 2012 des LBEG recherchieren.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, das nicht zwingend von Tiefbohrungen ausgegangen werden muss. Ehe es hierzu kommen würde, werden vermutlich noch ein paar Jahre vergehen. Ob dann wirklich unmittelbar im Stadtgebiet von Achim gebohrt würde, darf ebenso bezweifelt werden, da es dank der modernen Bohrtechnik möglich ist, gezielt Lagerstätten auch von außen, also mittels gerichteten Bohrungen, zu erreichen. Nur eins sind die “Bohrer” in diesen Teufen nicht mehr – riesig, da sich mit zunehmender Tiefe der Rohrdurchmesser und somit auch der des Meißels verkleinert.

Anmerkungen/Ergänzungen des Seitenbetreibers: Was beim Artikel auffällt, ist der durchgehend negative Tenor. Das lässt sich insbesondere an folgendem Satz feststellen:

Insbesondere im Flecken Langwedel, wo die RWE-Dea mit dem „Förderbetrieb Niedersachsen“ den Boden in erheblichem Umfang ausbeutet, und benachbarten Gemeinden, aber auch im Landkreis Rotenburg oder in Weyhe, hat die Erdgasförderung weit über das spezielle Fracking-Verfahren hinaus zu erschütternden Begleiterscheinungen wie Erdbeben, Rissen an Häusern, durch Benzol, Quecksilber und andere Schadstoffe verunreinigte Böden und Angst vor Vergiftung des Grund- und Trinkwassers geführt.

Das einzige erschütternde Ereignis, und das im wahrsten Sinne des Wortes, war das Erdbeben im November 2012. Darüber hinaus gab es am Lagerstättenwasser (LaWa)-Leitungsnetz im Bereich des Feldes “Völkersen” abschnittsweise und räumlich auf einen schmalen Streifen von wenigen Metern begrenzt Kontaminationen des Grundwassers. (was nicht mit Trinkwasser gleichzusetzen ist!) In den Bereichen, wo die Leitungen keinen unmittelbaren Kontakt zum Grundwasser hatten, gab es keine erhöhten Benzolwerte. Letzten Endes wurde festgestellt, dass weder Pflanzen noch Tiere beeinträchtig wurden, oder anders ausgedrückt, dass das Benzol nicht in die Nahrungskette gelangt ist. Dennoch wurde insbesondere beim NDR aber auch in Formaten der Mutter ARD von einem “Umweltskandal” gesprochen. Über die Entwarnung war bei NDR online hingegen nur eine Kurznachricht zu lesen. Über das umgehend eingeleitete Sanierungsprogramm und dessen Erfolge wird dort gar nicht berichtet.

Ähnliches trifft auf einen Schadensfall im Erdgasfeld “Söhlingen” zu, das von der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) betrieben wird. Hier sind an einer LaWa-Leitung bereits 2007 Kontaminationen mit Benzol und Quecksilber dokumentiert worden. Eine Sanierung des 250 Meter langen Streifens erfolgte 2010. Dennoch konstruierte der NDR auch hieraus einen Umweltskandal und eine angebliche Vertuschung des Vorfalls, obwohl im Bericht, der das beweisen sollte, das an der dortigen Verbindungsstraße aufgestellte Baustellenschild zeigte. Als “Beweis” für die Vertuschung sollte dienen, dass die dort aufgeführte Rufnummer nicht zum Verantwortlichen der EMPG führt. Für mich sah der Anruf, der angeblich bei einer anderen Person einging, fingiert aus.

Welche die “anderen Schadstoffe”, die der Artikelschreiber anführt, sind, bleibt sein Geheimnis. Es sind lediglich diese beiden Kontaminationen außerhalb von Betriebsgeländen bekannt und es wurden dabei Benzol bzw. Benzol- und Quecksilberverunreinigungen dokumentiert. Die von Michael Mix erwähnte Angst vor Trinkwasserverunreinigung ist meiner Ansicht nach eine Folge der dramatisierten Berichterstattung im Fernsehen, aber auch bei der Kreiszeitung. Sachlich nachvollzihebar ist sie nicht, da sämtliche Schadensfälle außerhalb von Wasserschutzgebieten erfolgten und räumlich sowohl horizontal als auch vertikal eng begrenzt waren. Hinzu kommt, dass meiner Ansicht nach Bürgerinitiativen mit ihren Spekulationen jenseits technischen und geologischen Sachverstandes bei vielen Mitbürgern auf fruchtbaren Boden fallen.

Abschließend bleibt festzustellen, dass die Kreiszeitung zum wiederholten Male mit einem gegnüber den Kritikern recht unkritischen Artikel zum Thema einheimische Erdgasförderung auffällt. Allein in der nun fast abgelaufenen Woche gab es drei weitere Beiträge, die sich vom Grundtenor her negativ mit dem Thema befassten. Dazu an anderer Stelle mehr.

LBEG bleibt Bergbehörde für Schleswig-Holstein

Bereits am 21. Dezember 2013 erschien hier ein Artikel der sich mit dem Thema LBEG als Bergbehörde für Schleswig-Holstein befasste. Hintergrund war damals ein von der Piratenpartei in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zur Zuständigkeit des niedersächsischen LBEG für Schleswig-Holstein.

Aufsuchungserlaubnisse in Schleswig-Holstein Quelle: LBEG-Kartenserver

Aufsuchungserlaubnisse in Schleswig-Holstein
Quelle: LBEG-Kartenserver

Dieses Rechtsgutachten stellte dabei fest , dass das LBEG Rechtsnachfolger des ehemaligen niedersäschsischen Bergamtes nach dessen Fusion mit dem Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung sei.  Dass es überhaupt zu einer Diskussion um die Zuständigkeit des LBEG für Schleswig-Holstein kam, ist dem Sachverhalt geschuldet, dass in der jüngeren Vergangenheit mehrere Aufsuchungserlaubnisse nach § 7 BBergG für Kohlenwasserstoffe erteilt worden sind (siehe Karte). Diese wurden von Gegnern inländischer Kohlenwasserstoffgewinnung zu “Frackinggebieten” deklariert. Die Piratenpartei stehen dem seit Jahrzehnten angewendeten Hydraulic-Fracturing-Verfahren, das primär zum Ziel hat, geringdurchlässige Erdöl-/Erdgaslagerstätten nutzen zu können, ablehnend gegenüber. Warum genau, ist nirgendwo zu erfahren. Sie sahen sich deshalb veranlasst, das Rechtsgutachten in Auftrag zu geben, in der Hoffnung, dass die Aufsuchungserlaubnisse nichtig sind.

Außerdem wurde von der Piratenpartei im Schulterschluss mit Bürgerinitiativen gefordert, für Schleswig-Holstein ein eigenes Bergamt zu implementieren, da sie der Ansicht sind, dass somit die Erteilung von Erlaubnissen, die nach ihrer Meinung fälschlicherweise die Voraussetzung für Fracmaßnahmen sind, verhindert werden könnten. Doch der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (B’90/Die Grünen), der das Fracverfahren verbieten möchte, erläutert, dass es irrelevant sei, ob die Bergbehörde in Niedersachsen ihren Sitz hat oder im eigenen Bundesland. Schließlich wäre auch eine eigene Bergbehörde an das Bundesberggesetz gebunden. Das geht aus einem Artikel der “Kieler Nachrichten” (KN) hervor. Warum Habeck so vehement gegen das Standardverfahren Hydraulic Fracturing agiert und sogar ein ein “Fracking”-Verbot über das Berggesetz beantragt im Bundesrat beantragt hat, ist nicht nachvollziehbar. Schließlich heißt es auf der Website seines Ministeriums:

4. Gab es in der Vergangenheit Fracking-Maßnahmen in Schleswig-Holstein ?

Ja, es gab mehrere Bohrungen mit dem Einsatz der Fracking-Methode. Diese Bohrungen fanden zwischen 1955 und 1994 überwiegend im Kreis Plön statt. Es gibt keine Hinweise, dass die Maßnahmen in dem betroffenen Gebiet zu schädlichen Umweltauswirkungen geführt haben.

Aber zumindest was die Einrichtung eines eigenen Landesbergamtes betrifft, ließ Habeck Vernunft walten. Schließlich würde es mit 1,2 Millionen € fast das dreifache an Kosten verursachen als die 430.000 €, die Schleswig-Holstein derzeit für die Leistungen des LBEG  an Niedersachsen überweisen muss (Quelle: KN-Artikel). Der KN-Artikel schließt dann mit folgendem Satz: “Derzeit liegt im Norden kein Antrag auf Fracking vor.” Wo auch? Sämtliche Onshore-Bohrungen sind aufgegeben und verfüllt und neue Bohrungen zur Erkundung neuer Felder oder zur von RWE-Dea geplanten Wiedererschließung aufgelassener Felder in Ostholstein sind bisher nicht gebohrt worden.

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